„Zuckerfrei“ = Gesünder? Nicht im Fall einer Sorbitunverträglichkeit!


Jeder, der aufmerksam durch den Supermarkt geht und die Etiketten auf Limonade und co. liest, ist bereits mehr oder weniger häufig über Aufschriften gestolpert, wie: „Zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“. Viele Lebensmittelhersteller verwenden diese Begriffe, um Kunden zu gewinnen. Besonders ansprechen soll das zum Beispiel Personen, die sich für eine gesunde, zuckerarme Lebensweise interessieren oder aufgrund von Übergewicht beziehungsweise bestehender Krankheiten wie Diabetes Mellitus ihren Zuckerkonsum reduzieren wollen.
Der Markt und die Auswahl an „zuckerfreien“ oder „Light“ Produkten ist in den letzten Jahren rasant in die Höhe gestiegen. Auch die Zahl an Übergewichtigen und an Diabetes mellitus Erkrankten ist in Deutschland um mehr als 3 % gestiegen im Vergleich zu 2003 (1). 
Doch der Wortlaut „zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass gar kein Zucker enthalten ist. Ganz im Gegenteil! Häufig werden stattdessen Zuckeraustauschstoffe hinzugefügt. Diese schmecken ebenso süß und verleihen damit dem Lebensmittel den gewünschten süßen Geschmack.
Ein Vorteil gegenüber der Verwendung des handelsüblichen Haushaltszucker ist aber der langsamer verlaufende Abbau zum Einfachzucker Glukose. Dem Körper wird dadurch signalisiert, dass er noch nicht erneut Nahrung benötigt, da die Kohlenhydratspeicher noch voll sind, der Organismus ist immer noch mit der Verwertung „beschäftigt“. Dementsprechend ist das Verlangen nach Süßem oder erneuter Nahrungsaufnahme länger anhaltender reduziert.

Nichtsdestotrotz besitzen die Zuckeraustauschstoffe nur geringfügig weniger Kalorien als eine vergleichbare Menge Haushaltszucker und müssen daher in die tägliche Kalorienbilanz miteinberechnet werden.

Der Zuckeralkohol Sorbit

Zu dieser Gruppe gehört unter anderem auch das häufig in der Lebensmittelindustrie verwendete Sorbitol, auch besser bekannt als Sorbit oder E420. Chemisch gesehen handelt es sich um einen Zuckeralkohol. Zuckeralkohole können natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen oder werden industriell hergestellt (durch Reduktion aus entsprechenden Einfachzucker) (2).
Im Falle von Sorbit stellt Glukose die Grundlage zur letztendlichen Bildung des Zuckeraustauschstoffes dar. Der Vorteil von Sorbitol gegenüber anderen Zuckeraustauschstoffen wie Fruktose ist, dass dieses Wasser bindet. Mit Sorbit versetzte Lebensmittel können dadurch länger feucht gehalten werden und bleiben folglich länger frisch. Zudem ist das Sorbitol auch nach dem Erhitzen geschmacksstabil (3). Industriell wird es daher auch häufig zum kalorienreduzierten Süßen von warmen Süßspeisen eingesetzt (4).

Verdauung von Sorbit

Normalerweise findet die Verdauung von Sorbit im Dünndarm des Magen-Darm-Trakts statt: Dort helfen ganz spezifische Enzyme den Zuckeralkohol in seine Einzelbausteine, die Einfachzucker abzubauen. Nur diese können vom Körper schlussendlich in den Blutkreislauf aufgenommen, transportiert und verwertet werden. Die gewonnenen Einzelbausteine sind unverzichtbar für die körpereigene Energiegewinnung und spielen eine tragende Rolle beim Aufbau von Zellmembranen.

