Braunes Fettgewebe: Fettverbrenner und Schlankmacher


In unserem Körper haben wir neben dem weißen Fettgewebe auch noch braunes Fettgewebe. Im Gegensatz zum weißen Fett verbrennt braunes Fett auch noch Energie, indem es Wärme erzeugt. Tiere, die Winterschlaf halten, und auch Säuglinge haben davon recht viel, da sie eher vom Auskühlen bedroht sind. Bei Erwachsenen fällt der Gehalt des braunen Fettgewebes dagegen mager aus, denn weißes Isolierfett und Kältezittern halten uns warm. Ist auch unser braunes Fettgewebe metabolisch aktiv? Kann braunes Fettgewebe beim Erwachsenen wirklich Fett verbrennen?

Vor einigen Jahren ist man noch davon ausgegangen, dass braunes Fettgewebe beim Erwachsenen nicht mehr aktiv ist. Neuere Studien beweisen jedoch das Gegenteil. Das charakteristische Protein „uncoupling protein 1 (UCP1)“ sorgt dafür, dass Energie aus der Nahrung in den Mitochondrien der braunen Fettzellen verbrannt werden kann. Durch diesen Mechanismus produziert die braune Fettzelle Wärme – als Schutz gegen Kälte. Außerdem könnte das braune Fettgewebe so vor Fettleibigkeit schützen, da mehr Energie aus der Nahrung verbrannt statt als Fett eingelagert wird. Die Abwesenheit von braunem Fettgewebe könnte dagegen die individuelle Neigung zu Übergewicht verstärken. Wer braunes Fettgewebe hat, bei dem liegen die Depots  vor allem im Nacken und Brustbereich. Laut Studienergebnissen verfügen fast 100% der Teenager und jungen Erwachsenen und mindestens 30% aller Erwachsenen über braunes Fett.

Aber ist das braune Fett auch metabolisch aktiv? Die Evidenz:

Wurden Studienteilnehmer Kälte ausgesetzt, dann zeigte sich eine signifikant gesteigerte Durchblutung des braunen Fettgewebes. Allerdings könnte die Durchblutung des Gewebes auch ohne einen erhöhten Stoffwechsel des braunen Fettgewebes ansteigen. Quellet et al. konnten schließlich zeigen, dass Kälte nicht nur zu einer verbesserten Durchblutung, sondern auch zu einer erhöhten Stoffwechselleistung des Gewebes führte (Ouellet V, et al., J Clin Invest. 2012;122(2):545–552.). In ihrer Studie wurden 6 Probanden mittels eines mit Wasser gekühlten Anzugs kontrollierter Kälte ausgesetzt. Die Probanden bekamen radioaktives Acetat. Dieses verteilt sich prinzipiell abhängig von der Durchblutung im Körper.

Wenn den Probanden kalt war, dann war die Acetat-Aufnahme des braunen Fettgewebes viermal so hoch wie die Acetat-Aufnahme im Muskelgewebe, was auf die verbesserte Durchblutung des Fettgewebes hinweist. Das Verschwinden der Radioaktivität aus den Geweben weist wiederum auf die Stoffwechselaktivität des Gewebes hin. In dem Gewebe von warmen Probanden blieb die Radioaktivität lange vorhanden. Wenn die Probanden dagegen froren, dann verschwand die Radioaktivität innerhalb von Minuten aus dem braunen Fettgewebe. Somit ist das braune Fettgewebe tatsächlich auch bei Erwachsenen metabolisch aktiv. Diese Studie und andere zeigten auch: Bei frierenden Probanden kann der Stoffwechsel auf bis zu 80% erhöht sein. Wow. Die Hälfte des Stoffwechselanstiegs scheint jedoch auf das vermehrte Zittern zurückzuführen zu sein.

Woher nimmt das braune Fett die Energie?

Das braune Fett speichert Fette in Form von Triglyzerid-Tröpfchen. Daher kommt auch die Bezeichnung dieses Gewebes als „Fettgewebe“, obwohl man heute davon ausgeht, dass es eher mit den Muskeln verwandt ist. Quellet et al. kamen zu dem Schluss, dass das braune Fettgewebe aus den gespeicherten Fett-Tröpfchen in seinen Zellen die Energie bezieht.

Wenn man nun länger friert, dann neigen sich diese Fettspeicher dem Ende zu und die Wärmeproduktion würde stattdessen durch zirkulierende Energiequellen angetrieben werden. Diese Energiequellen könnten zum Beispiel freie Fettsäuren aus dem weißen Fettgewebe sein. Wissenschaftler konnten zeigen, dass dies tatsächlich zu einem geringen Grad passiert. Die hohe Expression des Enzyms Lipoproteinlipase in dem Gewebe deutet jedoch darauf hin, dass das braune Fettgewebe vor allem Lipoproteine aus der Leber und dem Darm verbrennt. Zusätzliche Energie könnte aus zirkulierender Glukose stammen.

Was bedeutet das für uns?

Kälte führt dank des Kältezitterns und braunen Fettgewebes zu einer erhöhten Fettverbrennung. Da wir jedoch durch Heizungen und wärmende Kleidung vor häufigem  Frieren geschützt sind, ist insbesondere diese Tatsache besonders interessant:

Bei Menschen, die über braunes Fettgewebe verfügen, scheint nach dem Essen einer Mahlzeit ein höherer thermogenetischer Effekt aufzutreten. Das heißt, mehr Energie aus dem Essen wird in Wärme umgewandelt statt als Fett im weißen Fettgewebe gespeichert zu werden.

0 Kommentare

  • Keine Kommentare vorhanden

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte beachten Sie, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen