Cholesterin – Das Blutfett das Probleme macht


66% der Frauen und 65% der Männer leiden in Deutschland an einer Fettstoffwechselstörung. Der Fettstoffwechsel kann durch vielfältige Faktoren gestört werden. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Wert des Gesamtcholesterins zu [1]. Erhöhte Cholesterinwerte können zu Arteriosklerose führen. Arteriosklerose sind Ablagerungen in den Blutgefäßen, die beispielsweise zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Im Folgenden soll genauer auf das Blutfett und die damit verbundenen Problematiken eingegangen werden.

 

Cholesterin

Cholesterin ist ein nicht essenzieller Nährstoff und kann folglich vom Körper selbst hergestellt werden. Durch cholesterinhaltige Lebensmittel kann jedoch der Cholesterinwert zusätzlich erhöht werden [2].

Das Gesamtcholesterin lässt sich in verschiedene Parameter einteilen. Es gibt die Very-Low- (VLDL), die Intermediate- (IDL), die Low- (LDL) und die High-Density-Lipoproteine (HDL). Diese Lipoproteine unterscheiden sich in der Dichte und Zusammensetzung. Da das VLDL nach 1 – 3 Stunden zerfällt und in das IDL umgewandelt wird, bekommt das LDL die größte Aufmerksamkeit in der Medizin. Das LDL entsteht durch die Umwandlung des IDL und wird umgangssprachlich als das „böse“ oder „lass das lieber“ Cholesterin bezeichnet. Diesen negativen Titel verdankt das LDL-Cholesterin seiner Eigenschaft, dass es zu Arteriosklerose führen kann. Das HDL-Cholesterin wird auch das „gute“ oder „hab dich lieb“ Cholesterin genannt. Dieses ist ein Schutzfaktor vor Arterienverkalkung, da es die Reste des LDLs aus dem Blut filtert und zur Leber zurückbringt. Folglich verhindert es die Anlagerung von LDL in den Gefäßwänden [2].

 

Funktionen von Cholesterin im Körper

Cholesterin ist für uns überlebenswichtig. Es ist an der Produktion von Gallensäure beteiligt. Weiterhin ist es für die Bildung von Steroidhormonen, wie beispielsweise Östrogen, Testosteron und Cortisol verantwortlich. Außerdem sorgt Cholesterin für den Aufbau der Zellmembran und ist die Ausgangssubstanz aus der das Vitamin D gebildet werden kann [2,3].

 

Nahrungsquellen von Cholesterin

[3]

Cholesterin ist ausschließlich in tierischen Produkten enthalten. In der folgenden Tabelle sind einige Lebensmittel und deren Cholesteringehalte aufgelistet.

 

Lebensmittel Cholesteringehalt in mg / 100 g Lebensmittel
Hühnerei 550
Rinderleber 265
Butter 240
Rindfleisch 120
Schnittkäse (45% Fett i. Tr.) 110
Geflügel 80
Schweinefleisch 70
Vollmilch 10

 

Bedarf an Cholesterin

Da der Körper in Eigensynthese selbst Cholesterin bilden kann, existiert praktisch kein externer Bedarf. Dennoch kann der Körper bis zu 3 Gramm Cholesterin pro Tag über die Nahrung zusätzlich aufnehmen. Das restliche in der Nahrung enthaltene Cholesterin wird einfach ausgeschieden. Ausnahmen stellen Personen mit speziellen Fettstoffwechselstörungen dar.

 

Testung der Cholesterinwerte

Mit Hilfe des cerascreen® Cholesterin-Tests können Sie Ihren Cholesterinwert bestimmen lassen. Dafür entnehmen Sie einige Tropfen Blut aus Ihrem Finger und füllen dies in das beigefügte Röhrchen. Anschließend versenden Sie die Probe mit dem beiliegenden Umschlag an unser humandiagnostisches Fachlabor. Dort wird Ihr Blut auf das Gesamtcholesterin, das LDL (Low-Density-Lipoprotein), das HDL (High-Density-Lipoprotein), sowie auf die Triglyceride getestet. Zusätzlich wird Ihr LDL/HDL-Quotient berechnet. Der Quotient ist entscheidend, da ein sehr guter HDL-Wert als Schutzfaktor gilt und somit ein erhöhter LDL-Spiegel als nicht so kritisch angesehen werden muss. Die Erklärung erfolgt bei dem Test ausführlich in Form eines Ergebnisberichts.

Der Normalbereich der Blutfettwerte ist in folgender Tabelle angegeben. Da Cholesterin in unterschiedlichen Einheiten angegeben werden kann, wurde sowohl Milligramm pro Deziliter als auch Millimol pro Liter aufgelistet.