Sorbitunverträglichkeit

Liegt eine Sorbitunverträglichkeit vor, ist die Verdauung von Sorbit im Dünndarm gestört. Das Sorbit wird teilweise oder gar nicht abgebaut. In der Medizin spricht man daher von einer Resorptionsstörung. Die Ursachen hierfür können von ganz unterschiedlicher Natur sein. Dazu gehören:

  • Verringerte Aktivität oder vollständige Inaktivierung der Sorbitverdauungsenzyme
  • Defekte bei Transportern
Das unverdaute Sorbit gelangt in den Dickdarm (Kolon), wo dann dickdarmspezifische Bakterien die weitere Zersetzung in Einzelbausteine vornehmen. Als Abbauprodukte entstehen die Atemgase Kohlenstoffdioxid (CO2), Wasserstoff (H2) und Methan (CH4) sowie kurzkettige Fettsäuren. Diese führen dann zwangsläufig zu den klassischen Symptomen einer Sorbitintoleranz.

Symptome der Sorbitintoleranz

Zu den klassischen Symptomen einer Sorbitintoleranz zählen aufgrund der Atemgasbildung Blähungen, Völlegfühl und Bauchschmerzen. Zusätzlich wirken die gebildeten kurzkettigen Fettsäuren wasserziehend, welches wiederum die mehr oder weniger starken Durchfälle bedingt. Daneben leiden Betroffene häufig zusätzlich unter folgenden ganz unspezifischen Begleiterscheinungen:

  • Müdigkeit und häufiges Gähnen
  • Abgeschlagenheit bis hin zu Depressionen
  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
Generell können alle genannten Symptome auch ganz anderen Ursprungs sein, wie z.B. ein bestehender Magen-Darm-Infekt oder psychische Probleme, sodass die eindeutige Diagnose Sorbitunverträglichkeit häufig erst sehr spät gestellt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Patienten bereits einen längeren Leidensweg hinter sich, der oftmals eine ergebnislose Zeit sowie nervenaufreibende Aufsuche mehrere Ärzte mit einschließt.

Der Sorbitunverträglichkeitstest von cerascreen®

Eine einfache, schnelle und effiziente Lösung, die dabei helfen kann, eine mögliche Sorbitunverträglichkeit festzustellen, stellt das Testkit „ Sorbitintoleranz“ von cerascreen® dar. Dieser Test kann in wenigen Schritten einfach von zu Hause aus durchgeführt werden und schnell Klarheit ins Dunkel der Symptomvielfalt bringen.
Er beruht auf dem H2-Atemtest, dem medizinischen Goldstandardverfahren, angewandt nicht nur zur Testung einer möglichen Sorbit-, sondern auch zur Abklärung einer Fruktose-und Laktoseintoleranz.
Wie die Bezeichnung schon erahnen lässt, nutzt man die bei bestehender Unverträglichkeit unnatürlich hohe Produktion des Atemgases H2. Gemessen wird dieses nach Aufnahme einer definierten Menge an Sorbit als Trinklösung und mit einem vorher gemessenen Nüchternwert verglichen. Die Atemgasproben werden zu unserem Labor geschickt. Alle Materialen die für den Test benötigt werden, befinden sich bereits im Testkit.

Wie ist die Messung möglich?

Nach der Aufnahme der Sorbitlösung und einer bestehenden Unverträglichkeit werden Atemgase produziert. Der durch Dickdarmbakterien gebildete Wasserstoff wird wieder in den Blutkreislauf abgegeben und verlässt über den Außatemvorgang den menschlichen Körper. Die Menge des in der Außatemluft vorhandenen Wasserstoffs wird durch unser Labor gemessen. Außerdem messen wir den Gehalt an Methan, welches bei einer Unverträglichkeit zudem erhöht ist.

