Unbegrenzt essen und Rotwein trinken - und trotzdem 120 Jahre alt werden?


Ein gutes Essen im Restaurant, anschließend eine Käseplatte und dazu literweise Rotwein: Das klingt nach einem schönen Abend, aber nicht unbedingt gesund! Oder doch?

Einige Studien wollen bereits bewiesen haben, dass der mäßige Genuss von Alkohol gesünder sei als Abstinenz. Weinliebhaber und Freunde fettreichen Käses weisen außerdem gerne auf das „Französische Paradox“ hin. Argumentieren mit roten Wangen, dass der reichliche Rotweingenuss kein Laster, sondern eine gesundheitsfördernde Tugend sei.

Im Jahr 2012 behaupteten dann Forscher aus Harvard: „Live to 120 years old by eating as much as you want and drinking lots of red wine!”. Was ist dran an der These? Können wir essen so viel wir wollen? Ist Rotwein ein wahrer Jungbrunnen? Kommt jetzt die „Vinotherapie“?

Liest man sich die Studien in dem Fachbereich durch, erkennt man: Die Aussage der Wissenschaftler hat leider einen kleinen Haken. Man müsste fast 1500 Flaschen Rotwein am Tag trinken, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten. Was einen leider ziemlich schnell umbringen würde. Worum geht es also wirklich?

Resveratrol

Die Forscherwelt ist so begeistert von ihren Befunden, dass bereits „Rotweinpillen“ auf dem Markt sind. Diese enthalten hohe Konzentrationen der aktiven Verbindung „Resveratrol“, die verjüngende Effekte haben soll. Mit dieser magischen Pille soll man essen können, was man will, und trotzdem fit und gesund bis ins hohe Alter leben. Perfekt! Wo kann man diese Wunderpille kaufen?

Resveratrol ist kein Medikament, sondern ein sekundärer Pflanzenstoff in Weintrauben (und somit auch im Wein). Dieses Molekül dient den Trauben zum Schutz und wirkt antioxidativ. Dennoch sollte man nicht denken, dass EINE Substanz ALLE gesundheitlichen Probleme lösen kann. So schön die Idee auch ist, dafür ist der menschliche Organismus einfach zu komplex!

Neben Resveratrol lassen sich noch zwei andere Verbindungen mit antioxidativer Wirkung im Wein nachweisen: Quercetin und Catechin. Alle drei Verbindungen gehören zur Gruppe der Phenole. Die Konzentrationen dieser Verbindung sind im Rotwein höher als im Weißwein. Ebenso hängt der Gehalt davon ab, wie tanninreich der Wein ist, d.h. wie viel Gerbsäure er enthält. Je tanninreicher der Wein, desto höher das Vorkommen der Phenole. Aber auch hier gilt: Trotz dieser Inhaltsstoffe im Wein darf nicht behauptet werden, dass Rotwein die schnelle Lösung ist. Die Gehalte der Wirkstoffe sind im Verhältnis zum Alkohol zu gering.

Französisches Paradox

Aber was ist mit dem französischen Paradox? Schon in den 80ern fanden Wissenschaftler heraus, dass Franzosen trotz ihrer Vorliebe für Rotwein und gutes (und fettiges) Essen eine vergleichsweise niedrige Herzinfarktrate aufwiesen. Dies ist zwar eine Korrelation, zeigt jedoch keine Kausalität. Eine Kausalität kann man nämlich anhand von schlichtem Datenvergleich nicht belegen.

Möglicherweise liegt es nicht (oder eben nur bedingt) an den Inhaltsstoffen im Rotwein, sondern vielmehr am Lebensstil unserer Nachbarn:

Weintrinker sind Genießer. Sie trinken den Wein nicht aus Vernunftgründen, sondern aus Lust. Und dabei lassen sie sich Zeit. Wer ein gutes Glas Rotwein trinkt, der schlingt dabei kein Fast Food hinunter. Denn Essen und Trinken sind ein Stück Lebensfreude! Wer dies zelebriert, der hat neben Rotwein und fettigem Käse eben auch viele frische, qualitativ hochwertige Produkte auf dem Tisch stehen.

Was kann man daraus lernen? Man sollte sich nichts verbieten, sondern ein entspanntes Verhältnis zum Essen aufbauen und bewusster essen und trinken. Schließlich ist es wissenschaftlich bewiesen, dass Stress das Herzinfarktrisiko signifikant steigern kann.

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