Ist Kokosnuss-Öl gesund?


Wie Modetrends ändern sich auch in der Ernährungswelt die Trends immer wieder. Das ist einer der Gründe, warum das Thema „Ernährung und Diät“ gleichzeitig so interessant, aber auch frustrierend sein kann. Im Moment scheint Kokosnuss-Öl „in“ zu sein. Victoria’s Secret Models und Gesundheitsgurus schwören drauf. Frauenzeitschriften und Ernährungsjournale widmen dem Öl lobpreisende Artikel. Vor einigen Jahren schimpfte man noch, Kokosnuss-Öl sei herzschädigend und müsse auf alle Fälle vermieden werden. Aber jetzt feiert Kokosnuss-Öl sein Comeback und viele fangen an, es in ihre Ernährung zu integrieren. Die Sache ist die, Kokosnuss-Öl hat einen sehr hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Bedeutet das nicht eigentlich, dass wir es besser nicht essen sollten, oder steckt mehr dahinter? Der Großteil der Ernährungsberater, fast alle Gesundheitsinstitutionen und die Medien predigen seit Jahren möglichst jede Art von gesättigten Fetten zu vermeiden. Und trotzdem schießt die Zahl der Herzkranken und Fettleibigen in die Höhe. Auf der anderen Seite bedeutet das natürlich nicht, dass der Griff zu Kokosnuss-Öl diese Probleme lösen kann.

Was ist Kokosnuss-Öl?

Fette und Öle können in langkettie Fettsäuren, mittelkettige Fettsäuren (MCT, medium chain triglyceride) und kurzkettige Fettsäuren eingeteilt werden. Der Großteil der Fette in unserer Ernährung besteht aus langkettigen Fettsäuren. Es stimmt, dass Kokosnuss-Öl reich an gesättigten Fettsäuren ist. Trotzdem unterscheidet es sich zum Beispiel von Butter dadurch, dass es viele mittelkettige Fettsäuren enthält. Da es nur wenige Lebensmittelquellen mit vielen mittelkettigen Fettsäuren gibt, ist Kokosnuss-Öl etwas Besonderes. Solche mittelkettigen Fettsäuren werden schnell gespalten und direkt von der Leber absorbiert, was bedeutet, dass sie zur sofortigen Energiebereitstellung beitragen, anstatt gespeichert zu werden. Aufgrund dieser Vorteile werden sie schon lange bei der diätetischen Therapie von Patienten mit Darmerkrankungen eingesetzt.

Die positiven Wirkungen von Laurinsäure

Viele der gesundheitlich positiven Wirkungen von Kokosnuss-Öl werden der enthaltenden Laurinsäure zugeschrieben. Fast 50 Prozent der Fettsäuren in Kokosnuss-Öl sind Laurinsäure. Wenn sie im Körper vorhanden ist, wird sie in Monolaurin umgewandelt. Eine Verbindung, die nachweislich einen antiviralen, antimykotischen (gegen Pilze wirkend) und antibakteriellen Effekt hat. Interessant ist, dass eine der einzigen, weiteren Quelle mit relativ hohem Anteil von Laurinsäure Muttermilch ist.

Was sagt die Forschung zu Kokosnuss-Öl?

In vergangenen Jahren wurde Kokosnuss-Öl häufig heftig kritisiert. Das lag häufig daran, dass die meisten Studien mit teilweise hydriertem (gehärtetem) Kokosnuss-Öl durchgeführt wurden. Natives Kokosnuss-Öl, das nicht chemisch verändert wurde, hat ganz andere Auswirkungen auf die Gesundheit. Alles was hydriert oder teilweise hydriert wurde, enthält Transfettsäuren. Und die sind extrem schlecht für unsere Gesundheit und sollten gänzlich vermieden werden. Wenn Kokosnuss-Öl anders verarbeitet wird, scheint es keine negativen Wirkungen zu haben.

