Low-Carb und Paleo - was bringt es wirklich?


Ernährungsformen gibt es viele und jeder schwört auf etwas Anderes. Ganz besonders im Trend liegen bereits seit längerer Zeit die Low-Carb und die Paleo Ernährung. Viele Sportler sind der Meinung, dass jene Diäten DER Schlüssel zum Erfolg sind. Stellt sich natürlich die Frage, wie viel Sinn sie tatsächlich machen?!

 

Low-Carb

Keine Frage: Zucker und Weißmehl sind nicht unbedingt förderlich, wenn es darum geht, Erfolge beim Training zu erzielen. Komplexe Kohlenhydrate dagegen werden von Ernährungsexperten in der Regel ausdrücklich empfohlen und sollten sogar den größten Anteil in der täglichen Ernährung ausmachen. Immer mehr selbsternannte „Experten“ warnen jedoch vor dem Konsum von Kohlenhydraten. Und dabei warnen sie nicht nur vor Pizza und Pasta, sondern auch vor den natürlich vorkommenden Kohlenhydraten in Gemüse, Obst und Vollkornbrot. Kohlenhydrate sollen uns laut deren Aussagen dick, krank, träge und dumm machen.

 

Stimmt das? Laut dem jetzigen Stand der Wissenschaft, nein. Eindeutig nicht. Ganz im Gegenteil: Lebensmittel, die „gute“ Kohlenhydrate liefern, sind nicht nur lecker und sättigend, sondern auch gesund und absolut notwendig für unsere kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit. Unser Körper kann ohne Glucose nicht richtig funktionieren. Die Tatsache, dass der Mensch ebenso aus Proteinen Glucose herstellen kann, wird häufig als Argument dafür genutzt, dass wir keine Kohlenhydrate in unserer Ernährung benötigen. Allerdings unterstreicht dies vielmehr die Tatsache, dass Glucose so wichtig ist, dass unser Körper Schutzmechanismen entwickelt hat um auch in kohlenhydratarmen Zeiten ausreichend Glucose zur Verfügung zu haben. Weiterhin sind unsere Körper bestens darauf programmiert Kohlenhydrate zu verdauen und zu nutzen. Obst und Gemüse ist seit eh und je in der Ernährung des Menschen zu finden. Es ist sogar wissenschaftlich belegt, dass wir über Mechanismen verfügen, die uns ermöglichen, Stärke zu verstoffwechseln. Der Mensch besitzt mehr Kopien des Gens AMY1, welches für die Verdauung von stärkehaltigen Lebensmitteln notwendig ist.

Der Verzicht auf alle leckeren und gesunden Kohlenhydrate macht demnach nicht nur unglücklich, sondern ergibt auch aus wissenschaftlicher Sicht keinen Sinn. Stark verarbeitete Kohlenhydrate und solche, die reich an raffiniertem Zucker sind, sind auch laut moderner Wissenschaft zu meiden. Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Getreideprodukte zu meiden, ist dagegen eher schädlich als förderlich. Sie legt quasi den Grundstein für Mangelzustände und kann auf Dauer das Risiko an Übergewicht, Diabetes und Krebs zu erkranken erhöhen.

 

Paleo

Die Steinzeiternährung Paleo wird zur Zeit von vielen als das Wunder der Ernährungsformen angesehen. Sie hat bereits vielen Menschen geholfen abzunehmen, fitter zu werden und Verdauungsbeschwerden loszuwerden. Bei der Paleo Ernährung geht es darum solche Lebensmittel auf dem Tisch zu haben, die bereits von unseren Vorfahren gegessen wurden. Es wird damit argumentiert, dass der Mensch den Großteil seiner Existenz in der Steinzeit verbracht hat und daher bestens auf die Art der Ernährung ausgerichtet ist.

Bei dieser „back to nature“ Diät sind Fisch, Fleisch, Meeresfrüchte, Gemüse, Obst, Pilze, Wurzeln, Nüsse, Honig und Eier erlaubt. Der einzige Unterschied zu unseren Vorfahren ist, dass wir unsere Produkte ganz einfach im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt erhalten und nicht den Großteil des Tages mit Jagd und Beerensammeln beschäftigt sind.

Die Liste der nicht erlaubten Lebensmittel ist lang. In erster Linie sind selbstverständlich alle Fertigprodukte verboten. Okay, ist machbar denkst du? Dass die Umstellung aber gar nicht so einfach ist, zeigt sich spätestens jetzt. Denn auch alle Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Müsli, Couscous, Reis etc. sind nicht erlaubt. Der Beginn des Ackerbaus wird nämlich als das Ende der Steinzeit angesehen und ist somit zu fortschrittlich. Außerdem sollte auf Kartoffeln und Hülsenfrüchte (auch Erdnüsse), Milch und Milchprodukte, pflanzliche Öle und raffiniertes Salz und Zucker verzichtet werden. Da diese Liste doch sehr stark einschränkend ist erlauben sich viele Anhänger den Verzehr von kaltgepresstem Olivenöl, Kokosnussöl und hin und wieder sogar einem Glas Rotwein.

 

Nach einigem Auseinandersetzen mit den erlaubten und nicht erlaubten Lebensmitteln, lassen sich jedoch tolle und abwechslungsreiche Gerichte zaubern, so dass es auf keinen Fall langweilig werden muss. Weiterhin ist es positiv, dass durch den niedrigen glykämischen Index der Blutzuckerspiegel relativ konstant bleibt und durch den hohen Proteinanteil lange sättigt. Die Paleo Diät sollte jedoch nicht als Ausrede genutzt werden um Unmengen an Fleisch zu verzehren. Dadurch schadet man nicht nur sich selbst, sondern auch der Umwelt. Es sollte darauf geachtet werden, ausreichend hochwertige Kohlenhydrate aus Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Außerdem sollte man immer bedenken, dass eine zu starke Einschränkung eher Stress als Gesundheit bedeutet. Daher sollte man sich nicht schlecht fühlen, wenn hin und wieder mal Kartoffeln oder eine Scheibe Brot gegessen wird. Alles in Maßen ist immer noch die beste Regel für jede Form der Ernährung.

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