Testosteron – Mangel und Überschuss


Erinnern wir uns zurück an das WM-Finale zwischen Frankreich und Portugal, fällt einem sofort die berühmte Kopfnuss von Zinedine Zidane in der 110. Minute ein, der daraufhin mit einer roten Karte gesperrt wurde. Vielfach wurde das aggressive Verhalten damit kommentiert, das bei ihm sehr viel Testosteron im Spiel war, was das Fass schlussendlich zum Überlaufen brachte.

Doch nicht nur ein Testosteronüberschuss kann in unserer Gesellschaft ein Problem darstellen und bestimmte Verhaltensweise begünstigen. Auch ein Mangel ist mit spezifischen Handlungen und körperlichen Veränderungen verbunden.

Testosteron, Bildung und Funktion

Testosteron zählt, neben Östrogen und Progesteron, zu den Hauptsexualhormonen im menschlichen Körper. Alle zusammen sind chemisch gesehen, Abkömmlinge des Steroids Cholesterin (1).

Beim Mann wird es in speziellen Zellen, den Leydigschen Zwischenzellen im Hoden gebildet. Darüber hinaus wird es bei beiden Geschlechtern zu geringen Anteilen auch in den Nebennieren produziert. Im Körper ist es an zahlreichen Stoffwechselprozessen und Entwicklungsvorgängen beteiligt. So bewirkt die Ausschüttung im Mutterleib zunächst die Ausbildung von männlichen Geschlechtsmerkmalen wie Hoden und Penis und später die Spermienproduktion in den Hoden selbst.

Daneben fördert Testosteron das Wachstum von Muskeln, weswegen es auch häufig für Dopingzwecke zum Beispiel beim Kraftsport eingesetzt wird.
Doch nicht nur Kraftsportler profitieren von den natürlichen Wirkungsweisen des Testosterons, sondern auch Ausdauersportler. Ursache hierfür ist, dass es die Bildung von roten Blutkörperchen, den Erythrozyten anregt. Diese sind beim Menschen für den Sauerstofftransport zuständig. Das heißt, dass eine Erhöhung der roten Blutkörperchen durch Testosteron unweigerlich sprichwörtlich zu einem „längeren Atem“ führt und die Ausdauerleistung verbessert. Zu guter Letzt ist Testosteron eines der wichtigen Steuerhormone des Wachstums und der Stabilität der Knochen (2).

Testosteronmangel

Ist man sich den verschiedensten Funktionen von Testosteron im menschlichen Körper bewusst, sind die auffälligen Mangelerscheinungen-und Symptome einfach daraus ableitbar.
Dabei unterscheiden Mediziner zwischen angeborenem und dem erworbenen Testosteronmangel.
Wird aufgrund einer Schädigung der Leydigschen Zwischenzellen oder Lageanomalie der Hoden an einem angeborenen Testosteronmangel gelitten, bleibt die Produktion von Spermien in den Hoden aus (3). Diese Form ist besonders tragisch für Betroffene da es im Schlimmsten Fall die vollständige Unfruchtbarkeit beim Mann hervorruft. Nimmt hingegen erst mit zunehmenden Alter die Testosteronproduktion ab bis hin zum völligen Ausfall, handelt es sich um einen erworbenen Testosteronmangel (4). Die Ursache liegt in der verringerten Produktion oder der verringerten Wirksamkeit des Testosterons.
Ist man(n) bereits in der Pubertät davon betroffen, kann es eine unvollständige Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale wie einen zu kleinen Penis bedingen.  

Tritt der Testosteronmangel demgegenüber erst postpupertär auf, sind häufig folgende Symptome damit verbunden:

  • Depression 
  • Schlafstörungen 
  • Errektionsstörungen 
  • Gewichtszunahme 
  • Muskelabbau 
  • Abgeschlagenheit 
  • Verringerung der Libido 
  • Abbau der Knochen und Osteoporose

Diagnose

Eine Hilfe bei der Diagnose eines Testosteronmangels, ist der Testosteron-Test von cerascreen®. Dabei entnimmt die Person selbständig zwei Speichelproben ganz bequem und schmerzfrei von zuhause aus und sendet diese an unser zertifiziertes Fachlabor. Hier wird die Konzentration von Testosteron in der Speichelprobe bestimmt und mit Referenzwerten verglichen.

Therapie

Liegt der Wert unter den Normwerten für die jeweilige Altersgruppe, sollte man nicht sofort verzweifeln.

Zunächst besteht selbstverständlich die Möglichkeit auf ganz natürliche Weise den Testosteronspiegel zu steigern. Ansatzpunkte wären bei einer Ernährungsumstellung und Änderung der Lebensgewohnheiten zu finden:

  • Krafttraining und Muskelaufbau 
  • Erhöhung der sexuellen Aktivität 
  • Erhöhung der Zinkzufuhr, z.B. über Gemüse wie Bohnen oder Rohmilch 
  • Erhöhung des Vitamin-D-Spiegels, zum Beispiel durch längere Sonnenbäder 
  • Reduzierung von Stress 
  • Reduzierung der Zuckerzufuhr

Darüber hinaus  existieren heutzutage vielfältige hormonelle Therapieansätze auf dem Markt in Form von Testosteronpflaster, -Gele, Tabletten und sogar –Spritzen.

Allgemein können dadurch gute Erfolge bei der Reduzierung der Symptome und damit Aufwertung der Lebensqualität erreicht werden. Jedoch treten in manchen Fällen auch Nebenwirkungen auf wie Leberschäden, Herz-/Kreislauferkrankungen oder Prostatakrebs. Daher sollte die Person selbst und der behandelnde Facharzt immer abwägen, inwieweit und wie sehr eine Hormontherapie unbedingt notwendig ist.

Literaturverzeichnis

  1. Müller, Werner und Frings, Stephan. Tier-und Humanphysiologie. Heidelberg : Springer Spektrum Verlag, 2009
  2. Träger, Lothar. Steroidhormone: Biosynthese, Stoffwechsel, Wirkung. Stuttgart : Springer-Verlag, 2013.
  3.  Fischer, Michael und Eckert, Buddecke. Pathophysiologie, Pathobiochemie, klinische Chemie: Für Studierende der Medizin und Ärzte. New York : Walter de Gruyter, 1992.
  4. Keck, Christoph. Kinderwunschbehandlung in der gynäkologischen Praxis: Sinnvolle Diagnostik- und Therapiestrategien für Frauenärzte. Stuttgart : Georg Thieme Verlag KG, 2013.

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