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Katzenhaarallergie und Hundehaarallergie


Tierhaarallergien treten häufiger denn je auf. Manche Menschen sollten deshalb lieber auf pelzige Mitbewohner verzichten – einige können aber mit den richtigen Tipps ohne starke Beschwerden ein Haustier halten.

Fast 35 Millionen Haustiere lebten im Jahr 2020 in Deutschland, darunter knapp 16 Millionen Katzen und 11 Millionen Hunde. In jedem dritten Haushalt ist mindestens einer der Vierbeiner zuhause.

Doch für viele Menschen bedeuten Tiere und ihre Haare vor allem: Niesen, Husten, rote Augen, Juckreiz. Tierhaarallergien sind weit verbreitet, besonders gegen Katzen und Hunde. Auch deswegen liegen „Allergiehunde“ im Trend, die weniger Haare verlieren und deswegen weniger Allergien auslösen können. Wissenschaftler*innen sind sich aber noch nicht sicher, ob diese Hunderassen wirklich einen Vorteil für Allergiker*innen bringen [1].

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Katzen- und Hundeallergien entstehen, welche Symptome sie auslösen und wie Sie trotz einer Tierhaarallergie mit Hund und Katze zusammenleben können..

Was ist eine Tierhaarallergie?

Tierhaarallergien funktionieren wie andere Allergien auch: Das Immunsystem reagiert auf eigentliche harmlose Stoffe. Genau genommen sind es nicht die Haare selbst, die diese Reaktionen auslösen – sondern bestimmte Proteine, die Allergene, die in Hautschuppen, Speichel, Urin oder Kot von Tieren stecken.

Eine solche Allergie kann gegenüber Hunden, Katzen, Nagern, Pferden und Vögeln auftreten [2].

Wussten Sie schon, dass viele Menschen auf mehrere Tierarten allergisch reagieren? Dieses Phänomen nennt man Kreuzallergie: So führt eine Hundehaarallergie manchmal auch dazu, dass Goldhamster Reaktionen auslösen [3,4].

Was passiert bei einer Tierhaarallergie?

Stoßen Allergene auf ihren Körper, alarmieren Abwehrzellen das Immunsystem. Als Gegenmaßnahme setzt es IgE-Antikörper ins Blut frei. Der Botenstoff Histamin wird ausgeschüttet und setzt Entzündungsvorgänge in Gang. Als Folge davon treten unterschiedliche Symptome auf [5].

Katzenallergie

Bei Katzen befinden sich die Allergene im Speichel, in der Tränenflüssigkeit und in der Analdrüse. Katzen putzen ihr gesamtes Fell mit der Zunge und verteilen so die allergieauslösenden Substanzen über den ganzen Körper. Dazu kommt, dass die Katzenallergene besonders hartnäckig sind. Sie können sehr lange in der Luft schweben, haften stärker an Kleidung an als Hundehaare. Sie können monatelang in einem Raum verbleiben [2,4].

Wussten Sie schon, dass es doppelt so wahrscheinlich ist, eine Katzenallergie zu entwickeln wie eine Hundeallergie?

Hundeallergie

Die Hundeallergene befinden sich im Speichel, Urin und auf der Haut. Die Allergene verbleiben nicht so lange in der Luft wie die von Katzen. Sie können sich aber im Staub auf dem Boden und auf Polstermöbeln absetzen.

Im Gegensatz zu einer Katzenallergie kann eine Tierhaarallergie gegen Hunde von der Rasse abhängig sein. Sind sie gegen Katzen allergisch, dann reagieren Sie vermutlich auf jede Katzenrasse. Bei einer Hundehaarallergie allerdings variiert es von Rasse zu Rasse – und sogar von Tier zu Tier. Einige Hunderassen gelten als Allergiehunde, wie Pudel, Schnauzer und Goldendoodles. Sie verlieren kaum Haare und sollen deswegen ihre Allergene deswegen weniger verbreiten. Die Allergene tragen sie aber auch in sich – in einer Studie fanden Forschende in Haushalten mit „Allergikerhunden“ ähnlich viele Allergene wie bei anderen Hunden [6].

