Cortisol – Das Stresshormon


Stress, gestörte Wundheilung, Osteoporose und Übergewicht sind nur einige Begleiterscheinungen von Cortisol-Überschuss. Cortisol wird als das „Stresshormon“ bezeichnet, da Stress zu einem Anstieg des Cortisol-Spiegels führt. Ein erhöhter Cortisol-Wert kann mittlerweile mit diversen weiteren Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. So spiel Cortisol beispielsweise eine Rolle beim Diabetes mellitus, Übergewicht und Adipositas (stark erhöhtes Übergewicht) und bei Depressionen. Im folgenden Text soll das „Stresshormon“ genauer erklärt werden und auch auf die positiven und lebensnotwendigen Funktionen von Cortisol genauer eingegangen werden.

Cortisol

Cortisol ist ein Hormon und gehört zu der Gruppe der Glucocorticoide. Die Glucocorticoide werden in der Nebennierenrinde gebildet und haben Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel. Neben Cortisol gehört Cortison zu den natürlichen Glucocorticoiden. Der Großteil des Cortisols liegt in gebundener Form im Blut vor. Lediglich 1 – 3% des Cortisols liegt ungebunden im Blutplasma vor. Das ungebundene Cortisol ist die aktive Form des Cortisols. Insgesamt ist der Cortisol-Spiegel, besonders der des freien Cortisols, Schwankungen unterlegen. So ist der Spiegel morgens am höchsten, nimmt über den Tagesverlauf ab und hat gegen Mitternacht sein Minimum erreicht [1]. In der folgenden Grafik ist ein möglicher Verlauf eines Cortisol -Spiegels dagestellt. Hier wird eine Cortisol-Spiegel-Messung anhand eines Speichelprofils dargestellt. Mehr dazu unter Testung des Cortisol-Spiegels. Beispiel Speichel-Cortisol




 Der Cortisol-Spiegel ist abhängig vom Alter, dem Geschlecht, dem Östrogenspiegel, dem Stress, der Ernährung (insbesondere kohlenhydratreicher Ernährung), dem Übergewicht und dem Blutzuckerspiegel. So weisen beispielsweise Frauen während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Menopause wesentlich höhere Cortisol-Spiegel als Männer in dem gleichen Alter auf. Während der Schwangerschaft kann der Cortisol-Wert sogar um das hundertfache erhöht sein [2].  

Funktionen von Cortisol im Körper

Das Cortisol hat für unseren Körper überlebenswichtige Funktionen. Es reguliert physiologische Prozesse, wie beispielsweise den Energiestoffwechsel, die Aufrechterhaltung der Mineralstoffbalance und den Blutdruck, das Immunsystem, die Verarbeitung von Stress, die Zellteilung und die Gedächtnisregulation und Gehirnfunktion [1]. Cortisol hat beispielsweise eine überlebensnotwendige Funktion in der Kohlenhydratbereitstellung. So sorgt es nachts für eine Blutzuckererhöhung, damit dem Körper - mit dem Ausbleiben der Nahrungszufuhr zwischen Abendessen und Frühstück - ausreichend Energie zur Verfügung steht. Zudem wird vermehrt der Protein- und Fettabbau durch Cortisol angeregt, um Energie bereitzustellen. Somit wirkt Cortisol abbauend (katabol), da sowohl Fettgewebe als auch Muskulatur abgebaut wird. Weiterhin hat das Hormon Cortisol Einfluss auf das Immunsystem. Einfach ausgedrückt ist es für die Behandlung des vom Immunsystem verursachten Schadens verantwortlich. So finden synthetisch hergestellte Glucocorticoide wie Pregnison beispielsweise Anwendung bei Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigenes, gesundes Gewebe angreift. Zusätzlich wird es bei allergischen Reaktionen und chronischen sowie akuten Entzündungen eingesetzt [3].  

Symptome eines Cortisol-Mangels

Ein Mangel an freiem Cortisol im Körper kann mehrere Ursachen haben. Bei einer vorliegenden Nierenrindeninsuffizienz (-unterfunktion) ist der Cortisol-Spiegel aufgrund mangelnder Bildung verringert. Dieser Zustand nennt sich Morbus Addison. Bei diesem Zustand kann es beispielsweise zu Schwäche und Müdigkeit, Hautveränderungen, Gewichtsverlust, Erbrechen und verringertem Blutdruck kommen. Zudem kann es allgemein bei einem Cortisol-Mangel - zusätzlich zu den Symptomen - zu Störungen im Kohlenhydrat- und Calciumstoffwechsel, Veränderungen der Psyche und zum Verlust der Stressbewältigung kommen [4].  

 

Symptome eines Cortisol-Überschusses

Ein erhöhter Cortisol-Spiegel lässt sich nicht nur anhand der Aufhebung oder Verschiebung der vorher beschriebenen physiologischen Tagesrhythmik, sondern auch an den einzelnen erhöhten Werten erkennen. Beispielsweise in der Haut behindert ein Cortisol-Überschuss die Wundheilung. Zudem verhindert ein erhöhter Cortisol-Spiegel den Einbau von Nährstoffen in die Knochen, sodass es zu einer Demineralisierung (Abbau von Mineralstoffen aus Knochen) und zu einer Osteoporose kommen kann. Bei der Osteoporose findet eine Knochenerweichung statt und die Knochen können sich leichter verformen und brechen schneller. Weiterhin wurde in mehreren Studien ein Cortisol-Überschuss bei Patienten mit Depressionen festgestellt. Daraus lässt sich die Vermutung ableiten, dass Cortisol möglicherweise einen Einfluss auf Depressionen hat. Ein Cortisol-Überschuss kann beispielsweise durch Erkrankungen wie Morbus Cushing oder Tumoren verursacht werden. Morbus Cushing entsteht durch einen Tumor in der Hypophyse (Eine Hormondrüse im Gehirn) und verursacht eine erhöhte Cortisol-Ausschüttung. Anzeichen für ein Morbus-Cushing-Syndrom sind unter anderem Gewichtszunahme, Hautveränderungen, Bluthochdruck und erhöhte Blutzuckerwerte. Dieses Cushing-Syndrom kann ebenfalls durch Medikamente wie synthetische Glucocorticoide verursacht werden [3].  

