Paleo oder nicht? Sollten wir essen wie unsere Vorfahren?


Gesund und fit, das wollen wir alle sein. Ob dick oder dünn, die Hauptsache ist doch, dass wir uns in unserem Körper wohlfühlen. Wenn Kopf, Bauch oder Gelenke schmerzen, wir uns schlapp und abgeschlagen fühlen, schlecht schlafen können oder Diabetes haben, dann nimmt uns das ein Stück Lebensqualität. Regelmäßige Bewegung, Sport und eine Ernährung, die uns gut tut, unterstützen den Körper, geben uns Energie und können die Einnahme von Medikamenten überflüssig machen. Aber was sollen wir essen? Wie in der Mode gibt es auch in der Ernährung Trends. Jedes Jahr behaupten wieder neue Autoren, ihre Diät sei die Beste. Das stiftet Verwirrung. Als Faustregel gilt: Jede Diät oder Ernährungsweise, bei der Supplemente oder teure Produkte zwingend erforderlich sind, oder nur eine Handvoll Lebensmitteln erlaubt sind, kann nicht das Richtige sein. Um gesund zu bleiben und dauerhaft schlank, attraktiv und kraftvoll zu sein, müssen wir eine Ernährungsweise wählen, die wir dauerhaft einhalten können. Deshalb sind Detox-Kuren, extreme Low-Carb-Ernährung und andere Trenddiäten nicht das Mittel zur Wahl. Häufig sieht man zwar schnell Erfolge, aber kann man sich dauerhaft so ernähren? Nein. Und was passiert, wenn man sich wieder anders ernährt? Man nimmt schnell wieder zu und fühlt sich im schlimmsten Fall sogar schlechter als vor der Diät.

Gesunde Ernährung

Was also macht eine gesunde Ernährung aus? Eine Bandbreite an frischen Produkten, möglichst unverarbeitete Lebensmittel, also wenig Fertigprodukte, und selber kochen. Täglich pflanzliche Lebensmittel. Obst und Gemüse liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe. Eine Auswahl an gesunden Fetten und der Verzehr von Nahrungsmitteln, die dem Körper langsam verdauliche Kohlenhydrate und Ballaststoffe zur Verfügung stellen. Weißbrot, Industriezucker und Nudeln liefern schnelle Kohlenhydrate und lassen den Blutzucker schnell ansteigen, sie sollten also wenig gegessen werden. Klingt wie … die Ernährung, die unsere Urgroßeltern in ihrer Kindheit hatten. Da gab es keine Fertigprodukte, sondern es wurde selbst gekocht. Häufig kamen fettarme, gemüsereiche Eintöpfe auf den Tisch, saisonales, ungespritztes Obst, Vollkornschrotbrot statt Weißbrot und am Wochenende ein schöner Sonntagsbraten von Tieren, die noch auf der Weide groß geworden sind. Sollten wir also essen wie unsere Urgroßeltern in ihrer Kindheit? Gesund wäre es allemal. Die Paleoernährung treibt es noch etwas weiter. Auch hier gehören frisches Obst und Gemüse (möglichst ohne Pestizide), gesunde Fette aus Nüssen und Samen und Weidefleisch auf den Teller. Ja, sagen die Paleoanhänger, wir sollten uns wie unsere Vorfahren ernähren. Jedoch sollten wir und nicht an unseren Urgroßeltern, sondern an unseren Vorfahren von vielen Generationen zuvor orientieren: den Steinzeitmenschen.

Wie ein Steinzeitmensch?

Der Gedanke hinter der Paleo-Philosophie: Wir sind genetisch auf die Steinzeiternährung angepasst. Die moderne Ernährungsweise ist nicht die richtige und gesunde Art und kann uns krank machen. Stimmt, mit Fertigprodukten, viel Zucker und ungesunden Fetten essen wir uns tatsächlich krank, dick und hässlich. Mäuse, die man einige Wochen mit unserer „Standardernährung“ füttert, werden dick, träge und entwickeln mit ziemlich genauer Sicherheit Diabetes. Worüber sich Steinzeitköstler und Anhänger anderer Ernährungsformen jedoch streiten ist folgender Aspekt: Bei der Paleoernährung kann man Vollkornbrot, Nudeln, Haferflocken, Reis, alle anderen Getreidesorten, Milchprodukte, Bohnen, Linsen und andere Hülsenfrüchte vergeblich auf dem Teller suchen. Die sind in der Paleoernährung nämlich verboten, da sie erst nach der Steinzeit in der Ernährung des Menschen auftauchten und somit nicht gut für uns seien. Es gibt Pro- und Contra-Argumente für den Verzehr der genannten Lebensmittel. Gerade Deutsche essen Unmengen an Brot und Getreide, da sollten wir wirklich etwas weniger von essen und stattdessen mehr Gemüse verzehren. Aber ganz drauf verzichten? Erstens schwierig, da gerne gegessen, zweitens ein riesiger Diskussionspunkt, der hier den Rahmen sprengen würde. Was isst ein moderner Steinzeitmensch? Selbst Paleoanhänger müssen zugeben, dass das verfügbare Obst und Gemüse ganz anders ist, als das, was in der Steinzeit gewachsen ist. Und das Fleisch? Weidefleisch ist ziemlich teuer, Industrieware fetter und belasteter als das Fleisch von Tieren, die in der Steinzeit gejagt und erlegt wurden. Steinzeitmenschen haben außerdem alles vom Tier gegessen, also auch viele Innereien. Nicht jedermanns Sache. Klar, die Paleoernährung orientiert sich eben auch nur an einem Ideal, dass man heute nur schlecht verwirklichen kann. Aber Paleoernährung kann durchaus gesund und sehr abwechslungsreich sein. Morgens gibt es dann zum Beispiel Rührei mit Avocado und einem kleinen Obstsalat, mittags Filet mit einer großen Portion Gemüse, abends Salat, gegrilltes Gemüse und Fisch, als Snack zwischendurch Trockenobst und Mandeln. Es muss nicht immer Müsli und Brot sein! Paleoernährung hört sich eigentlich doch ganz lecker an, oder? Zum Problem wird es dann, wenn die Menschen zu viel Fleisch in Kombination mit zu wenig Obst und Gemüse essen. Im Internet gibt es außerdem viele Paleorezepte, die Ungesundes paleogerecht aufwerten (z.B. Paleo-Pancakes, Paleo-Kuchen, Kekse usw.). Süßigkeiten und Desserts aus Ahornsirup und Mandelmehl sind aber auch nicht unbedingt gesünder und liefern viele Kalorien.