Gut zu wissen: Interessanterweise reagieren manche Hundebesitzer allergisch auf die Hunde von anderen, während sie bei ihrem eigenen Vierbeiner keinerlei Reaktion zeigen [2,7].

Allergiker-Tiere – gibt es Hunde und Katzen, die keine Allergien auslösen?

Die Züchtung sogenannter hypoallergener Tiere soll es Hunde- und Katzenallergiker*innen ermöglichen, doch einen Vierbeiner in den eigenen vier Wänden halten zu können. Allergiker-Tiere werden so gezüchtet, dass sie keine Haare verlieren. Allerdings ist nicht klar, ob das auch das Auftreten allergischer Reaktionen reduzieren kann. Die Allergene können nur in einem sehr geringen Maß herausgezüchtet werden und kommen dennoch auf der Haut des Tieres vor.

Auch haarlose Katzen wie die Nacktkatze lösen Allergien aus, da sich die Allergene auf ihrer Haut, im Speichel, Urin und Kot befinden [6,8,9].

Hunderassen wie der Labradoodle gelten als "Allergikerhunde"

Einige Hunderassen, wie der hier gezeigte Labradoodle, gelten als allergikerfreundlich.

Was sind die Ursachen einer Katzen- und Hundeallergie?

Welche genauen Ursachen dazu führen, dass Tierhaarallergie entstehen, konnten Wissenschaftler*innen bis dato nicht klären. Die Forschung geht von verschiedenen möglichen Gründen aus [4,10].

Genetische Veranlagung
Neugeborene weisen ein erhöhtes Allergierisiko auf, wenn ein Elternteil schon an einer Allergie leidet: Das Risiko beim Kind steigt um bis zu 40 Prozent. Eltern vererben eine Allergie aber nicht direkt an ihre Kinder, sondern nur eine Veranlagung zur Allergie: Aufgrund der genetischen Vorbelastung ist das Risiko beim Kind höher, eine Allergie zu entwickeln [10,11].

Kontakt mit Tieren in der Kindheit
Einer Studie aus Estland zufolge weisen etwa Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, ein geringeres Allergierisiko auf. Eine weitere Studie konnte das für die Tierhaarallergie bestätigen: Kinder, die sehr früh mit Hunden in Kontakt kamen, hatten ein geringeres Risiko, eine Hundeallergie zu entwickeln [12].

Tierhaarallergie in Deutschland, Österreich und Dänemark

Was sind die Symptome bei einer Hundeallergie und einer Katzenallergie?

Tierhaarallergien führen zu Beschwerden auf der Haut und vor allem in den Atemwegen. Auch die Augen bleiben nicht verschont. Gelangen Allergene in das Auge, rötet und entzündet sich die Bindehaut. In der Regel dauern die Beschwerden maximal bis zum Folgetag an [4,8].

Hautbeschwerden

Atemwegsbeschwerden

Juckreiz

Schnupfen

Rötung

Asthma

Neurodermitis

Engegefühl in der Brust

Nesselsucht (rote Quaddeln)

Husten, ständiges Niesen


Im schlimmsten Fall kann bei einer allergischen Reaktion ein anaphylaktischer Schock die Folge sein. Durch die Freisetzung von Histamin erweitern sich dabei die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck stark abfällt. Ein solcher allergischer Schock kann zu Ohnmacht und einem Atemstillstand führen [13]!

Therapie der Tierhaarallergie

Wenn bei Ihnen eine Tierhaarallergie festgestellt worden ist, sollten Sie mit Ihrem*Ihrer Ärzt*in über die Therapiemöglichkeiten sprechen. Eine Tierhaarallergie kann mit der richtigen Behandlung kein Hindernis im Alltag darstellen.

Wie behandle ich eine Tierhaarallergie?

Nach der Feststellung einer Allergie auf Hunde oder Katzen können Sie die Beschwerden mit Medikamenten reduzieren. Eine Hyposensibilisierung bei einem Allergologen kann Ihre Allergie eventuell stark lindern. Jedoch ist diese Therapie nicht immer erfolgreich.