Sorbit in der Nahrung

Sorbit kommt im Lebensmittelhandel vor allem in Diabetikerprodukten in Form von Diabetikersüße vor. Daneben wird es von der Pharmaindustrie in Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet, um deren „Geschmack“ für den Kunden kalorienbewusst zu verbessern. Zu guter Letzt ist Sorbit aber auch ein natürlicher Bestandteil von verschiedensten Früchten, beziehungsweise Trockenfrüchten wie: Aprikose, Pfirsich und co. Es folgt zur besseren Übersichtlichkeit eine Tabelle an Nahrungsmitteln, die entweder sorbitarm oder stärker sorbithaltig sind:

Lebensmittelgruppe Sorbithaltig Sorbitarm
 Zucker/ Zuckerersatzstoffe Glukosesirup Haushaltszucker
Sorbit Süßstoffe
Milchzucker  
 Obst Trockenobst Handvoll Brombeeren
Aprikosen ½ Nektarine
Eberesche  
Birnen  
Pflaumen  
 Tierische Produkte   Käse
  Milch
  Butter
  Eier
 Getreideprodukte Vollkornprodukte Weißmehlprodukte
 Alkoholhaltige Getränke Wein  
Bier  
 Alkoholfreie Getränke Diätlimonaden Tee
Apfelsaft, Birnensaft Kaffee
 Süßigkeiten/ Süßspeisen Kalorienreduzierte Süßigkeiten wie Bonbons oder Kaugummis Zuckerhaltige Süßigkeiten
Pralinenfüllungen  
 Sonstiges Arzneimittel  
Quelle: Kraut, H.; Fachmann, W.; Souci, W. S.: Lebensmittel für die Praxis: Der kleine Souci/ Fachmann/ Kraut. Stuttgart. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft, 2011.

Sorbitunverträglichkeit und Ernährung

Wurde eine Sorbitunverträglichkeit zum Beispiel durch den cerascreen® Sorbitunverträglichkeitstest bestätigt, sollten Betroffene auf Lebensmittel (aufgelistet in der linken Spalte) zunächst komplett verzichten. Das scheint dem Betroffenen zu Anfang als sehr anstrengend, da dieser die Ernährung komplett umstellen muss und auch Ersatzprodukte meist nicht sofort parat sind. Doch die Mühe lohnt sich: Schnell ist man endlich beschwerdefrei. Nach circa zwei Wochen strikter Meidung sorbithaltiger Produkte kann die Person beginnen, sich an die individuelle Sorbittoleranzschwelle heranzutasten und kleinste Mengen sorbithaltiger Produkte in den Speiseplan wieder einzuführen. Werden diese gut vertragen, können die Dosen langsam erhöht werden. Schlussendlich erhält man dadurch ein klares Bild davon, wie stark die Sorbitunverträglichkeit bei einem persönlich ausgeprägt ist.
Doch keine Angst. Wird doch einmal zu viel Sorbit verzehrt als eigentlich verträglich, müssen keine Folgeschäden befürchtet werden. Nur die bereits erfolgreich erreichte Beschwerdefreiheit ist damit beendet und es treten die bereits bekannten, typischen Akut-Symptome wie Blähungen oder Durchfall auf.

Literaturverzeichnis

  1. OECD. Zunehmende Fettleibigkeit bei Erwachsenen. [Online] 9. 12 2011. [Zitat vom: 30. Mai 2016.] http://www.corenberg.com/wpcoren/wp-content/uploads/2011/12/OECD_Statistik_Fettleibigkeit_1990_2000_2009.png.
  2. Biesalski, Hans Konrad, Grimm, Peter und Nowitzki-Grimm, Susanne. Taschenatlas Ernährung. Stuttgart : Georg Thieme Verlag KG, 2015.
  3. Grimm, Hans-Ulrich und Ubbenhorst, Bernhard. Chemie im Essen: Lebensmittel-Zusatzstoffe. Wie sie wirken, warum sie schaden. München : Droemer Knaur, 2013.
  4. Schek, Alexander. Ernährungslehre kompakt. Sulzbach im Taunus : Umschau Zeitschriftenverlag GmbH, 2013.

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