Testosteron – Viel mehr als nur ein Sexualhormon!


Reduzierter Sexualtrieb, Probleme beim Muskelaufbau, Schwäche und Hitzewallungen sind nur einige Symptome, die bei einem Testosteron-Defizit auftreten können. Testosteron wird bisher immer als das „Männerhormon“ angesehen, aber auch Frauen benötigen dieses Sexualhormon ebenfalls. Zudem zeigt Testosteron unter anderem Effekte auf Diabetiker, Sportler, Übergewichtige und Herz-Kreislauf-Erkrankte. Auf die verschiedenen Wirkweisen und Eigenschaften von Testosteron soll im Folgenden genauer eingegangen werden.      

Testosteron

Testosteron ist das männliche Sexualhormon und wird zum Großteil in den Hoden hergestellt. Ein geringfügiger Teil kann zusätzlich von der Nebenniere bereitgestellt werden. Ein erwachsener Mann produziert täglich im Schnitt 4 – 12 mg Testosteron. Im Blutplasma entspricht dies einen Spiegel von 3 – 10 ng/ml. Die Frau besitzt ebenfalls Testosteron. Dieses wird hier über die Eierstöcke und die Nebenniere hergestellt. Der Plasma-Spiegel ist allerdings wesentlich geringer als beim Mann und zwar bei ca. 1 ng/ml [1].  

Funktionen im Körper

Testosteron steuert den Körperbau und die Sexualfunktion beim Mann. So ist die Entwicklung von Samenleiter, Nebenhoden und Samenbläschen abhängig von diesem Hormon. Während der Pubertät wird zudem Testosteron für die Ausprägung der Geschlechtsmerkmale, wie zum Beispiel der männlichen Körperbehaarung (unter anderem Brust- und Gesichtsbehaarung), den maskulinen Muskelaufbau und für das Knochenwachstum benötigt. Bei der sexuellen Funktionstüchtigkeit hat das Hormon ebenfalls eine elementare Aufgabe. Es sorgt für die Spermienbildung und beeinflusst das sexuelle Verlangen (Libido) und die Aggressivität. Weiterhin hat Testosteron einen aufbauenden (anabolen) Effekt. Dies bedeutet, dass es beispielsweise den Muskelaufbau unterstützt. Es bildet die Muskelfasern aus und stimuliert die Proteinbildung. Weiterhin sorgt Testosteron für eine verkürzte Regenerationszeit des Muskels. Die Regenerationszeit beschreibt die benötigte Zeitspanne, die der Muskel braucht, um vollständig repariert und wieder mit Energie aufgefüllt zu werden. Dies gelingt unter anderem durch die erhöhte Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), welche ebenfalls durch das Sexualhormon angeregt wird [1].  

Testosteron-Mangel [2]

Schätzungen zur Folge haben 25% der Männer einen niedrigen Testosteron-Spiegel. Ein Mangel tritt häufig als Nebeneffekt von anderen Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Asthma und Erkrankungen der Prostata auf. Folgende Symptome können bei einem erniedrigten Testosteron-Spiegel auftreten:  
  • Reduzierter Sexualtrieb
  • Reduzierte Vitalität
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Blutarmut
  • Verspäteter Samenerguss (Ejakulation)
  • Hitzewallungen
  • Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion)
  • Reduzierte Muskelmasse
  • Erhöhtes Bauchfettgewebe
  • Stark verkleinerte Hoden (Hodenatrophie)
  • Schwäche
  • Osteoporose
  • Haarausfall
 

Testosteron-Überschuss

Ein Überschuss des anabolen Hormons Testosteron kann zu übersteigerter Aggressivität und ebenfalls wie beim Mangel zu einer Hodenatrophie führen. Bei Frauen hingegen kann ein Überschuss zu einer Zunahme an Körperbehaarung, Absenkung der Stimmlage oder einer Klitorisvergrößerung führen. Besonders bei Heranwachsenden kann ein Steroidmissbrauch zu einem vorzeitigen Verschluss der Wachstumsfugen und somit zu einer geringeren Körpergröße führen [1]. Solch ein Überschuss kann beispielsweise durch Tumore oder Präparate entstehen.  

