Nahrungsmittelunverträglichkeit - Was jetzt?


Umfragen zufolge glauben bis zu 40 Prozent der Deutschen bestimmte Nahrungsmittel nicht zu vertragen. Viele liegen mit ihrer Selbstdiagnose jedoch daneben und verzichten daher unnötig auf bestimmte Lebensmittel.

Wenn manche Lebensmittel nicht gut vertragen werden, können außerdem ganz unterschiedliche Ursachen vorliegen. In Artikeln vieler Magazine und Fachzeitschriften werden die Wörter Allergie, Überempfindlichkeit, Unverträglichkeit, Malabsorption und Intoleranz durcheinander geschmissen. Diese Vielfalt an Fachwörtern stiftet bei Betroffenen Verwirrung.

Experten unterscheiden zwischen Allergien (Antworten des Immunsystems auf bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe) und allen anderen Reaktionen. Zu dieser zweiten großen Gruppe gehören unter anderem drei weit verbreitete Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, die hier beschrieben werden.

Laktose-Intoleranz

Am weitaus bekanntesten ist die Milchzucker-Unverträglichkeit, die auch als Laktose-Intoleranz bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um eine Enzymschwäche.

Die Betroffenen leiden unter einem Mangel an dem Enzym Laktase, welches für die Spaltung des Zweifachzuckers Laktose (Milchzucker) in die Einfachzucker Glucose und Galaktose verantwortlich ist. Wenn verzehrter Milchzucker nicht vollständig gespalten wird, führt dies zu Magen-Darm-Problemen. Da der unverdaute Zucker im Dünndarm nicht aufgenommen werden kann, gelangt er in tiefere Darmabschnitte, wo er von Bakterien als Substrat für Gärungsprozesse genutzt wird. Dabei entstehen die Gase Kohlendioxid und Wasserstoff, was sich mit Blähungen, Magenschmerzen, Völlegefühl und Durchfall bemerkbar macht.

Die große Auswahl laktosefreier Produkte in den Supermärkten bietet Betroffenen eine einfache Möglichkeit Verdauungsprobleme zu umgehen, ohne auf den Verzehr geliebter Milchprodukte verzichten zu müssen. Auch werden viele Käsesorten, insbesondere Hart- und Schnittkäse, relativ gut vertragen, da hier die Laktose bei der Käsereifung weitgehend abgebaut wurde. Viele vertragen auch Joghurt. Wenn außer Haus gegessen wird, kann zusätzlich auf Laktase-Tabletten zurückgegriffen werden.

Eine Laktose-Intoleranz sollte nicht verwechselt werden mit einer Milchallergie, bei der es sich um eine spezifische Immunreaktion gegen Milcheiweiß handelt.

Fruktose-Malabsorption

Wahrscheinlich häufiger als eine Laktose-Intoleranz treten Beschwerden nach dem Verzehr von Fruchtzucker (Fruktose) auf. Nach groben Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sollen etwa 30-40% der europäischen Bevölkerung darunter leiden.

Allerdings ist es bekannt, dass zu hoher Fruktose-Verzehr auch bei gesunden Menschen zu Beschwerden führt. Denn die Absorptionsmenge, die vom Darm aufgenommen werden kann, ist im Gegensatz zu Traubenzucker (Glucose) beschränkt.

Wenn im Dünndarm weniger als 25 Gramm Fruktose pro Tag absorbiert werden können und es zu Beschwerden kommt, spricht man von einer Fruktose-Malabsorption. Je nach Verzehrgewohnheiten wird diese Menge häufig oder aber nie erreicht.

Anders als bei einer Laktose-Intoleranz muss der Fruchtzucker nicht mehr gespalten werden, da es sich bei Fruktose bereits um einen sogenannten Einfachzucker handelt. Vielmehr schwächelt hier der Transporter, der die Fruktose über die Darmschleimhaut in die Blutbahn überführt.

Durch die unvollständige Aufnahme gelangt der Fruchtzucker weiter in den Dickdarm, wo er von Bakterien zu Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettigen Fettsäuren abgebaut wird. Die Folgen sind ähnlich denen einer Laktose-Intoleranz, Blähungen, Magenziehen und Durchfall.

Ob die Symptome stärker oder schwächer ausfallen hängt davon ab, wie viel Fruchtzucker aufgenommen wurde bzw. wie ausgeprägt die Aufnahmeschwäche ist.

Liegt eine Fruktose-Malabsorption vor, heißt das jedoch nicht, dass gänzlich auf fruktosehaltige Lebensmittel verzichtet werden muss. Im Gegenteil: wird gar keine Fruktose aufgenommen, stellt der Körper noch weniger Transporter bereit.

Am besten man testet individuell aus, was vertragen wird. Meist hilft es auf fruktoseärmere Obstsorten zurückzugreifen oder Sorten zu wählen, die einen größeren Anteil Glucose als Fruktose aufweisen, da Traubenzucker(Glucose) den Transport von Fruchtzucker in die Blutbahnen fördert. Dass Fruchtzucker jedoch nicht nur in Obst, sondern auch in Gemüsesorten vorkommt, sowie in der Industrie vielfältig zum Einsatz kommt, ist vielen Betroffenen nicht bekannt. Daher ist es ratsam, sich ausführlich über den Fruktose-Gehalt bestimmter Lebensmittel zu informieren sowie die Zutatenlisten häufig verzehrter Nahrungsmittel zu studieren.

