Vitamin B12 und Vegetarismus – Das Problemvitamin


„Der Trend ins Vegetarische ist unaufhaltsam. Vielleicht isst in 100 Jahren kein Mensch mehr Fleisch“, so Helmut Maucher, ehemaliger Generaldirektor von Nestlé.

Der Vegetarierbund (vebu) geht derzeit (Stand 2015) von rund 7,8 Millionen Vegetariern und 900.000 Veganern in Deutschland aus. Dies sind insgesamt ungefähr 10 % der Bevölkerung.

Vegetarier in Deutschland

Vegetarier in Deutschland[/caption] Früherer Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus Nürnberg von 1983 zeigen, dass damals lediglich 0,6 % der deutschen Bevölkerung Vegetarier waren. Somit hat sich die Zahl der vegetarisch lebenden Menschen in den letzten 20 Jahren weit mehr als verzehnfacht.

Vitamin B12 ist schon seit langem ein von Wissenschaftlern diskutiertes Problemvitamin bei Vegetariern und Veganern. Die Vermutung für einen Vitamin-B12-Mangel liegt nahe: Vitamin B12 ist ausschließlich in tierischen Produkten enthalten. Nahrungsmittel, in denen vergleichsweise viel Vitamin B12 enthalten ist sind beispielsweise Rinderleber mit 65 μg Vitamin B12 in 100 g Lebensmittel und Hering (8,5 μg / 100 g). Dagegen häufiger verzehrte tierische Lebensmittel zeigen nur einen geringen Vitamin-B12-Gehalt an, wie zum Beispiel Hühnerei (1,86 μg / 100 g), Vollmilch (1,48 μg / 100 g) oder magerer Speisequark (0,88 μg / 100 g) [1].

An den Lebensmitteln erkennt man bereits die Problematik. Vegetarier, die immerhin noch tierische Produkte wie Milch, Eier oder Quark zu sich nehmen, schaffen es bei täglichem Verzehr ihren Vitamin-B12-Bedarf zu decken. Für Veganer ist dies nicht möglich.

Die Wissenschaftler Pawlak und seine Kollegen ermittelten 2013 die Häufigkeit eines Vitamin-B12-Mangels bei verschiedenen Personengruppen. So wiesen Schwangere Frauen, die sich vegetarisch ernähren zu 62 % einen Vitamin-B12-Mangel auf. Bei Kindern wurde sogar ein Vitamin-B12-Mangel mit teilweise mehr als 85 % festgestellt. Erwachsene und ältere Personen schwanken bei unterschiedlichen Arten von vegetarischer Ernährung zwischen 21 % und 90 %. Diese breite Spanne liegt daran, dass teilweise Studien mit Veganern, die auf jegliche tierischen Produkte verzichten, mit teilweise noch Fisch essenden Vegetariern verglichen wurden [2].

Ein Vitamin-B12-Mangel ist nicht zu unterschätzen. Bei einem Defizit kann es zu einer Blutarmut (Anämie) kommen. Diese führt zu einer verschlechterten Sauerstoffversorgung der Zellen und äußert sich zunächst in Müdigkeit, Schwindel, Atemnot und Herzklopfen. Weiterhin wirkt die Haut, insbesondere die Schleimhäute, eher blass und es kann eine Gelbsucht (Ikterus) auftreten. Besonders bei Kindern kann es zu Entwicklungsstörungen und Krämpfen in den Fingern und Füßen kommen [3].

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Vitamin-B12-Mangel nicht zu unterschätzen ist. Vegetarier und Veganer insbesondere stellen eine Risikogruppe für einen Mangel dar und sollten ihren Vitamin-B12-Spiegel regelmäßig testen. Auf eine solche Kost sollte zudem im Kindesalter verzichtet werden, da in der Wachstumsphase vermehrt Vitamin B12 für eine gesunde Entwicklung benötigt wird.

Literatur

1 Elmadfa et al. (2013). Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. München: GRÄFE UND UNZER VERLAG.

2 Pawlak et al. (2013) How prevalent is vitamin B12 deficiency among vegetarians? Nutrition Reviews®. 71(2): 110-117.

3 Biesalski et al. (2015). Taschenatlas Ernährung. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

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