Testung des Testosteron-Spiegels

Nahezu der vollständige Anteil des Testosterons liegt in gebundener Form vor. Lediglich bis zu 3% sind frei verfügbar und somit aktiv im Kreislauf. Dieses Testosteron kann im Speichel gemessen werden. Der cerascreen® Testosteron-Test bietet die Möglichkeit den Testosteron-Spiegel zu messen. Hierfür entnehmen Sie sich drei Speichelproben. In unserem humandiagnostischen Fachlabor messen wir anschließend die Konzentration an Testosteron und bilden daraus einen Mittelwert. Dieser Mittelwert gibt die verlässlichste Aussage über den Testosteron-Spiegel im Körper an.  

Testosteron-Spiegel erhöhen

Die Steigerung des Testosteron-Spiegels kann besonders gut bei Männern über den Fettabbau erreicht werden, dies belegen zahlreiche Studien. Fett ist aktives, hormonproduzierendes Gewebe. Allerdings werden beim Fettaufbau Hormone produziert, die zu einer Reduktion des Testosteron-Spiegels führen. Zudem wandelt Fett Testosteron in Östrogen um, wodurch vermehrt Bauchfett gebildet wird. Da Testosteron ein Gegenspieler von Cortisol ist, erklärt sich die Auswirkung von Stress auf Testosteron. Ist der stressbedingte Cortisol-Spiegel erhöht, sinkt entsprechend der Testosteron-Spiegel. Mit der Aufgabe des Rauchens sowie einer Verringerung des Alkoholkonsums kann ebenfalls ein wertvoller Beitrag zur Steigerung des Testosteron-Spiegels geleistet werden. Da die Nahrungsaufnahme einen Einfluss auf den Testosteron-Wert hat (Erhöhung nach dem Essen), kann dieser darüber reguliert werden. Besonders der Verzehr von tierischen Lebensmitteln hat hier einen Einfluss. So sieht man bei Vegetariern weniger Zusammenhänge zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Testosteron-Spiegel [3]. Zink sorgt für eine Verringerung der Östrogen-Werte, was den Testosteron-Spiegel ebenfalls ansteigen lässt. Zudem lässt es den Cortisol-Spiegel sinken, was ebenfalls zu einer Testosteron-Erhöhung führt [4]. Die Zink-Zufuhr ist über Austern in größerem Umfang möglich. Auch Edamer, Emmentaler, Haferflocken, Paranüsse, Sojabohnen oder Hühnerei sind dafür geeignet [5]. Weiterhin gibt es eine Beziehung zwischen Vitamin D und Testosteron. In einer Studie führte die Zufuhr von Vitamin D zu einer Erhöhung des freien, bioaktiven Testosterons. Nicht so bei der Kontrollgruppe, die kein Vitamin D zuführte [6]. Ein hoher Insulinspiegel führt zum Absinken des Testosteronspiegels. Daher sollten Weißzucker, Weißbrot und Fruchtsäfte, stark verarbeitete Lebensmittel und andere Nahrungsmittel, die den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen, weniger verzehrt werden. Dahingegen sind komplexe Kohlenhydrate förderlich für einen langsamen Blutzuckeranstieg. Diese sind beispielsweise in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, ballaststoffreichem Obst und Süßkartoffeln zu finden [7].  

Testosteron und Sexualität

Nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen zeigt sich ein Testosteron-Mangel in sexueller Unlust. Knapp 30% der Frauen im gebärfähigen Alter und annähernd 55% der Frauen nach der Menopause zeigen eine reduzierte Libido. Studien zeigen, dass besonders das freie Testosteron einen Einfluss auf das sexuelle Verlangen hat. Natürlich spielen auch andere psychologische und physiologische Faktoren eine Rolle. Zu diesen zählen auf der psychologischen Seite Depressionen, Angst vor der Zukunft, Hunger, sexuelle Erregung und die Häufigkeit eines Orgasmus. Auf der physiologischen Seite sind Hormonschwankungen und generell die Gesundheit von großer Bedeutung für die Sexualität [8].  

Testosteron macht Männer ehrlicher

Testosteron fördert bekannter Weise dominantes Verhalten und Aggressionen. Eine Studie aus 2012 stellt darüber hinaus fest: Testosteron macht Männer ehrlicher! An diesem Verhaltensexperiment nahmen 91 gesunde Männer teil. Im Experiment wurde ein einfaches Würfelspiel durchgeführt. Je größer die Augenzahl des Würfels war, desto höher der ausgezahlte Geldbetrag. Die Probanden mussten ihr Würfelergebnis in einem Computer eingeben und konnten bei der jeweiligen Eingabe lügen. Heraus kam: Probanden mit einem höheren Testosteron-Spiegel logen signifikant seltener als die Studienteilnehmer in der Placebo-Gruppe. Als Begründung führen die Wissenschaftlicher an, dass ein erhöhter Testosteron-Wert den Stolz und somit das Bedürfnis nach einem positiven Selbstbild erhöht. Daher reichten ein paar Euro als Anreiz nicht aus, um das Selbstwertgefühl aufs Spiel zu setzen [9].  