Kokosnuss-Öl und Abnehmen

Häufig liest man, dass Kokosnuss-Öl bei Abnehmen helfen soll. Insbesondere in der Bauchgegend. Ein Grund dafür ist, dass mittelkettige Fettsäuren im Gegensatz zu langkettigen Fettsäuren eher zur Energiebereitstellung genutzt werden als gespeichert zu werden.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

In einer Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass das Ersetzen von Ölen mit langkettigen Fettsäuren durch Kokosnuss-Öl bei Männern einen höheren Energieverbrauch und eine bessere Fettverbrennung sowie geringere Fettspeicher bewirkt. Bei übergewichtigen Frauen kam die gleiche Studie nicht zu eindeutigen Ergebnissen, eine Abnahme des Bauchfettes sei jedoch möglich. Die Ergebnisse weiterer Studien zeigen, dass sowohl die Fettverbrennung als auch der Energieverbrauch durch die Aufnahme von Kokosnuss-Öl deutlich steigen. Die Forscher betonen, dass ein großer Teil der langkettigen Fettsäuren in der Ernährung durch Kokosnuss-Öl ersetzt wurden, und Kokosnuss-Öl nicht zusätzlich zu der normalen Ernährung eingenommen wurde.

Kokosnuss-Öl und Herzerkrankungen

Weil Kokosnuss-Öl so reich an gesättigten Fettsäuren ist, besteht häufig die Sorge, dass der Verzehr zu Herzerkrankungen führen könnte. Allerdings scheint ein Überblick der Studien keinen Beweis dazu zu liefern. Es gibt keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Daten, die belegen, dass der Verzehr von Kokosnussöl gefährlich für den Herz-Kreislauf sei. Es scheint sogar, dass manche Studien Kokosnuss-Öl als wichtigen Bestandteil einer gesunden Ernährung nahelegen.

Traditionelle Ernährungsweisen

Traditionelle Ernährungsweisen näher zu betrachten, bietet eine interessante Möglichkeit hilfreiche Daten zu finden. Man darf jedoch nie vergessen, dass bei den meisten der untersuchten Völker auch große Mengen an Gemüse, Obst und/oder Fisch zu der täglichen Ernährung dazugehören und ihnen Fertigprodukte nicht bekannt sind. Bei Untersuchungen von Völkern und Gruppen in Papua Neuguinea, Indonesien, Indien und Polynesien, deren traditionelle Ernährungsweise viel gesättigte Fette aus Kokosnuss beinhaltet, stellten Forscher fest, dass Schlaganfälle und Herzerkrankungen so gut wie nie vorkamen.

 

Ist Kokosnuss-Öl also gesund?

Auch wenn die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und vieler anderer nationaler und internationaler Institutionen Kokosnuss-Öl in die Kategorie der gesättigten Fette stecken, scheint es seine eigene Unterkategorie zu benötigen. Tatsache ist, dass es bis jetzt keine wissenschaftlichen Studien gibt, die einen negativen Effekt von nativem Kokosnuss-Öl belegen. Und auch wenn viele der Studien der Gewichtsabnahme nur über einen relativ kurzen Zeitraum (etwa 12 Wochen) durchgeführt wurden, liefern sie doch den Hinweis, dass Kokosnuss-Öl eine sinnvolle Ergänzung bei einer Diät sein kann. Was jedoch nicht bedeutet, dass jedes Kokosnuss-Öl gesund ist! Konventionell verarbeitetes Kokosnuss-Öl ist sogar schädlich, da es aus getrocknetem Pulver hergestellt und gehärtet wird. Ein als „nativ“ beschriftetes Kokosnuss-Öl bietet dagegen eine Alternative für Omega-6-reiche Öle. Es sollte jedoch nicht zu stark erhitzt werden, weil es schnell bitter wird, und eignet sich daher eher für kalte Speisen. Bild: Peter Röhl / pixelio.de

1 Kommentar

  • H. Pearce

    Ich habe in letzter Zeit wiederholt gelesen dass Kokosnussoel eine Rolle spielen soll im Kampf gegen Alzheimer und Dementia. Kann das sein?

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