 

Blutfettwerte Normalbereich in mg / dl (mmol / l)
Gesamtcholesterin < 200 (< 5,2)
LDL-Cholesterin < 130 (< 3,4)
HDL-Cholesterin > 40 (> 1,0)
Triglyceride < 150 (< 1,7)

 

Cholesterin und Arteriosklerose

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein weltweites Problem. Zu viel Cholesterin (Hypercholesterinämie) gilt schon seit langem als Risikofaktor für Krankheiten der Blutgefäße. Durch einen erhöhten Blutfettspiegel kann es zu Arteriosklerose kommen – zur Verkalkung der Blutgefäße [4].

Die schwerwiegendste und häufigste Folge von arteriosklerotischen Veränderungen in den Gefäßen ist der Herzinfarkt. Bei diesem kommt es zu einer Zerstörung des Herzmuskelgewebes aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung. Häufig ist die Ursache für den Sauerstoffmangel ein Verschluss der versorgenden Gefäße durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Ursächlich für diese Thrombose ist die Anlagerung von Cholesterin an die Gefäßwände und die dadurch entstehenden Verengungen in diesen Bereichen (Arealen). Dort kann es zur Bildung von Blutgerinnseln kommen [3].

Eine weitere Folge der Arteriosklerose sind die sogenannten koronaren Herzkrankheiten, kurz: KHK. Es handelt sich dabei um Erkrankungen des Herzens, die durch Verschlüsse oder Engstellen der Herzkranzgefäße (Koronararterien) verursacht werden. Herzkranzgefäße versorgen das Herz mit sauerstoffreichem Blut und energieliefernden Nährstoffen. Die Symptome können von einer kurzfristigen Verengung der Herzkranzgefäße über Herzrhythmusstörungen, Kurzatmigkeit und Herzschwäche reichen – und nicht zuletzt zu einem Herzinfarkt führen [3].

Zusätzlich kann es durch die Arteriosklerose zu einem Schlaganfall kommen. Dabei entsteht eine Minderdurchblutung in unterschiedlichen Gehirnbereichen. Je nachdem, welche Gehirnareale betroffen sind, zeigen sich unterschiedliche Symptome. Bei einigen Betroffenen hängt lediglich der Mundwinkel herunter, bei anderen entstehen beispielsweise Sprach- und Sehstörungen. Auch Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle – meist typischerweise eine Körperhälfte betreffend, sind auftretende Symptome. Schwindel und Störungen in der Bewegung können ebenfalls vorkommen. Um den dauerhaften Schaden möglichst gering zu halten, ist hier die sofortige medizinische Versorgung von besonderer Wichtigkeit [3].

Das sogenannte Raucherbein, medizinisch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) genannt, geht ebenfalls auf eine Arteriosklerose zurück. Die durch die Arteriosklerose gebildeten Engstellen (Stenosen) behindern oder unterbinden den Blutfluss schlimmstenfalls vollständig. Der Ausdruck Raucherbein ist durch die Umstände entstanden, dass sich die Auswirkungen besonders in den Beinen zeigten und häufig Raucher betroffen sind.

Arteriosklerose und deren Folgeerkrankungen sind ursächlich für etwa die Hälfte der Todesfälle in den westlichen Industrienationen!

 

Cholesterin und Abnehmen: Langzeiteffekte von Low-Fat-Diäten

Verschiedene Studien zeigen eine Verbesserung des Cholesterin-Spiegels durch Low-Fat-Diäten. Fock & Khoo (2013) definieren eine solche Diät mit einem prozentualen Fettanteil am gesamten Energiebedarf von 20 – 25% bei einer täglichen Kalorienaufnahme von 1000 – 1500 Kilokalorien pro Tag [5]. Bei Diäten mit sehr geringem Fettanteil (Very-Low-Fat-Diät) beträgt der prozentuale Anteil weniger als 15% [6]. In einer Vielzahl von Studien mit einem zeitlichen Verlauf von sechs Monaten bis sechs Jahren wurden Reduzierungen des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins festgestellt [7-10]. Eine Senkung des Triglycerid-Spiegels konnte ebenfalls in einigen Studien ermittelt werden [8,10]. Ob sich durch eine Low-Fat-Diät der HDL-Cholesterinwert ebenfalls verbessert ist bisher noch strittig und benötigt weitere Untersuchungen.

 

Cholesterin und Sport

Schlechte Blutfettwerte werden oftmals mit Übergewicht, körperlicher Inaktivität und Rauchen in Zusammenhang gebracht. Besonders das HDL-Cholesterin verschlechtert sich unter den genannten Bedingungen. Denn genau die gegensätzlichen Parameter unterstützen einen guten HDL-Spiegel: normales Körpergewicht, Sport und der Verzicht auf das Rauchen [11].

Folglich ist Sport ein hervorragender Weg, um die Blutfette im Griff zu behalten. Das HDL-Cholesterin sammelt die überschüssigen Cholesterinreste ein und bringt diese zurück zur Leber. So sorgt das „hab dich lieb“-Cholesterin für einen Schutz vor Arteriosklerose.

