Gluten-Unverträglichkeit: Sind Brot und Pasta schlecht für uns?


Gluten-Intoleranz scheint das neue Lieblingsthema vieler gesundheitsbewusster, diättreibender Menschen zu sein. Sobald jemand unter Stress, Bauchschmerzen oder Sonstigem leidet, wird einem die Weisheit um die Ohren gehauen. „Du solltest auf Gluten verzichten, dann fühlst du dich gleich viel besser!“

Viele Menschen scheinen sich wirklich besser zu fühlen, wenn sie ihre Ernährung auf Gluten-frei umstellen oder den Verzehr von Brot, Pasta und Co. stark einschränken.

Das stetig wachsende Angebot an Gluten-freien Broten, Pasta und Frühstücksflocken erweckt den Eindruck, dass entweder die Zahl der Gluten-Sensiblen stark ansteigt, oder dass die Lebensmittelindustrie es geschickt geschafft hat, den neusten Ernährungstrend zu erschaffen.

„Gluten-frei“-Hersteller behaupten auf ihren Websites, dass nicht nur Zöliakie-Patienten und Gluten-Sensible, sondern die meisten Menschen von einer Gluten-freien Ernährungsumstellung profitieren würden. Eine Gluten-freie Diät erhöhe das Wohlbefinden, verschaffe mehr Energie und habe auch für Nicht-Gluten-Intolerante keine negativen Nebeneffekte. Wenn man so drüber nachdenkt: Wenn das Vermeiden von Gluten – ein Proteinkomplex, der in Weizen und verwandten Getreidearten vorkommt – all diese potentiellen Vorteile für die Gesundheit hat, warum nicht darauf verzichten?

Zunehmende Zahl Gluten-Intoleranter

Experten sagen, dass Gluten-bedingte Störungen tatsächlich zunehmen. Insbesondere die Zahl der Zöliakie-Erkrankten, eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die unbehandelt zu Schmerzen, Blähungen und sogar Osteoporose und bestimmten Krebserkrankungen führen kann, steigt an. Erst dachte man, die Ärzte seien dank neuartiger Tests besser darin, eine Gluten-Intoleranz zu erkennen. Immer mehr Studienergebnisse belegen jedoch, dass es sich dabei um einen Irrtum handelt.

Eine Studie, die 2009 in dem Journal „Gastroenterology“ erschienen ist, verglich 6500 Blutproben junger Männer der US Air Force aus den Jahren 1948 und 1954 mit einer vergleichbaren Menge heutiger Blutproben. Das Ergebnis: heutige Männer testeten 4,5mal so häufig positiv auf Zöliakie als ihre Vorgänger. Was Gluten-Sensibilität angeht, welche Schmerzen und Blähungen, jedoch im Gegensatz zu Zöliakie keine schlimmen Dünndarmschädigungen verursacht, gibt es noch keinen definitiven Test. Das heißt, man kann noch nicht mit Genauigkeit sagen, ob die Zahl ansteigt. Heilpraktiker und Ärzte berichten jedoch von mehr und mehr Leidenden.

Mögliche Ursachen

Aber warum? Die Menschen haben für tausende Jahre Getreide gegessen, also erscheint es seltsam, dass Getreide uns erst seit den letzten Jahrzehnten Probleme bereitet. Bis jetzt, gibt es nur Theorien und noch niemand hat das Mysterium erklären können.

Einige Experten meinen, dass es die Veränderungen des Getreides und insbesondere Weizens selber sind. Die Varietäten, die wir heutzutage essen, sind so gezüchtet, dass sie ein Vielfaches der Menge an Gluten enthalten, die ursprünglich enthalten war.

Andere stellten die populäre These auf, dass der Mangel an „guten“ Bakterien dafür sorgt, dass unser Darm und Immunsystem verrückt spielen und daher auch die Zahl der Allergiker und anderer Nahrungsmittelunverträglichkeitensteigt. Verursacht durch unsere „Hygienemaßnahmen“ im Alltag sowie der Einnahme von Antibiotika, die die Bakterienbesiedlung im Darm verändern können.

Gluten-frei für alle?

Gastroenterologen sind sich jedoch in einem einig: Was auch immer der Grund für die schwindende Fähigkeit Gluten zu verdauen ist, Do-it-youself-Diäten sind keine Lösung. Wer trotz nicht vorhandener Gluten-Intoleranz und ohne professionelle Beratung auf Gluten verzichtet, kann sogar seiner Gesundheit schaden, warnen Experten. Denn die meisten Menschen nehmen den Großteil ihrer nötigen Ballaststoffe und bestimmter Vitamine über Gluten-haltige Getreideprodukte zu sich. Manche Gluten-freie Produkte werden zwar mit Ballaststoffen und Vitaminen angereichert, das hat aber auch seinen Preis. Häufig sind Gluten-freie Produkte um ein Vielfaches teurer.

Menschen, die ohne Expertenmeinung, ihre Ernährung aufgrund von Bauchschmerzen oder ähnlichem auf Gluten-frei umstellen, maskieren eventuell die Symptome anderer Erkrankungen wie etwa Morbus Crohn, einer Immunstörung, die ebenfalls das Verdauungssystem betrifft, jedoch anders behandelt werden muss. Möglicherweise fühl man sich für eine Weile besser – da durch die Umstellung unter anderem auch viele ungesunde Gebäckprodukte wegfallen, weiß jedoch nicht, was in Wirklichkeit Gesundheitsprobleme bereitet.

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