Zöliakie – Wenn der Körper gegen sich selbst ankämpft!


Die Anzahl der Zöliakie-Erkrankten steigt. Bereits in den letzten Jahrzehnten wurden jedes Jahr vermehrt Zöliakie-Diagnosen gestellt. Ein Grund dafür ist das steigende Bewusstsein für diese Erkrankung. Sowohl die Ärzte, als auch die Betroffenen wissen immer mehr über die Krankheit und testen vermehrt darauf. Dennoch sind viele Fälle immer noch unerkannt. Dies liegt unter anderem an dem breiten Spektrum von Symptomen, die bei einer Zöliakie auftreten können. Die typisch erwarteten Durchfälle können ebenso von einer Zöliakie hervorgerufen werden, als auch Wesensveränderungen, Blutungsneigungen und Lebererkrankungen. Die Folge ist häufig eine Unterernährung, die zum Tod führen kann. Im Folgeneden wird auf die Zöliakie als solche und deren Zusammenhänge näher eingegangen.

 

Zöliakie

Die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die durch die Aufnahme von Gluten hervorgerufen wird. Bei einer solchen Erkrankung greift der Körper eigenes und gesundes Gewebe an und zerstört dieses. So wird bei der Zöliakie die Darmschleimhaut angegriffen und beschädigt. Bei einem Zöliakie-Erkrankten führt die Aufnahme von Gluten zu einer Ausschüttung des Autoantigens Transglutaminase. Transglutaminase verursacht die Autoimmunreaktion und so den Angriff auf die Darmschleimhaut (1).
Da die Zöliakie zumeist erblich bedingt ist, lassen sich Häufungen innerhalb einer Familie feststellen. Zudem zeigen andere Patienten mit Autoimmunerkrankungen, wie unter anderem Diabetes mellitus Typ 1 und rheumatoide Arthritis (bekannt als Rheuma), ein vermehrtes Auftreten von Zöliakie (2).

Entstehung

Die Zöliakie tritt zumeist im Kindesalter zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr auf. Die ersten Symptome sind Durchfälle, Unterernährung und Störungen im Wachstum und der Entwicklung des Kindes. Diese Krankheitszeichen entstehen durch eine Gewebsveränderung im Darm. Die sogenannten Dünndarmzotten bilden sich zurück (Zottenatrophie). Zotten sind Ausstülpungen eines Gewebes und können sowohl in Faden-, Kegel- als auch Fingerform auftreten. Sie dienen der Oberflächenvergrößerung eines Organs. So können durch die Zotten im Darm vermehrt Nährstoffe aufgenommen werden. Fehlen die Zotten dort, kommt es zu einer verminderten Aufnahme von Nährstoffen. Eine Unterernährung kann sich ausbilden. Neben der Zottenatrophie werden gleichzeitig vermehrt Immunzellen gebildet. Dadurch wird die Autoimmunreaktion verstärkt und eine Zöliakie entsteht [2].

Symptome (3)

Die bei einer Zöliakie auftretenden Beschwerden können sich sehr unterschiedlich äußern. Es gibt kein bestimmtes Symptom oder einen Symptomenkomplex, der eindeutige Hinweise auf das Vorhandensein einer Zöliakie liefert. Entsprechend vielfältig sieht das Beschwerdebild aus. Die klassischen Krankheitszeichen stellen sich wie folgt dar (beginnend mit dem häufigsten Vorkommen):

  • Wachstumsstörungen beim Kind
  • Vorgewölbter Bauch
  • Durchfälle
  • Verstopfung
  • Appetitlosigkeit
  • Blässe
  • Erbrechen
  • Muskelschwäche
  • Müdigkeit
  • Wesensveränderungen

Mögliche weitere Symptome, die außerhalb des Dünndarms liegen:

  • Depressionen
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Autoimmunerkrankungen mit Bläschenbildung auf der Haut
  • Lebererkrankungen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Blutungsneigung
  • Blutergüsse (Hämatome)
  • Osteoporose
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Schwäche
  • Muskelkrämpfe
  • Nachtblindheit

Diagnose

Mit Hilfe des cerascreen® Zöliakie-Tests können Sie ganz einfach herausfinden, ob Sie an einer Zöliakie leiden. Bei dem modernen Testverfahren von cerascreen®, lässt sich bereits durch ein paar Tropfen Blut aus Ihrem Finger ein aussagekräftiges Ergebnis ermitteln. Ihr Blut wird auf die Gewebs-Transglutaminase-Konzentration hin untersucht. Eine hohe Konzentration dieses Autoantigens lässt auf eine Zöliakie schließen.

