Zu viel Eier beim Krafttraining sind nicht ungesund – Rocky Balboa ist schuld!


Irgendwo in der Vorstadt von Philadelphia/ USA klingelte der Wecker verstörend früh. ‚Vier Uhr‘ ist auf dem Ziffernblatt zu lesen als sich Rocky Balboa mit schlafverzehrtem Gesicht und vor dem Geräuschhintergrund eines dudelnden kaum wachmachenden Radios an seinen Kühlschrank schlurft und mit halb geöffneten Augenlidern etwas verschnupft im grauen Sweatshirt ein Cocktailglas zurechtstellt.

Wer erinnert sich nicht an die Szene aus dem Oscar- prämierten Film wo der erfolglose Preisboxer im fahlen Licht der Niedrigwattkühlschranklampe routiniert zum morgendlichen Eishake- mixen ausholt. Schon die Erinnerung daran was dann in der Szene des Films folgt, lässt Ekel entstehen:
Ein Ei, noch ein Ei. Beim dritten aufgeschlagenen Ei kommen erste Zweifel auf, will Silvester Stallone wirklich diese schleimige Masse voller Proteine trinken? Routiniert, aber vielleicht auch langsamer als bei den ersten beiden Eiern als müsse sich Rocky um des Aufschlagen willens konzentrieren und vielleicht auch um nicht zu viel Ei aufzuschlagen, greift er erneut in den Kühlschrank und schlägt, wieder bei der Sache, ein viertes Ei an den Rand des nunmehr fast halb vollen Glases. Entlässt, mit nur der rechten Hand, ohne Weiß und Gelb zu trennen, handwerklich versiert, das flüssige Ei, wohlwissend, dass sich Eier nicht so leicht von der Innenschale lösen lassen in das Cocktailglas. / Und noch ein Ei! Spätestens jetzt wird klar: Rocky Balboa meint es ernst mit dem Training. Er will den Sieg! Jetzt, kaum das letzte Ei aufgeschlagen, ergreift er mit der Rechten, seiner Arbeitshand, das Glas und setzt zum Trinken an. Silvester Stallone spielt dies äußerst überzeugend, fast schon als würde er selbst solch manchen Trunk aus purem Ei morgens in stockfinsterer Nacht geschluckt haben. Rocky Balboa, die Figur, die er in diesem Film bis zur Perfektion mimt, trinkt und schluckt in einem Zug mutig das ganze eingerührte schleimig- milchige Proteingetränk, um stärker zu werden. Alltag für einen stark werden wollenden Sportler am Anbeginn seines täglichen Trainings – zumindest in den Eightis!

Vielleicht ist es besser ganz ohne Pathos das Thema „Eiweiß – der Stoff zur körperlichen Fitness“ zu eröffnen. Vielleicht braucht es keine solche Geschichte wie die um Silvester Stallone, der sich wie in der eingangs beschriebenen Szene ins Gedächtnis vieler Freizeitsportler eingebrannt hat, wahrscheinlich weil er diesen Ekel ob dieses Getränks auch kennt. Grenzenlos, aber freiwillig bekleckert sich Silvester alias Balboa beim Austrinken des Glases voller Ei, weil er weiß wie nahrhaft ein Ei sein kann; so ist er gestärkt für den Trainingsalltag als Preisboxer. Doch neben dem filmischem Hochgenuss, der sich jedes Mal beim Schauen dieser Szene einstellt, bleibt eine Frage selbst nach so langer Zeit, seit dem der Film die Kinokassen klingeln ließ, noch nicht wirklich beantwortet: Handelt es sich bei dieser Szene um einen zu kleingeratenen Mann, der um cinematographische Aufmerksamkeit buhlt oder ist da doch was Wahres dran und hilft das tägliche Ei beim Krafttraining? Eine Frage, die es zu ergründen lohnt!

Eins ist klar, längst ist die Zeit vorbei, wo sich Männer nur durch solche Szenen am heimischen Kühlschrank stark tranken. Vorbei ist aber auch die Zeit, wo man glaubte, dass zu viel Ei ungesund sei. Angekommen ist man bei einem Verständnis des menschlichen Körpers, wo selbstverständlich das Hühnereiweiß als Proteinlieferant genutzt werden kann. Doch Vorsicht, zuviel Ei(gelb) ist ungesund für unsere feste Mitte. Denn Eigelb enthält Fett und Cholesterin (von dem nie alles aufgenommen wird) und Lecithin. Also sehr viel mehr, als wir gemeinhin für unseren Körper brauchen. Klar, so lange der Cholesterinspiegel nicht erhöht ist, sind zwei Ei(gelb) am Tag oder zum Frühstück kein Problem. Obwohl man wahrscheinlich nie so viele Ei(gelb) essen könnte, um dadurch lebensgefährlich verletzt zu werden. Aber sei es drum, das wirklich Wichtige am Ei ist das Ei(klar). Klar! Nicht aufgrund des Proteins, hier liegt das Eidotter mit 16 Prozent uneinholbar vorn, sondern aufgrund all der anderen nichtenthaltenen Inhaltsstoffe, die das Ei(klar) weit wertvoller werden lassen als das Gelbe vom Ei. Insgesamt ist es eben weniger gehaltvoll als das Ei(gelb) und beeinflusst beispielsweise so eine gewollte Gewichtsreduzierung nachhaltig. Ei(klar) besitzt neben wichtigen Elektrolyten und Spurenelementen jedoch sehr viele Vitamine (wie Vitamin A, B1, B2 und C) und Niacin (wichtiger Baustein verschiedener Coenzyme wie NAP und NADP und hat zentrale Bedeutung für den Stoffwechsel von Fett, Kohlenhydraten und Eiweißen. Klar!

Letztlich ist das Coole an Eiweiß wohl der Umstand, dass es mehr oder weniger frei von Cholesterin ist. Was ihm klar die Polposition gegenüber seinem härtesten Konkurrenten, dem Ei(gelb), einbringt und trotzdem den Körper beim Aufbau von Muskulatur unterstützt. Klar!

Und auch ein Zweites ist (Ei)klar, der Muskelaufbau mit Ampullen und Präparaten, wie sie viele Bodybuilder zur Stärkung ihrer Physis nutzen, ist nicht mehr, die Jungend sagt „fresh“! Gesünder und nachhaltiger, weil mehr Inhaltsstoffe anderer Art, sind Lebensmittel wie Milch, Kefir, Käse, Molke, Joghurt, Hülsenfrüchte, Nüsse, Sojaprodukte und Fisch. Und wer Muskelaufbau betreiben will, der sollte viel davon zu sich nehmen. Ein Eigelb oder zwei machen den Kohl nicht fett, aber sie unterbinden den gern in Kauf genommenen Effekt des flachen Bauchs.

Also: Lieber trennen als alles auf einmal! Lieber etwas früher aufstehen, aber dafür mit viel Gefühl das (weiße vom gelben) Ei trennen. Wenn schon, dann richtig! Rocky ist eben doch nur ein Film, aber ein guter. Klar!

1 Kommentar

  • peiler

    sehr guter artikel zum thema. leicht und verständlich. und die meisten dürften die szene aus dem film kennen ;-)

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