Testung des Cortisol-Spiegels

Der Cortisol-Spiegel wird üblicherweise über ein Tagesprofil ermittelt. Dabei wird die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel getestet. Ein Tagesprofil stellt mittels mehrerer Messungen an einem Tag den Verlauf Ihres Cortisol-Spiegels mit einer höheren Aussagekraft dar, als diese bei einmaligen Messungen der Fall wäre. Hintergrund ist, dass der Cortisol-Spiegel im Tagesverlauf größeren physiologischen Schwankungen unterliegt. Aufgrund der heute vorherrschenden Lebenssituation mit beruflichem und privatem Stress sind die Cortisol-Spiegel häufig nicht mehr im Normbereich. Zudem können unterschiedliche Erkrankungen und Medikamente zu einer Abweichung des Cortisol-Spiegels führen. Der cerascreen® Cortisol-Test hilft Ihnen Ihren Cortisol-Spiegel zu messen und bietet Ihnen einen umfangreichen Ergebnisbericht mit Handlungsempfehlungen und Gesundheitstipps.  

Cortisol und Diabetes

Langfristig erhöhte Cortisol-Werte können zu Diabetes mellitus führen. Diabetes mellitus ist eine Blutzucker-Erkrankung. Hier kommt es durch eine gestörte Insulinproduktion zu Schwankungen im Blutzuckerspiegel [2]. In einer Stresssituation erhöht sich der Cortisol-Spiegel und sorgt für eine vermehrte Zuckerfreisetzung. Der Blutzuckerspiegel steigt an [3]. Daraufhin wird von der Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin ausgeschüttet, um den Blutzucker auf einen normalen Wert herab zu senken. Muss die Bauchspeicheldrüse permanent gegen erhöhte Blutzuckerwerte ankämpfen, kann dies langfristig zu einem Diabetes führen. Die Rezeptoren, die das Insulin verarbeiten, reagieren durch die Überversorgung mit Insulin immer weniger sensibel darauf. Eine Insulinresistenz kann entstehen und sich so ein Diabetes mellitus Typ 2 ausbilden [5].  

Cortisol und Stress

Der Cortisol-Spiegel ist stark vom Stress abhängig. Akute Erkrankungen, Operationen oder psychische Traumata können unter anderem den Cortisol-Spiegel erhöhen [1]. Stress – insbesondere psychischer Dauerstress – kann beispielsweise die mentale Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis negativ beeinflussen. Dies geschieht durch langfristig erhöhte Cortisol-Spiegel. Normalerweise nimmt das Gehirn den Stress wahr und setzt die Antwort auf diesen in dem Moment frei, indem eine physikalische oder wahrgenommene Bedrohung stattfindet. Über verschiedene Mechanismen wird resultierend Cortisol ausgeschüttet. Cortisol sorgt anschließend für die Bereitstellung der körperlichen Ressourcen, um mit der akuten Stresssituation umgehen zu können. Diese Ressourcen sind Energiereserven, wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Bei Dauerstress hingegen werden die Ressourcen verstärkt beansprucht und führen letztendlich zu einer Unterversorgung des Gehirns, weshalb die oben beschriebenen Symptome auftreten können [6].  

Cortisol und Übergewicht

Erhöhte Cortisol-Werte und Übergewicht hängen oftmals zusammen. Eine groß angelegte Studie mit 160.000 Berufstätigen hat einen positiven Zusammenhang zwischen einem hohen Cortisol-Spiegel und Übergewicht festgestellt [7]. Dies liegt möglicherweise an einer erhöhten wahrgenommenen Stressbelastung bei übergewichtigen Personen. Eine erhöhte Cortisol-Konzentration kann zudem zu Veränderungen in den Fettzellen führen. So werden aus den Vorstufen der Fettzellen (Präadipozyten) die vollentwickelten Fettzellen (Adipozyten). Im Gegensatz zu den Präadipozyten haben die Adipozyten eine fettspeichernde Funktion. Dies kann zu einer Gewichtszunahme führen [8].

 

Literatur  

1 Gatti et al. (2009). Cortisol assays and diagnostic laboratory procedures in human biological fluids. Clinical Biochemistry. 42: 1205-1217.

2 De Sanctis et al. (2015). Cortisol Levels in Central Adrenal Insufficiency: Light and Shade. Pediatric Endocrinology Reviews. 12 (3): 213-219.

3 Heinrich et al. (2014). Biochemie und Pathobiochemie (9. Auflage). Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.

4 Kaiser & Kley (2002). Cortisontherapie (11. Auflage). Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG.

5 Kasper, H., & Burghardt, W. (2014). Ernährungsmedizin und Diätetik (Vol. 12). Würzburg: Urban & Fischer.

6 Shields et al. (2015). Does cortisol influence core executive functions? A meta-analysis of acute cortisol administration effects on working memory, inhibition, and set-shifting. Psychoneuroendocrinology. 58: 91-103.

7 Nyberg et al. (2012). Job strain in relation to body mass index: pooled analysis of 160 000 adults from 13 cohort studies. Journal of International Medicine. 272: 65-73.

8 Incollingo Rodriguez et al. (2015). Hypothalamic-pituitary-adrenal axis dysregulation and cortisol activity in obesity: A systematic review. Psychoneuroendocrinology. 62: 301-318.

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