Die Fruktose-Malabsorption darf nicht mit der vererbbaren, seltenen Fruktose-Intoleranz verwechselt werden. Hierbei handelt es sich um einen Enzymdefekt, der zu schweren Leber- und Nierenschädigungen führen kann, wenn nicht auf sämtliche fruktosehaltige Lebensmittel verzichtet wird.

Ob eine Fruktose-Malabsorption vorliegt kann mit einem einfachen Test erfasst werden: Auf nüchternen Magen wird eine Fruktose-Lösung getrunken und anschließend eine Wasserstoffatemgasanalyse durchgeführt. Die Menge an ausgeatmetem Wasserstoff in der Luft gibt so Aufschluss über die Bakterientätigkeit im Darm.

Histamin-Intoleranz

Eine Histamin-Intoleranz, auch Histaminose genannt, macht sich mit einer Reihe pseudoallergischer Symptome bemerkbar. Betroffene klagen über Fließschnupfen, Magen-Darm-Beschwerden, Migräne, Asthmaanfälle, Herzjagen und/oder Hautrötungen und –schwellungen.

Da Histamin für den Organismus eine Vielzahl an unentbehrlichen Funktionen bei den beteiligten Organen ausübt, sind solch vielfältigen Symptome nachvollziehbar.

Doch reagieren Personen mit einer Histamin-Intoleranz ganz unterschiedlich auf stark histaminhaltige Nahrungsmittel. Was bei einigen Betroffenen Beschwerden auslöst, bereitet Anderen keine Probleme – und umgekehrt. Fachexperten stehen vor einem Rätsel.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei einer Histamin-Intoleranz um einen Mangel oder eine Hemmung des Enzyms Diaminooxidase. Dieses Enzym, kurz DAO, ist verantwortlich für den Abbau von Histamin.

Ob jedoch alle Betroffenen auf Histamin aus der Nahrung reagieren oder andere Prozesse hinter den Reaktionen stecken, wird aktuell diskutiert.

Unnötiger Verzicht

Ob Laktose, Fruktose oder Histamin, die naheliegendste Lösung für vermeintlich Betroffene scheint die Auslassdiät zu sein. Dabei wird auf bestimmte Lebensmittelgruppen verzichtet. Solch umfangreiche Verbotslisten können Betroffene im Alltag jedoch stark einschränken: Außer Haus verzehrte Mahlzeiten sind fast unmöglich. Wird nur auf Vieles verzichtet, aber die Ernährung ansonsten nicht umgestellt, kann dies sogar Nährstoffmangelsituationen verursachen.

Es empfiehlt sich daher immer individuell auszutesten und zu probieren, was vertragen wird.

Ein ausführliches Ernährungsprotokoll, in dem eventuelle Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel aufgeführt werden, hilft und gibt Aufschluss.

Es gibt viele Ursachen für Beschwerden nach dem Essen. Nicht immer sind Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten der Auslöser. Ursachen für Beschwerden können auch eine Zölliakie oder ernsthafte Erkrankungen des Darms (Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn) sein.

Auch die Menge und Zusammensetzung der im Darm vorkommenden Bakterienarten verursachen bei manchen Menschen starke Blähungen oder Bauchschmerzen.

Auch hier gilt: keine Selbst-Diagnose, sondern durch bestimmte Tests Klarheit schaffen. Anschließend sollte im Rahmen einer Ernährungsumstellung individuell ausgetestet werden, was vertragen wird.

„Echte“ Nahrungsmittelallergien zum Vergleich:

Anders als bei Nahrungsmittel-Intoleranzen handelt es sich bei Nahrungsmittel-Allergien um Immunreaktionen des Organismus.

Das körpereigene Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Stoffe mit Entzündungszeichen und der Produktion von Antikörpern. Die auftretenden Beschwerden der Betroffenen sind sehr vielfältig und können ganz unterschiedlich verlaufen.

Bei dem sogenannten Sofort-Typ (IgE-Antikörper-vermittelt) treten Antworten des Immunsystems während oder gleich nach dem Kontakt mit dem Lebensmittel auf. Der Körper schüttet vermehrt Histamin aus und es kommt zu „typischen“ Allergiesymptomen. Meist fängt der Mund-Rachen-Raum an zu brennen, jucken oder anzuschwellen. Auch kann es zu Atemnot, Asthmaanfällen oder einem anaphylaktischen Schock kommen.

Verzögerte Nahrungsmittel-Allergien (IgG-Antikörper-vermittelt) machen sich bemerkbar mit chronischen Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Verstopfung, Krämpfe), Hautproblemen (Neurodermitis, Nesselsucht, Schuppenflechte), Schmerzen (Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen), ständiger Müdigkeit und Konzentrationsstörungen.

Die Probleme treten mehrere Stunden bis Tage nach dem Verzehr der bestimmten Nahrungsmittel-Inhaltsstoffe auf.

Insbesondere Nahrungsmittel-Allergien gegen Nüsse, Schalentiere und Fisch sind weit verbreitet.

Bei Erwachsenen mit Birkenpollenallergie bildet sich oft auch eine Allergie gegen Stein- und Kernobst aus. Säuglinge und Kleinkinder reagieren dagegen häufiger allergisch auf Hühner- oder Milcheiweiß. Bis zum Erreichen des Schulalters verlieren sie diese Allergien jedoch meistens wieder.

Bei Nahrungsmittelallergien bleibt den Betroffenen oft nur, die bestimmten Lebensmittel zu meiden.

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