Vorteile der Paleoernährung

Paleoernährung ist einfach, auch in der modernen Welt. Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Eier und Nüsse. Keine Fertigprodukte. Das sollte jeder hinkriegen. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und Übergewicht sind ernährungsbedingt. „Du bist, was du isst“, wusste schon der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach im vorletzten Jahrhundert. In der Paleoernährung wird auf Zucker, Weißmehl und Fertigprodukte verzichtet. Die meisten, die ihre Ernährung umstellen, machen zudem mehr Sport als vorher. In Beobachtungsstudien konnte somit gezeigt werden, dass sich Krankheitsbilder verbesserten und Übergewicht abgebaut werden konnte. In Kulturen, die noch keinen westlichen Lebensstil angenommen haben und sich traditionell ernähren, sind Übergewicht, Schlaganfall, Akne, Reizdarm und Diabetes weitgehend unbekannt. Dabei gibt es nicht DIE Paleoernährung. Während manche traditionell lebende Kulturen viel Fleisch (häufig roh) verzehren, ernähren sich andere Kulturen hauptsächlich vegan von regionalem Obst und Gemüse, einige wiederum von Kokosnüssen und Fisch. Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) kommt häufiger vor als man denkt. Indem man auf Milchprodukte verzichtet, können Betroffene Unwohlsein, Blähungen und Durchfall erfolgreich loswerden. Brot, Backwaren und Nudeln lassen Blutzucker sowie Insulinspiegel schnell ansteigen. Daher ist die Paleoernährung im Gegensatz zu vielen anderen Diäten auch für Diabetiker geeignet.

Sollten wir also essen wie unsere Vorfahren?

Nicht unbedingt. Jeder Mensch trägt einen individuellen genetischen Code mit Adaptionen an seine Umwelt in sich. Die Evolution des Menschen hat nicht mit dem Ende der Steinzeit aufgehört. Das sehen wir unter andrem an den Millionen von Menschen, die sehr wohl die Fähigkeit haben Laktose also Milchzucker zu spalten, oder pumperlgesunden Japanern, die viel Reis und Sojaprodukte verzehren. Zu viel Fleisch kann unangenehme Folgen für den Körper nach sich ziehen. Wer nicht genügend Gemüse in seine Paleoernährung einbaut, der kann mit wichtigen Mineralstoffen unterversorgt sein. Für Vegetarier und Veganer ist die Paleoernährung auch nur mit Änderungen geeignet, weil gesundes Pseudogetreide wie Quinoa als wichtige Proteinquelle wegfallen. Dennoch. Paleo bedeutet eine Bandbreite an frischen, gesunden Lebensmitteln. Diejenigen, die keine körperlichen Erfolge mit ihrer jetzigen Ernährungsweise verzeichnen können, erleben vielleicht Fortschritte mit der Paleoernährung. Oder hat schon mal jemand von einem übergewichtigen, diabeteskranken Steinzeitmenschen gehört?   Autor: KG Bild: /pixelio.de

1 Kommentar

  • Eleonore Heße

    Herzlichen Dank für die interessanten Informationen,
    Ich hatte bisher noch nichts von Paleoernährung gehört, aber ich glaube, dass diese Ernährung in meine Richtung geht, die ich endlich für mich gefunden habe, auch durch das Buch, “Was den einen nährt macht den anderen krank”, da ich mich als Glykotyp eindeutig sehe.
    Das Buch, “Willst du gesund sein? Vergiß den Kochtopf!”, so möchte ich ja gerne, aber ich komme da in meine “Attacken” und suche nach essbarem, wie Vollkornbrötchen, Maiswaffeln mit bitterer Schokolade, Schokoladen-kuchen u.ä.
    Es wäre toll, wenn Sie für mich auch noch ein paar Tipps hätten!
    Ich bin jetzt 62 und sehe eine Colon-Hydro-Therapie als einen wichtigen ersten Schritt für meine weitere Gesundung. Ich sehe mich als unheimlich verschlackt und übersäuert. Ich benötige danach einen ganz starken Willen, was mir bisher schwer fiel.
    Ich wünsche Ihnen eine tolle kommende Woche und verbleibe mit ganz herzlichen Grüßen
    Eleonore Heße

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