Sorbit- und Fruktose-Intoleranz


„Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“. Nicht nur dann!

Dieser Warnhinweis ist häufig auf Verpackungen von zuckerfreien Kaugummis, Bonbons und co. vorzufinden. Er bezieht sich auf das enthaltene Sorbit.
Sorbit, chemisch ein Zuckeralkohol, zählt zu der Gruppe der Zuckeraustauschstoffe. Laut Lebensmittelzusatzverordnung müssen Verpackungen mit dem Hinweis versehen werden, wenn der Anteil an Sorbit im Lebensmittel mehr als 10% beträgt (1). 
Doch manche Menschen reagieren bereits bei ganz normalen Mengen mit Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen. So reicht bereits ein zuckerfreies Kaugummi aus um die klassischen Symptome heraufzubeschwören. Die Ursache des ganzen Übels: Eine Sorbitunverträglichkeit. Hierbei wird der Zuckeraustauschstoff Sorbit, auch bekannt als Sorbitol beziehungsweise E420, nicht vertragen.
Normalerweise wird Sorbitol im Dünndarm des Magen-Darm-Trakts in seine Grundbausteine zerlegt, da nur diese der Körper schlussendlich aufnimmt und verwerten kann. Bei Betroffenen einer Sorbitunverträglichkeit ist der Abbauvorgang gestört, sodass im schlimmsten Falle die gesamte Menge an aufgenommenen Sorbit unverdaut in den Dickdarm gelangt. Dort übernehmen dann spezifische Bakterien des Dickdarms die weitere Verdauung. Als Abbauprodukte entstehen neben kurzkettigen Fettsäuren vor allem die Atemgase Kohlenstoffdioxid, Methan und Wasserstoff, die die klassischen Symptome einer Sorbitintoleranz bewirken. Darunter fallen Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall (2).

Vorkommen und Therapie

Sorbitol kommt in natürlicher Form in verschiedensten Früchten sowie Trockenfrüchten vor. Heutzutage wird es aber besonders in der Lebensmittelbranche zur Süßung von Diätprodukten eingesetzt. Eine einfache und doch effektive Methode um das Auftreten der Symptome einer Sorbitunverträglichkeit zu verhindern, ist das vollständige meiden eben dieser Nahrungsmittel (3).

Sorbit und Fruktoseintoleranz

Doch manchmal reagieren nicht nur Menschen mit Sorbitintoleranz auf kleinste Mengen an Sorbit. Auch eine zweite Gruppe von Menschen sollte den Konsum von sorbithaltigen Lebensmitteln einschränken, um  den unangenehmen Unverträglichkeitsreaktionen aus dem Weg zu gehen: Personen mit Fruktoseintoleranz! Bei beiden Unverträglichkeiten transportiert der spezifische Transporter GLUT 5 die auslösenden Stoffe Fruktose und/ oder Sorbit aus dem Dünndarm in den Blutkreislauf. Wird neben Fruktose auch Sorbit von fruktoseintoleranten Personen aufgenommen, blockiert dieses den gemeinsamen Transporter. Folglich gelangt noch mehr unverdaute Fruktose in den Dickdarm und verstärkt die bereits vorhandenen Symptome.

Zudem erfolgt beim Abbau-und Verwertungsvorgang von Sorbitol u. a. die Umwandlung zu Fruktose. Das bedeutet, je mehr Sorbit zu sich genommen wird, desto mehr Fruktose wird entsprechend gebildet und führt schlussendlich zu den Symptomen der Fruktoseunverträglichkeit (4).
Doch keine Angst, auf der anderen Seite müssen Menschen mit diagnostizierter isolierter Sorbitintoleranz trotzdem nicht fürchten, nun auch fruktosehaltige Lebensmittel von ihrem Speiseplan streichen zu müssen. Die meisten Menschen mit Sorbitintoleranz vertragen fruktosehaltige Lebensmittel sehr wohl. In diesem Fall besteht daher die allgemeine Schwierigkeit bei der Ernährungsumstellung darin, sorbithaltige Lebensmittel deutlich von alleinig fruktosehaltigen Lebensmitteln abzugrenzen. Klingt kompliziert, doch mit der Zeit wissen Betroffene nur zu gut, welche Lebensmittel sie ohne Probleme essen und auf welche sie getrost verzichten sollten. Im Sommer bietet sich als gute Alternative zum Apfelkompott zum Beispiel der Rhabarberkompott an. Auch eine Packung Heidelbeeren kann ohne Probleme als Ersatz für die Schale Erdbeeren am Badesee vernascht werden. Und falls der nächste Fussballabend naht: Der Anteil an Sorbit im Weißbier ist mit 0,002 pro 100g verzehrbaren Anteil verschwindend gering. Wohl bekommts!

Literaturverzeichnis

  1. e.V., Die Verbraucher Initiative. zusatzsstoff-online.de. [Online] 16. April 2015. [Zitat vom: 1. Juli 2016.] http://www.zusatzstoffe-online.de/information/685.doku.html.
  2. Biesalski, Hans-Konrad, Grimm, Peter und Nowitzski-Grimm, Susanne. Taschenatlas Ernährung. Stuttgart : Georg Thieme Verlag KG, 2015.
  3. Fritzsche, Doris. Nahrungsmittel-Intoleranzen. München : Gräfe und Unzer Verlag, 2015.
  4. Greten, Heiner, Rinninger, Franz und Greten, Tim. Innere Medizin. Stuttgart : Georg Thieme Verlag KG, 2010.

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