Testosteron und Gewichtsverlust

Die Wahrscheinlichkeit eines Testosteron-Mangels nimmt mit erhöhtem Gewicht zu. Das Risiko bei Übergewicht an einem Testosteron-Mangel zu leiden, steigt bei starkem Übergewicht (Adipositas Grad 3) bis auf 75% an. Eine Testosteron-Therapie zeigt Verbesserungen in der Körperzusammensetzung durch eine Reduzierung der Fettmasse und einer Erhöhung der fettfreien Körpermasse (Magermasse). Ebenfalls wurden natürlich eine Gewichtsreduktion und eine Verkleinerung des Hüftumfangs festgestellt. Weiterhin hat Testosteron Einflüsse auf den Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel. Der Zucker aus der Nahrung (Glucose) kann besser verwertet werden und die Fette verstoffwechselt und für die Energiegewinnung herangezogen werden. Diese erhöhte Bereitstellung von Energie führt zu einer gesteigerten körperlichen Aktivität, was wiederum zu Gewichtsverlust führt [10].  

Testosteron und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) sind neben dem Rauchen die Haupt-Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Häufig auftretende Krankheiten in diesem Bereich sind zum Beispiel ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bis auf das Rauchen lassen sich alle genannten Risikofaktoren durch das Steroidhormon Testosteron beeinflussen. So zeigt eine Studie aus 2014 eine Verbesserung der Zucker- und Cholesterinwerte bei der Therapie mit Testosteron. Ebenfalls zeigten die Patienten einen signifikant niedrigeren Blutdruck. Folglich ist das Übergewicht und damit der Testosteron-Mangel zu beheben, um die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu verbessern [10].  

Testosteron und Sport

Der Zusammenhang von Testosteron und Sport wird schon seit langem diskutiert. Anabol wirkende Stoffe sind besonders im Muskelaufbau von großer Bedeutung. So beeinflusst auch Testosteron das Muskelwachstum. Somit gilt Testosteron als anaboles Steroid-Hormon. Studien zufolge sorgt Testosteron neben der Gewinnung von Muskelmasse auch für eine Reduzierung des Körperfettes. Zudem wird eine erhöhte Aggressivität und eine gesteigerte Motivation an Wettkämpfen teilzunehmen festgestellt. Außerdem erhöhen Sportliche Aktivitäten und besonders Wettkämpfe den Testosteron-Spiegel nachweislich [11].

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Literatur  

1 Heinrich et al. (2014). Biochemie und Pathobiochemie (9. Auflage). Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.

2 Grober, E. (2014). Testosterone deficiency and replacement: Myths and realities. Canadian Urological Association. Vol. 8 (7-8): S145-7.

3 Howie & Shultz (1985). Dietary and Hormonal Interrelationships Among Vegetarian Seventh-Day Adventists and nonvegetarian Men. American Journal of Clinical Nutrition. 42(1), 127-134.

4 Chang et al. (2011). Correlation between serum testosterone level and concentrations of copper and zinc in hair tissue. Biological Trace Ementary Research. 144(1-3):264-71.

5 Souci et al. (2011). Lebensmitteltabelle für die Praxis 5. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

6 Pilz et al. (2011). Effect of Vitamin D Supplementation on Testosterone Levels in Men. Hormone and Metabolic Research. 43(3): 223-225.

7 Grossmann, M., Panagiotopolous, S., et al. Low Testosterone and Anemia in Men with Type 2 Diabetes. Clinical Endocrinology. April 2009. 10(4), 547-553.

8 Reis & Abdo (2013). Benefits and risks of testosterone treatment for hypoactive sexual desire disorder in women: a critical review of studies published in the decades preceding and succeeding the advent of phosphodiesterase type 5 inhibitors. Clinics. 69 (4): 294-303.

9 M. Wibral et al. (2012). Testosterone administration reduces lying in men. PloSONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0046774.

10 Traish, A. (2014). Testosterone and weight loss: the evidence. Current Opinion in Endocrinology, Diabetes and Obesity. 21: 313-322.

11 Wood & Stanton (2012). Testosterone and Sport: Current Perspectives. Hormones and Behavior. 61(1): 147-155.

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