Soja-Isoflavone – ein großer Humbug?


Seit den 80iger Jahren ist der große „Soja-Boom“ auch in Deutschland angekommen. Das Angebot an Sojaprodukten in Supermarkt und Reformhaus ist groß. Auch ist die kleine Bohne allgegenwärtig in Zeitschriften, Internet und Gesundheitsnews. Insbesondere ganz bestimmte Inhaltsstoffe dieser Hülsenfrucht tauchen immer wieder auf: Die Isoflavone. Dank dem hohen Gehalt an Isoflavonen wird die Sojabohne als Heilpflanze, es scheint als Alleskönner beschrieben. Insbesondere Frauen in den Wechseljahren aber auch Herzkranken wird der Griff zu Soja-Isoflavonen geraten.

 

Was sind Isoflavone?

Soja-Isoflavone sind Sekundäre Pflanzenstoffe, die zur Gruppe der Flavonoide zählen. Diese haben einen ähnlichen chemischen Aufbau wie das menschliche Hormon Östrogen und werden daher auch als Phytoöstrogene bezeichnet. Die Wirkung dieser Phytoöstrogene ist 100-1000-fach schwächer als die des menschlichen Östrogens. In Sojabohnen kommen sie als Gemische von Genistein, Daidzein und Glyzitein beziehungsweise deren Glykoside vor.

 

Nutzen und Wirkung

Forscher hatten im Ländervergleich herausgefunden, dass Japaner viel weniger häufig an Krebs und Herzkreislauf-Erkrankungen litten. Insbesondere die Brust- und Prostatakrebs-Raten waren im Vergleich zu europäischen Ländern sowie den USA um ein vielfaches niedriger. Diese Arten von Krebs waren fast unbekannt. Der hohe Isoflavon-Gehalt der Sojabohne, die traditionell zur japanischen Ernährung dazu gehört, wurde für die Gesundheit der Japaner verantwortlich gemacht. Ernährungsepidemiologisch besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen geringen Krebserkrankungen, Herzgesundheit und dem Verzehr von Soja. Doch reicht das aus, um große Auswahl an Isoflavon-Produkten recht zu fertigen und uns Isoflavon-Präparate empfehlen? Es gibt viele Studien, die nicht nur auf Ländervergleichen und theoretischen Wirkungen von Phytoöstrogenen gestützt sind, sondern die die Wirkungen von Soja-Isoflavonen in Tierversuchen und Studien mit Menschen genauer untersucht haben. Ergebnis? Kurz und knapp: Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung von Soja-Isoflavonen und unserer Gesundheit ist nicht bewiesen! Es gibt zwar einige Studien, die einen positiven Effekt von Isoflavon-Gaben auf Wechseljahrs-Beschwerden zeigen. Ihnen gegenüber stehen allerdings fast doppelt so viele Studien, die keinen Effekt zeigen konnten. Außerdem bemängeln viele Wissenschaftler häufig die sehr geringe Probandenzahl und methodische Fehler der durchgeführten Studien. Möglicherweise sogar gefährlich? Jeder darf sich natürlich seine eigene Meinung bilden und wer besonders positiv eigestellt ist, der glaubt dann doch den wenigen Studien, die eine positive Wirkung gezeigt haben. Häufig werden jedoch mögliche negative Risiken hoher Isoflavon-Gaben gänzlich außer Acht gelassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die negativen Wirkungen der Soja-Isoflavone untersucht und kritisiert die hohen Mengen in den zu kaufenden Präparaten. In Tierversuchen haben Forscher eine eventuelle Krebs steigernde Wirkung hoher Isoflavon-Mengen entdeckt. Insgesamt ergeben jedoch auch diese Studien kein eindeutiges Bild und ob Tierversuche so einfach auf den Menschen übertragbar sind ist fraglich. Jedoch sollte man sich diesen einfachen Vergleich mal vor Augen führen: Ein Japaner, der sich traditionell ernährt, nimmt täglich etwa 15-45mg Isoflavone mit der Nahrung auf. In den erhältlichen Nahrungsergänzungsmitteln sind bis zu 90mg enthalten.

 

Fazit

Obwohl Isoflavone höchst-wahrscheinlich keinen positiven Effekt auf unsere Gesundheit haben, kaufen doch massenhaft Frauen solche Produkte. Sojaisoflavone zeigen keine Wirkung? Wer will schon darüber schreiben. Wenn es 100 Studien ohne Nachweis gibt, wird doch die eine genannt, die einen positiven Effekt gezeigt hat. Die Unternehmen freuen sich und drucken das auf ihre Verpackungen. Damit soll jetzt Schluss sein. Bis Mitte des Jahres dürfen die Produkte noch in ihren alten Verpackungen verkauft werden, dann dürfen nur noch die europäisch zugelassenen „Health Claims“ auf den Verpackungen stehen. Ob die Verbraucher dann endlich vor falschen Versprechungen geschützt sind, wird sich zeigen.

2 Kommentare

  • Giulia

    Dass das auf dem Bild aber keine “Sojasprossen”, sondern Mungbohnensprossen sind, wissen Sie? “Nahrungsexperten” – witzig!!

  • Rosemarie

    Kann es sein, dass ich durch Isoflavone allergisch reagiere.
    Gegen Wechseljahre Beschwerden hat mir meine Frauenärztin Orthomol empfohlen. Seit deren Einnahme, schwillt mir den Hals an und ich habe starke Halsschmerzen. Ab morgen setzte ich das Präparat dann wohl doch lieber ab?

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