Therapie

Bei einer diagnostizierten Zöliakie ist die einzige Therapiemöglichkeit der vollständige Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Wird weiterhin Gluten – auch nur in geringen Mengen – zugeführt, bleiben die entzündlichen Veränderungen in der Dünndarmschleimhaut, sowie die Zottenrückbildung erhalten. Zudem kommt es zu einer - je nach Schweregrad der Zöliakie - Verringerung der Enzymproduktion im Dünndarm. Enzyme sind dort unter anderem für Spaltungsprozesse der Nahrung verantwortlich. Fehlen diese, können Folgeerkrankungen, wie beispielsweise die Laktoseintoleranz, auftreten. Diese kann jedoch unter einer glutenfreien Ernährung rückläufig (reversibel) sein. Zudem kann eine lang anhaltende Zottenatrophie zum Beispiel das Risiko einer Lymphknotenschwellung, beziehungsweise das Risiko für die Entstehung von gut- und bösartige Tumore an den Lymphknoten, erhöhen. Dies vermindert sich jedoch bei einer glutenfreien Ernährung.

Glutenhaltige Nahrungsmittel (4)

Gluten ist weit verbreitet in der modernen, westlichen Ernährung. Es gehört zu der Gruppe der Speicherproteine vom Weizen und lässt sich ebenfalls in Proteinen vom Roggen und Gerste nachweisen. Dies bedeutet, dass grundsätzlich auf Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern, Dinkel und verwandte Getreidearten verzichtet werden muss. Verwandte Arten sind zum Beispiel Kamut und Einkorn. Zudem muss bei einer Zöliakie auf alle Lebensmittel verzichtet werden, die Gluten enthalten. Darunter fallen unter anderem Mehl, Grieß, Stärke, Müsli, Paniermehl, Brot, Nudeln, Kuchen, Blätterteig, Salzstangen und Bier. Leider sind in anderen Lebensmitteln oftmals versteckte Glutenquellen enthalten. Hier sind besonders gebundene Soßen, Suppen, Fertiggerichte, Würstchen, Frischkäsezubereitung mit Kräutern, Nuss-Nougat-Cremes, Ketchup, Schokolade und Gewürzmischungen zu nennen. Allerdings müssen diese Lebensmittel nicht zwingend Gluten enthalten. Dadurch bedarf es einer erhöhten Aufmerksamkeit beim Einkaufen.

Glutenfreie Ernährung (4)

Glutenfrei bedeutet, dass Gluten im Lebensmittel in einer Konzentration von maximal 20 mg / kg Produkt vorkommen darf. Dieser Wert gilt EU-weit.
Die glutenfreie Ernährung stellt die einzige Therapiemöglichkeit bei einer Zöliakie dar. Deshalb ist deren Einhaltung von besonderer Bedeutung, um beschwerdefrei leben zu können. Das Resultat ist jedoch keine Heilung. Eine Zöliakie besteht ein Leben lang. Bei erneuter Zufuhr von glutenhaltigen Lebensmitteln kommt es durch sogenannte Gedächtniszellen des Immunsystems zu einer erneuten Entzündung und Zottenatrophie.
Gluten wird aufgrund seiner technologischen Eigenschaften in der Lebensmittelindustrie genutzt. Gluten geliert, emulgiert, bindet Wasser, stabilisiert und eignet sich als Trägerstoff unter anderem für Aromen. Entsprechend häufig ist es in den Lebensmitteln vorzufinden. In der folgenden Tabelle sind einige glutenfreie Lebensmittel aufgeführt.

