Gesättigte Fette sind ungesund. Oder doch nicht?


Sind gesättigte Fettsäuren zu Unrecht in Verruf geraten? Das Ergebnis einer neuen Studie wird als Sensation verkauft. Die Artikel klingen ungefähr so: „Eine neue Studie zur Herzgesundheit sagt: Tierische Fette sind doch nicht schlecht. Tierische Fette sind nicht ungesünder als pflanzliche.“

Stimmt das? Sind die gängigen Empfehlungen zum Fettverzehr schlichtweg falsch? Ist Butter gesund? Und Bacon auch? Eine Untersuchung der Datenlage:

Die Studie, über die hitzig diskutiert wurde, ist am 18. März in dem Journal „Annals of Internal Medicine“ erschienen. Die Wissenschaftler analysierten die Ergebnisse von insgesamt 76 Studien. Anders als die reißerischen Überschriften vermuten lassen, interessierte die Forscher jedoch nicht der Effekt von tierischen versus pflanzlichen Fetten. Stattdessen untersuchten sie, welchen Effekt der Austausch von gesättigten Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren hat.

Das Ergebnis?

Die Autoren der Studie behaupten, dass der Effekt von gesättigtem Fett auf die Cholesterinwerte nur schwach sei. Dass es keinen Zusammenhang zwischen der Aufnahme gesättigter Fette und der Sterblichkeit durch Herzerkrankungen gäbe. Und dass es (fast) keine Vorteile hätte, gesättigte Fette durch ungesättigte zu ersetzen.

Auf Basis ihrer Metaanalyse sagen die Wissenschaftler: Die Aufnahme gesättigter Fettsäuren zu senken, sei irrational.

Bedeutet das also, dass wir jetzt jeden Tag ohne schlechte Gewissen in Butter gebratene Eier mit Speck essen dürfen? Menschen sehen Sachen gerne schwarz-weiß. Gesättigte Fettsäuren sind super, Kohlenhydrate sch**. Oder umgekehrt?

Anhänger fettreicher/kohlenhydratarmer Diäten werden sich sicherlich auf diese Studie stützen. Fast zur selben Zeit ist jedoch auch eine Studie erschienen, die von den Medien nicht so aufgeputscht wurde. Diese Studie untersuchte nach dem gleichen Prinzip eine große Anzahl Studien. Ergebnis? Eine Ernährung reich an tierischem Protein (z.B. Speck, Steak und Eier) sei noch schädlicher als Rauchen. Auf diese Studie werden sich Veganer stützen.

Das Ganze ist also gar nicht so einfach, sondern Teil eines komplexen Ernährungspuzzles. Eins ist jedoch klar: Die Fokussierung auf einzelne Makronährstoffe ist veraltet. Wenn man sich nur auf Fette, Kohlenhydrate und Proteine fokussiert, befindet man sich nicht auf dem richtigen Weg. Vielmehr sollte man das „große Ganze“ betrachten.

Ja, wir wissen nicht erst seit dieser Studie, dass gesättigte Fettsäuren doch nicht so schlecht sind. Viele Studien berichten schon seit Jahren von dem gesundheitlichen Nutzen gesättigter Fettsäuren aus Kokosnuss, Avocado und vollfetten Milchprodukten. Müssen wir uns deshalb mit gesättigten Fetten vollstopfen? Wer gerne Camembert, Sahnejoghurt, Avocado und Steak isst, der soll das auch weiterhin genießen. Nur eben nicht alles auf einmal 20 Mal am Tag und dazu dann bitte eine große Portion leckeres, buntes Gemüse.

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