Macht die Darmflora dick?


Im Körper beeinflussen sich Stoffwechselprodukte, Hormone, der Darm und die Darmbakterien, das Immunsystem und das Fettgewebe gegenseitig. Das heißt, das Fettgewebe sollte man nicht losgelöst von anderen Faktoren betrachten. Man muss der Ursache auf den Grund gehen, statt sich nur auf die Behandlung des übermäßigen Fettes zu konzentrieren.

Im letzten „Darm-Artikel“ haben wir bereits gelernt, dass die Darmbakterien einen gewissen Einfluss haben. Der Darm und die individuelle Zusammensetzung der Darmflora können beeinflussen, ob wir schlank oder dick sind. Seit einigen Jahren gibt es nun beeindruckende Evidenz, dass die Behandlung dieser Ursache von Gewichtszunahme und Erkrankungen zu Gewichts- und Fettabbau führen kann.

Menschen, die herausfinden, welche Lebensmittel ihnen nicht gut tun, und diese Lebensmittel von ihrem Speiseplan streichen, fühlen sich besser. Und sie nehmen häufig –ohne Kalorienzählen – einige Kilos ab. Wodurch? Ganz einfach durch die „Ausbalancierung“ ihrer Darmbakterien und eine intakter Barrierefunktion ihres Darms. Vorher dagegen fiel ihnen das Abnehmen schwer.

Der Mechanismus? Erstens hängen viele Faktoren mit der Entstehung von Fettgewebe und Übergewicht zusammen. Zweitens ist unser Fett stoffwechselaktiv, d.h. Fettgewebe ist keine „statische Masse“, sondern befindet sich in ständigem Auf- und Abbau, bildet und sekretiert Hormone, entzündungsfördernde Stoffe und andere Moleküle. Wer sehr dick ist, bei dem kann man im Blut hohe Entzündungswerte feststellen. (Übrigens: Das „böse“ Bauchfett ist aktiver als Fettdepots an Beinen und Po.)

Die große Debatte in der Medizin ist, was kommt zuerst: die Entzündung oder Übergewicht? Klar, bei extrem viel Fettgewebe ist die Entzündung im Körper größer als bei kleinem Bierbauch. Neuere Tier- als auch Humanstudien weisen aber darauf hin, dass wir erst „entzündet“ sind, dann zunehmen und anschließend noch mehr entzündungsfördernde Stoffe produzieren. Ein Teufelskreis.

Und hier kommt die Ernährung ins Spiel. Und der Darm mit seinen Billionen Darmbakterien. Eine schlechte Ernährung mit viel Fett in Kombination mit Zucker (Pommes mit Cola gefällig?) fördert die Ausbreitung bestimmter Darmbakterien und hemmt das Wachstum anderer. Dies führt zu einer Dysbalance der Darmbakterien, also einer Darmflora die aus dem (gesundheitsförderlichen) Gleichgewicht geraten ist. Außerdem wird der Darm durchlässiger. Beides führt nicht nur zur Gewichtszunahme, sondern kann auch zu Diabetes, Herzerkrankungen, Allergien, entzündlichen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen führen. Wer dann noch Sachen ist, die er nicht verträgt, schafft es, die Entzündung im Körper noch weiter zu steigern. Gelangen so viele Stoffwechselendprodukte und Allergene ins Blut kann es zu starken Reaktionen des Immunsystems kommen.

Was kann man also selber tun, um seine Darmflora aufzubauen und so abzunehmen und sich besser zu fühlen? 3 Schritte:

1. Lebensmittel, die man nicht verträgt für mindestens einen Monat konsequent meiden.

Wer vermutet, dass er Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat, der sollte möglichst einen Test machen, um weder unnötig liebgewonnene Lebensmittel zu meiden, noch mit der ständigen Zufuhr von Allergenen Darm und Körper noch weiter zu belasten.

2. Eine ausgeglichene und gesunde Lebensmittelauswahl

Ballaststoffe sowie andere pflanzliche Stoffe stärken den Darm und fördern das Wachstum guter Darmbakterien. Es geht hier nicht um das Einhalten einer strengen Diät, sondern möglichst um das Verinnerlichen von gesunden Gewohnheiten. Zum Beispiel:

–          morgens zum Frühstück und Zwischendurch eine Portion Obst

–          mittags und abends mehrere Portionen Gemüse (eine Portion sind etwa zwei Hände voll)

–          Zwischendurch gerne mal Rohkost (Paprika, Möhren, Gurke, … Lecker!)

–          Ballaststoffreiche Lebensmittel bevorzugen, da ballaststoffarme (schnelle Kohlenhydrate) das Wachstum „schlechter“ Bakterien unterstützen, also: Korn-an-Korn-Vollkornbrot statt Toastbrot, frisch gepresster Saft mit Fruchtfleisch statt Saftkonzentrat usw.

–          Nicht zu viel Fett essen. Tipp: Je näher am Ausgangszustand, desto besser. Z.B. gekochte Kartoffeln besser als Bratkartoffeln besser als Pommes Frites besser als Chips.

–          Auf zuckerreiche Snacks besser verzichten.

3. Chicorée, Lauch, Zwiebel und Knoblauch

Diese Lebensmittel können und sollten viel gegessen werden, da sie besonders viel Inulin, einen für uns unverdaulichen Pflanzenstoff und sogenanntes Prebiotikum, enthalten. Wissenschaftler beobachteten, wenn Mäuse viele Prebiotika aufnahmen, dann waren sie auch bei fett- und zuckerreicher Ernährung zu einem gewissen Grad vor Entzündungen und Übergewicht geschützt.

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