Zöliakie Beitrag Tabelle

Zöliakie und Diabetes

Diabetiker des Typ 1 haben zwanzigmal öfter eine Zöliakie, als Nichtdiabetiker. Der Diabetes Typ 1 ist die oftmals angeborene Form des Diabetes. Hier kommt es zu einer Störung der Insulinproduktion, weshalb diese ersetzt werden muss. Dies gelingt meist durch Insulinspritzen. Insulin dient dem Körper dazu, den Blutzucker in die Zellen zu befördern. Der Zucker wird für die Energiegewinnung benötigt.
Zahlreiche Studien zeigen einen potentiellen Zusammenhang von Diabetes Typ 1 und Zöliakie. Die Diabetiker zeigen erhöhte Entzündungswerte durch den Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln, im Vergleich zu Nichtdiabetikern (5). Zudem weisen Patienten, die sowohl an einem Diabetes des Typ 1, als auch an einer Zöliakie leiden, vermehrt Gefäßveränderungen in den kleinen Gefäßen auf. So kann es beispielsweise zu Durchblutungsstörungen im Auge oder in den Nieren kommen. Aufgrund dessen sollte bei der Feststellung eines Typ 1 Diabetes gleich auf das Vorhandensein einer Zöliakie getestet werden. Auch wenn bisher keine Symptome sichtbar sind, kann sich über die Jahre eine Zöliakie mit all ihren Beschwerden ausbilden (6).

Zöliakie und Rheuma

Die rheumatoide Arthritis – umgangssprachlich schlicht Rheuma genannt – und die Zöliakie haben viele Gemeinsamkeiten und treten häufig gleichzeitig auf. Bei diesen beiden Erkrankungen handelt es sich um Autoimmunkrankheiten, bei denen es durch eine Proteinveränderung zum Angriff des Immunsystems auf körpereigenes, gesundes Gewebe kommt (7). Weiterhin sind beide Krankheitsbilder vermehrt auf erbliche Verlagerungen zurückzuführen und treten bei Frauen gehäuft auf mit gleichzeitigen entzündlichen Erscheinungen im Darm (8).

Zöliakie und Hauterkrankungen

Zusammen mit einer Zöliakie kann eine entzündliche Hauterkrankung (Dermatitis herpetiformis Duhring) auftreten. Diese geht charakteristisch mit Bläschenbildung an den Armbeugen, Kniekehlen, Gesäß, auf den Schultern, dem Kreuzbein, den Oberschenkeln und am Bauch einher. Die Dermatitis herpetiformis Duhring wird häufig von Gluten ausgelöst. Somit kann diese Form der Dermatitis mit einer glutenfreien Ernährung zu einer Symptomlinderung führen.

Zöliakie und Krebs

Krebs und Zöliakie treten immer häufiger gemeinsam auf. Eine Analyse mehrerer Studien ergab, dass von über 55.000 Patienten, mehr als 2.500 von ihnen Krebs entwickelten. Besonders stark verbreitet scheint der Magen-Darm-Krebs zu sein. Hier konnte bei Zöliakie-Patienten ein bis zu 60 % höheres Risiko festgestellt werden, als bei Patienten ohne Zöliakie.  

Literatur

  1. McCarville et al. (2015) Pharmacological approaches in celiac disease. Current Opinion in Pharmacology. 25: 7-12.
  2. Stamnaes & Sollid (2015). Celiac disease: Autoimmunity in response to food antigen. Seminars in Immunology. 1044-5323. http://dx.doi.org/10.1016/j.smim.2015.11.001.
  3. Schäfer, C. (2013). Zöliakie - Krankheit mit vielen Gesichtern, in: UGB-Forum spezial. Schuppan, D. und Zimmer, K-P. (2013): Diagnostik und Therapie der Zöliakie, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110 (2013) 49.
  4. Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. (2015). Glutenfreie Ernährung. Deutschen Zöliakie Gesellschaft online. http://www.dzg-online.de/glutenfreie-ernaehrung.7.0.html. Stand 1.12.2015.
  5. Serena et al. (2015). The Role of Gluten in Celiac Disease and Typ 1 Diabetes. Nutrients. 7: 7143-7162.
  6. Van den Driessche et al. (2009). Type 1 diabetes and autoimmune polyglandular syndrom: a clinical review. Netherlands Journal of Medicine. 67 (11) 376-87.
  7. Koning, F. (2015). Recent insight in the pathophysiology of coeliac disease: relevance to rheumatoid arthritis. Clinical and Exoerimental Rheumatology. 33(92): 8-10.
  8. Lerner & Matthias (2015). Rheumatoid arthritis-celiac disease relationship: Joints get that gut feeling. Autoimmunity Reviews. 14: 1038-1047.
  9. Reunala et al. (2015). Dermatitis Herpetiformis: Pathognomonic Transglutaminase IgA Deposits in the Skin and Excekkent Prognosis on a Gluten-free Diet. Acta Dermato Venereologica. 95: 917-922. 

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