Volksleiden Diabetes und der HbA1c Wert


HbA1c - Dein Körper weiß, wann du das letzte Mal Zucker gegessen hast!

Jeder kennt Blutzuckermessgeräte, die den aktuellen Blutzuckerstatus anzeigen. Diese sind zur Überwachung des Spiegels unerlässlich, eignen sich jedoch nur als aktuelle Momentaufnahme. Der HBA1c-Wert ist hingegen ein Wert, der stellvertretend das sogenannte Blutzuckergedächtnis darstellt. Das heißt, sein Ausmaß gibt an, wie gut der Blutzucker über die letzten Wochen eingestellt war.

Beim Arzt scheint das zunächst auch der Fall zu sein. Ein Beispiel: Das Blutzuckermessgerät zeigt einen Wert von 85 Milligramm pro Deziliter, also vorbildlich! Doch dann wird zusätzlich noch der sogenannten HBA1c bestimmt. Dort kommt dann die ernüchternde Erkenntnis: Bereits 12 % des Hämoglobins sind mit Zuckermolekülen eine dauerhafte Verbindung eingegangen. Doch was bedeutet das genau?

Das Zuckergedächtnis: Der HbA1c-Wert

Die Buchstaben „Hb“ in diesen aus Abkürzungen zusammengesetzten Wort stehen für Hämoglobin, besser bekannt als „roter Blutfarbstoff“. Dieser ist der zentrale sauerstoffbindende Bestandteil in den roten Blutkörperchen des Menschen und lebenswichtig für den Sauerstofftransport von den Lungen zu den Organen (1). 
Ist sehr viel Zucker in dem Blut vorhanden verbinden sich diese irreversibel mit dem roten Blutfarbstoff. Das heißt, hat man zum Beispiel vor 3 Wochen über Tage verteilt stark zuckerhaltige Nahrungsmittel wie Torten oder Eis vertilgt, erhöht sich als Folge die Zahl an zuckergebundenen  roten Blutkörperchen. Damit kann z.B. bei Diabetikern eine Aussage über den allgemeinen Zuckerkonsum der letzten 2-3 Monate getroffen werden. Dies entspricht der durchschnittlichen Lebensdauer der roten Blutkörperchen (2).

Bei Frauen liegt der Normbereich des verzuckerten Hämoglobins am Gesamthämoglobin zwischen 4,5-6,5 %. Unter die Kategorie „grenzwertig“ fallen Werte zwischen 6,5-7,5%. Als schlecht eingestellter Diabetiker gilt man, wenn der HBA1c-Wert 7,5 % und höher beträgt (3).

Schlechte Prognosen bei schlechtem HBA1c-Wert

Doch was bedeutet das denn nun langfristig für den Patienten, wenn der prozentuale Anteil des zuckergebundenen Hämoglobins wie in dem Beispiel bei 12% liegt? Aktuelle Studien zeigen, dass vor allem bei Diabetes-Typ-2-Erkrankten das Risiko an einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder einer Folgeerkrankung am Auge oder Niere zu erleiden, deutlich steigt. Daher ist auch der HBA1c-Wert ein allgemein anerkannter und vielfach verwendeter Parameter in der Medizin um Erkrankungsprognosen bei Diabetikern zu stellen (4).

Erhöhter HBA1c-Wert, und nun?

Wurde ein kritischer HBA1c-Wert über 7,5% festgestellt, sollte daher alles daran gesetzt werden, um diesen wieder zu verringern. Doch wie sollte die betroffene Person am besten vorgehen? Es gibt mehrere schnell wirkungsvolle Ansatzpunkte:

  • Umstellung der Ernährung
  • Erhöhung der sportliche Aktivität
  • Angepasste Tabletten- und/ oder Insulintherapie

Besonders der erste Punkt sollte im Fokus bei Menschen mit erhöhten HBA1c sein. Zu den Grundregeln gehören hierbei:

  1. Den Fettverzehr auf 30 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr zu reduzieren. Außerdem sollte davon der Anteil an gesättigten Fettsäuren, der zum Beispiel in fetten Wurstwaren oder Butter enthalten ist, höchstens 10 Prozent betragen, da diese das LDL-Cholesterin unnötig erhöhen. LDL-Cholesterin wirkt sich negativ auf die Blutgefäße aus und fördert Bluthochdruck. Dahingegen sollte der Anteil an den gesunden einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren mindestens 15 bis 20 Prozent betragen. Ergiebige Quellen stellen zum Beispiel Rapsöl oder fette Seefische dar.
  2. Sollte der Anteil an zugeführten Ballaststoffen über die tägliche Ernährung erhöht werden. Experten empfehlen hier etwa 30 Gramm pro Tag. Studien zeigen, dass es deutlich das Herzinfarkt-und Schlaganfallrisiko vermindere. Vorzugsweise Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Cerealien eignen sich hervorragend als Nahrungsmittel, um die empfohlenen Menge zu erreichen.
  3. Zusätzlich sollte der Anteil an Kohlenhydraten an der Ernährung rund 40 bis 55 von der Tagesgesamtzufuhr betragen. Beachtet werden muss aber, dass diese den Blutzucker natürlich erhöhen und der Verzehr daher gut mit Insulin oder Tabletten abgedeckt sein sollte. Eine Alternative zu Nudeln, Reis und Co. ist die Erhöhung der täglich aufgenommenen Proteinmenge z.B. in Form von Magerquark oder Gemüsen wie Erbsen, Bohnen oder Linsen. Ein eindeutiger Vorteil gegenüber den Kohlenhydraten ist, dass sie nicht in die Kohlenhydrat-Bilanz mit einfließen, sprich es kann ohne „Reue geschlemmt“ werden (5).

Beachtet man diese Tipps, muss ein hoher HBA1c-Wert nicht sofort unabänderlich „Tod und Verderben“ bedeuten. Betroffene sollten den Wert eher als Warnsignal betrachten, dass eine Veränderung des Lebensstils vorgenommen werden sollte, um später nicht doch drastische Einbußen in der Lebensqualität und dem Wohlbefinden zu erfahren.

Literaturverzeichnis

  1. Hoffmann, Georg, Aufenanger, Johanees und Hofmann, Walter. Klinikhandbuch Labordiagnostische Pfade: Einführung - Screening - Stufendiagnostik. Berlin : Walter de Gruyter, 2014.
  2. Schmeisl, Gerhard-W. Schulungsbuch Diabetes. München : Elsevier, Urban& Fischer Verlag, 2015.
  3. Böhm, Bernhard, et al. Diabetes-Handbuch. Berlin Heidelberg : Springer-Verlag, 2013.
  4. Waldhäusl, Werner-Klaus, Gries, F.A. und Scherbaum, Werner. A. Diabetes in der Praxis. Berlin Heidelberg : Springer-Verlag, 2013.
  5. Medizin, Springer. ÄrzteZeitung. [Online] 18. Mai 2006. [Zitat vom: 5. Juli 2016.] http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/404700/gesunde-kost-kann-hba1c-zwei-prozentpunkte-senken.html.

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