Die Wirkung von Fruktose aufs Gehirn steht im Zusammenhang mit Gewichtszunahme


Eine neue Studie der Yale University School of Medicine, die die Wirkungen von Fruktose und Glukose auf das Gehirn vergleicht, hat Unterschiede gefunden, die möglicherweise erklären warum eine Fruktose-reiche Ernährungsweise hinter der sich epidemisch verbreitenden Fettleibigkeit stecken könnte.

Die Forscher nutzten bildgebende Kernspintomographie, welche darauf hindeutet, dass Glukose aber nicht Fruktose die Hirndurchblutung und die Aktivität bestimmter Regionen, die den Appetit regulieren, verändert. Und dass die Aufnahme von Glucose aber nicht Fruktose zu höheren Konzentrationen von Hormonen, die Sättigungs- und Zufriedenheitsgefühle produzieren, führt.

Die Ergebnisse der Studie wurden am 2.Januar 2013 im Journal of the American Medical Association publiziert.

Fruktose in unserer Ernährung

Die Fruktose in unserer alltäglichen Ernährung kommt aus zwei Quellen: als natürlich vorkommender Bestandteil in Obst und Gemüse, und als hinzugefügter Inhaltsstoff in vielen verarbeiteten Produkten.
Lebensmittelhersteller setzen gerne Fruktose ein, weil es süßer als Glukose ist und dadurch wirtschaftlich attraktiver, weil weniger eingesetzt werden muss. Außerdem hilft es verarbeitete Produkte zu stabilisieren.

Die Hauptquelle für Fruktose in verarbeiteten Lebensmitteln ist High Fructose Corn Syrup (kurz HFCS oder auch Maissirup), welches zum Beispiel das Aussehen von Backwaren verbessert, weil es zu einer gleichmäßigen, beständigen Bräunung verhilft.

Zurzeit wird aufgrund vieler neuer Studien jedoch heftig diskutiert, ob insbesondere HFCS schuld sein könnte an der epidemischen Zunahme von Fettleibigkeit oder ob HFCS ein besonderes Risiko für Typ 2 Diabetes darstellt. Eine jüngste Studie der Universität Oxford und Universität von Süd-Kalifornien behauptet, dass Länder mit hohen Mengen an HFCS in ihren Lebensmitteln die Vermehrung von Typ 2 Diabetes antreiben.

Die Studie

In den Hintergrundinformationen zu ihrer Studie erläutern die Forscher, wie Ergebnisse aus Tierversuchen darauf hindeuten, dass der Verzehr von Fruktose sowohl das Futtersuch-Verhalten als auch die Futteraufnahme steigern, und dass die Aufnahme von Fruktose im Vergleich mit der Aufnahme von Glukose weniger Sättigungshormone produziert. Jedoch kann man anhand der Tierstudien nicht eindeutig ableiten, ob und wie die Gehirnregionen, die hinter den hormonellen Veränderungen stecken, den Menschen beeinflussen.

Also begutachteten die Wissenschaftler für diese Studie erstmalig 20 gesunde, normalgewichtige Erwachsene, die sich Kernspintomographie-Sitzungen unterzogen, sodass die Forscher Änderungen der Hirndurchblutung bestimmter Gehirnbereiche untersuchen konnten.
Das Interesse lag vor allem an Durchblutungsänderungen des Hypothalamus nach dem Verzehr von Glukose und Fruktose. Die Sitzungen lagen einige Wochen auseinander. Die Scans wurden jeweils vor und nach der Aufnahme von Glukose beziehungsweise Fruktose durchgeführt.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen wesentlich größere Verminderungen der Durchblutung des Hypothalamus nach der Aufnahme von Glukose als von Fruktose.
Der Verzehr von Glukose und nicht Fruktose verringert die Aktivität des Hypothalamus, der Inselrinde und des Striatum – Gehirnregionen, die Appetit, Motivation und Belohnungsprozesse regulieren. Glukoseverzehr steigerte außerdem die funktionellen Verknüpfungen zwischen dem Hypothalamus und Striatum und erhöhte die Sättigung, berichten die Forscher.

Auch wenn die Studiengröße klein war, die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass das Gehirn unterschiedlich auf Fruktose und Glukose reagiert.
Der Körper braucht Glukose. Wenn er nicht genug bekommt, aktiviert er Körperzellen mehr Glukose aufzunehmen. Wenn der Glukosespiegel im Blut wieder steigt, schaltet das Gehirn das Verlangen wieder ab. In dieser Studie zeigt sich, dass nach dem Verzehr von Fruktose nicht der gleiche Effekt aufs Gehirn eintritt. Das Verlangen bleibt bestehen, das Sättigungsgefühl setzt erst viel später ein. Man isst also mehr.

Bedeutung für unsere Ernährung

Die Studie stellt natürlich keinen Freifahrtschein für den hohen Verzehr von mit Glukose gesüßten Lebensmitteln aus. Glukose sollte bevorzugt als Bestandteil von Obst und Gemüse, stärkehaltigen Knollen, sowie reichlich Vollkornprodukten aufgenommen werden.
Die Daten der Studie legen jedoch nahe, dass süße Getränke und verarbeitete Lebensmittel mit künstlich zugesetzter Fruktose (vor allem als High Fruktose Corn Syrup) vermieden werden sollten, da sie dazu bewegen mehr zu essen, weil das Sättigungsgefühl erst spät einsetzt. Künstlich zugesetzte Fruktose ist ein heimlicher Dickmacher!

Außerdem gibt es viele weitere Studien, die zeigen, wie gefährlich eine Ernährungsweise mit hohen Mengen an HFCS sein kann.
Fruktose selbst wird nicht verteufelt! Auf Obst und Gemüse mit Fruktose muss also nicht verzichtete werden. Die natürlich vorkommende Fruktose wird durch Obst- und Gemüseverzehr in viel geringeren Mengen aufgenommen, die gleichzeitig vorhandenen Ballaststoffe sorgen für das nötige Sättigungsgefühl. Außerdem sind Obst und Gemüse wichtige Vitamin- und Mineralstofflieferanten. Sie gehören zu einer gesunden Ernährung dazu.

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