 

Cholesterin und Stress

Stress kennt jeder – sei es in der Schule, im Studium, beim Arbeitsplatz oder in der Familie. Stress kann unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burn-Out und Depressionen führen. Verschiedene Studien zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen hohen Cholesterinwerten und Stress. Besonders sind hier die Gesamt- und die LDL-Cholesterinwerte zu betrachten. Eine mögliche Erklärung liefert der durch den Stress stark erhöhten Blutdruck. Diese Veränderung der Blutgeschwindigkeit ist wesentlich höher bei gesteigerten Cholesterinwerten [12]. Folglich gilt es den Stress zu reduzieren, um den Blutdruck zu entlasten. Eine Studie aus 2014 zeigt beispielsweise, dass Yoga hilft den Blutdruck und Blutfette, wie die Triglyceride zu senken [13].

 

Cholesterin natürlich senken

Da das Cholesterin zu den Blutfetten gehört, liegt es nahe in der Ernährung besonders auf die Fettzusammensetzung zu achten. Die einzelnen Fettsäurearten zeigen unterschiedliche Auswirkungen auf den Cholesterin-Spiegel. So sorgen gesättigte und trans-Fettsäuren eher für erhöhte Triglycerid- und LDL-Cholesterinwerte [14]. Stattdessen haben die ungesättigten Fettsäuren, wie die Omega-6-Fettsäuren, die wir vorwiegend in pflanzlichen Ölen finden, einen positiven Einfluss auf den LDL-Cholesterin-Spiegel [15]. Bekannte Öle mit diesen Fettsäuren sind unter anderem Olivenöl, Distelöl und Sonnenblumenöl. Die ebenfalls ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, reduzieren nachweislich die Triglyceride im Blut. Diese Fettsäuren sind besonders viel in Fettfisch, Leinöl oder Algenöl enthalten. Weiterhin zeigt die allgemeine Reduzierung des Gesamtfettes ebenfalls einen positiven Einfluss auf die LDL- und Triglyceridwerte. Allerdings sollte die Fettzufuhr auch nicht zu strikt gesenkt werden, da für die HDL-Cholesterin-Bildung Fett benötigt wird [16].

 

Literatur

1 Hoebel et al. (2014). Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“. Robert Koch-Institut: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 1-4.

2 Biesalski et al. (2015). Taschenatlas Ernährung. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

3 Kasper, H., & Burghardt, W. (2014). Ernährungsmedizin und Diätetik (Vol. 12). Würzburg: Urban & Fischer.

4 Shahid et al. (2015). Is high high-density lipoprotein cholesterol beneficial for premature coronary heart disease? A meta-analysis. European Journal of Preventive Cardiology. 0(00): 1-10.

5 Fock, K. & Khoon, J. (2013). Diet and exercise in management of obesity and overweight.Journal of Gastroenterology and Hepatology. S. 59-63.

6 Cheung, S.-T. (2000). Possible Dangers in a Low-Fat Diet: Some evidence reviewed. Nutrition and Health. S. 271-280.

7 Esposito et al. (Juli 2014). The Effects of a Mediterranean Diet on the Need for Diabetes Drugs and Remission of Newly Diagnosed Type 2 Diabetes: Follow-up of a Randomized Trial. Diabetes Care. S. 1824-1830.

8 Foster et al. (2010). Weight and Metabolic Outcomes After 2 Years on a Low-Carbohydrate Versus Low-Fat Diet. NIH Public Access. National Institutes of Health policy. 147-157.

9 Sacks et al. (2009). Comparison of Weight-Loss Diets with Different Compositions of Fat, Protein, and Carbohydrates. New England Journal of Medicine. 360: 859-873.

10 Yancy et al. (2004). A low-carbohydrate, ketogenic diet versus a low-fat diet to treat obesity and hyperlipidemia: a randomized, controlled trial. Annals of Internal Medicine. 140:769-777.

11 Eckardstein et al. (2000). Prevention of coronary heart disease by raising high-density lipoprotein cholesterol?. Current Opinion in Lipidology. 11(6): 627-637.

12 Ware, W. R. (2007). High cholesterol and coronary heart disease in younger men: The potential role of stress induced exaggerated blood pressure response. Medical Hypotheses. 70: 543-547.

13 Hartley et al. (2014). Yoga for primary prevenion of cardiovascular disease. The Cochrane Libary. 5: 1-51.

14 Wissenschaftliches Symposium der DGE (2006). Gutes Fett – schlechtes Fett: Welche Fette brauchen wir?. Presseinformation: Presse, DGE aktuell. 15.

15 Bazinet et al. (2014). Omega-6 polyunsaturated fatty acids: Is a broad cholesterol-lowering health claim appropriate? Canadian Medical Association Journal. 186(6): 434-439).

16 Harland J. I. (2012). Food combinations for cholesterol lowering. Nutrition Research Reviews. 25(2): 249-266.

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