Harmloses Aspartam?


Süß, kalorienarm und erzeugt keinen Karies: Das ist Aspartam. Viele Menschen verzichten jedoch auf alle Produkte, die mit Aspartam gesüßt worden sind. Auch werden immer wieder kleinere Studien veröffentlicht, die Aspartam eine kanzerogene Wirkung nachweisen wollen. Nationale und internationale Institutionen erklären dagegen, dass Aspartam nicht gefährlich für uns sei. So kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach ausgiebiger Datenanalyse „zu dem Schluss, dass Aspartam bei der derzeitigen Exposition unbedenklich ist“.

Was stimmt nun? Ist Aspartam wirklich ungefährlich? Spricht die Beweislage nur für eine möglicherweise bedenkliche Wirkung bei dem Verzehr sehr hoher Mengen? Oder hat vielleicht die mächtige Aspartam-Lobby ihre Finger im Spiel?

Das Coca-Cola Company Beverage Institute for Health & Wellness (ganz nebenbei ein wunderbares Oxymoron) hat auf ihrer englischen Website ein “Aspartam Sicherheitsdatenblatt” herausgegeben. Aspartam wird weltweit in mehr als 6000 Produkten eingesetzt. Dazu zählt unter anderem Diät-Cola, welche pro Portion bis zu 190mg Aspartam enthält.

Coca-Cola hebt hervor, dass der Körper, wenn Aspartam verdaut wird, dieses in Asparaginsäure, Phenylalanine und Methanol aufspaltet. Übrigens ist das Methanol das Problem. Doch Coca-Cola und viele andere Lebensmittel- und Getränke-Hersteller entgegnen häufig, dass Methanol harmlos sei, da es natürlicherweise auch in Obst und Gemüse vorkommt. Warum also sollte Methanol in Aspartam Probleme bereiten?

Ganz einfach: Methanol in Obst und Gemüse unterscheidet sich von Methanol in Aspartam. Aspartam besteht zum Großteil aus Asparaginsäure und Phenylalaninen. Die Phenylalanine wurden synthetisch modifiziert, um eine Methyl-Gruppe zu tragen, welche für die meiste Süße sorgt. Die Phenylalanin-Methyl-Bindung, genannt Methylester, ist sehr schwach, wodurch die Methyl-Gruppe leicht vom Phenylalanin “brechen” kann und dann zu freiem Methanol wird. Hier besteht der starke Kontrast zu Methanol, das in Obst und Gemüse vorkommt. Dort ist es an Pektin gebunden und kann so sicher den Verdauungstrakt durchlaufen.

Freies Methanol dagegen wirkt wie ein trojanisches Pferd: Über das Blut gelangt Methanol in empfindliche Gewebe wie das Gehirn und Knochenmark, wo es durch das Enzym Alkohol-Dehydrogenase in Formaldehyd umwandelt wird, welches wiederum verheerenden Schaden an Proteinen und der DNA anrichten kann. Formaldehyd ist bekanntermaßen krebserregend, führt zu Schäden der Netzhaut und möglicherweise zu Geburtsfehlern.

Seit 1940 weiß man, dass Methanol von Menschen (Primaten) und (anderen) Tieren unterschiedlich verdaut wird. Andere Tiere haben im Gegensatz zu Primaten einen schützenden Mechanismus, der dafür sorgt, dass Methanol schnell in harmlose Ameisensäure gespalten wird. Deshalb sind toxikologische Tests an Tieren mangelhaft, wenn sie etwas über die toxische Wirkung von Aspartam beim Menschen aussagen sollen.

Warum also gilt Aspartam heute immer noch als ungefährlich, obwohl es bekannt ist, dass das entstehende Formaldehyd schlimme Schäden verursachen kann?

Nationale und internationale Behörden stüzen sich auf eine große Masse an Studien und erklären, dass normalerweise so geringe Mengen verzehrt werden, dass keine Nebenwirkungen auftreten. Das Problem ist, dass eine bloße Metaanalyse der Studien natürlich dazu führt, dass Aspartam als unbedenklich eingestuft wird, weil ein Großteil der Studien von der Industrie finanziert worden ist. Laut einer kürzlich erschienenen Studie hatten wissenschaftliche Artikel, die von Lebensmittel- und Getränke-Firmen gesponsert wurden, 4 bis 8 Mal häufiger ein für die Hersteller positives Ergebnis als unabhängige Studien.

Was lernen wir daraus? Diät-Cola und Co. mit Vorsicht genießen, oder lieber ganz drauf verzichten.

1 Kommentar

  • Abromand

    Hallo, vielen Dank für Ihren Artikel und die relativ genaue und einfache Art der Erklärung der Metabolisierung von Aspartam.
    Ich habe auf vielen Seiten ähnliche Thesen gehört, und es klingt an sich logisch, dass die Industrie natürlich nicht unabhängig Studien rausbringt, da es klar ist, dass dort Interessen im wirtschaftlichen Sinne (mehr Gewinn) vertreten sind.

    Auch auf Wikipedia stützt man sich auf Studien, bei denen davon auszugehen ist, dass die genannten Universitäten alle bezahlt wurden.

    Ich möchte aber jetzt von Ihnen gerne einige Quellen haben zu der These, dass Aspartam beim Menschen anders wirkt als bei Tieren. Was ist das für ein Schutzmechanismus. Und gerne hätte ich eine Quelle, die die “euphemistische” Argumentation der Aspartam-Lobby “Methanol wird auch bei Citrusfrüchten gebildet” zerschlägt und “Ihre” These, dass es mit Pektin gebunden wird und bei Aspartam nicht der Fall ist, untermauert.

    Ich brauche diese Quellen und Langzeitstudien und einfach alles, woher Sie Ihr Wissen genommen haben, damit ich ein paar Diabetikologen und Ernährungsberatern auf mal auf den Schlips treten kann.

    Vielen Dank!

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