Medikamente gegen Tierhaarallergie

Ihr*e Ärzt*in kann Ihnen Medikamente wie Nasensprays verschreiben, die Antihistaminika oder den Wirkstoff Kortison enthalten. Tabletten mit Antihistaminika sind auch in der Apotheke frei verkäuflich. Sie wirken den allergischen Beschwerden effektiv entgegen. Diese Mittel sind dazu da, kurzfristige Beschwerden zu lindern – sie sind nicht für Menschen geeignet, die Hunde oder Katze im eigenen Zuhause haben. Langfristig können diese Wirkstoffe zu körperlichen Beschwerden führen oder an Wirkung verlieren.

Sie können auch mit einer Salzwasserlösung Ihre Nase spülen, um sie von Sekret zu befreien und frei atmen zu können. Auch eine Akupunktur bei einem geschulten Therapeuten könnte die Beschwerden eines allergischen Schnupfens reduzieren [8,14,15].

Achtung: Sollten Sie an einer Tierhaarallergie leiden, sollten Sie auch Kleidung, Teppiche, Kosmetikpinsel, die aus Tierhaaren hergestellt sind, meiden [2]!

Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie)

Die spezifische Immuntherapie soll Tierliebhabern helfen, Ihre Haustiere doch nicht abgeben zu müssen. Während dieser Behandlung müssen Sie das Allergen in sehr kleinen Mengen über einen langen Zeitraum einnehmen. Meist wird das Allergen alle paar Monate verabreicht, per Spritze oder als Tablette unter der Zunge. Die Hyposensibilisierung findet ausschließlich unter ärztlicher Beobachtung statt. Das Ziel dieser Therapie ist es, dass sich der Körper an das Allergen gewöhnt und die Symptome verschwinden. Ob sich eine Immuntherapie als Erfolg erweist, lässt sich nicht klar vorhersagen.

Einer Studie zufolge empfiehlt sich eine Hyposensibilisierung hauptsächlich für Menschen, die keine Haustiere halten und nur außerhalb ihres Zuhauses mit den Allergenen in Kontakt kommen, beispielsweise für Tierärzte [4,16].

Tipps, um trotz Allergie ein Haustier zu halten

Trotz Tierhaarallergie ein Tier halten?

Sich vom Tier zu trennen, ist die sicherste Methode, um Allergene aus der unmittelbaren Umgebung zu entfernen. Jedoch ist sie auch die schwierigste. Wohnt das Haustier bei Ihnen zu Hause, müssen Sie einige Regeln für allergiefreundliches Zusammenleben beachten [8]:

  • Achten Sie darauf, dass das Tier nicht mit Möbeln in Kontakt kommt und sich nicht in Ihrem Schlafzimmer aufhält.
  • Vermeiden Sie zu engen Kontakt zum Tier.
  • Waschen Sie sich die Hände nach jedem Kontakt, um die Hautschuppen zu entfernen.
  • Sie sollten Ihre Bettwäsche regelmäßig wechseln – es empfiehlt sich alle zwei Wochen.
  • Ihre Möbel und Böden sollten täglich einmal gesaugt und feucht gewischt werden. Für Teppiche eignet sich ein Besen mit Gummiborsten.
  • Lüften Sie regelmäßig und intensiv. Ein Luftreiniger kann zusätzlich Abhilfe schaffen.
  • Bürsten Sie das Tier nicht im Haus.
  • Waschen Sie das Tier einmal die Woche.

Tierhaarallergie testen

Kommen Ihnen die genannten Symptome bekannt vor, sollten Sie prüfen, ob Sie an einer Tierhaarallergie leiden. Aber eine juckende Haut und eine triefende Nase bedeuten nicht gleich eine Tierhaarallergie. Die Beschwerden ähneln denen anderer Allergien, wie einer Pollenallergie, Lebensmittelallergie oder Hausstauballergie.

Ebenso sollte ein Schnupfen nicht gleich Panik vor den Vierbeinern auslösen. Im Fell der Tiere können sich auch Pollen verstecken, auf die Sie allergisch reagieren. Hausärzt*innen oder Allergolog*innen können Ihnen bei der genaueren Diagnose helfen, ebenso ein Tierhaarallergie-Test [9].

Wie wird eine Tierhaarallergie getestet?

Zunächst führen Ärzt*innen ein Anamnesegespräch, in welchem sie mit Ihnen die Symptome und möglichen Auslöser klären. Mit einem Haut- oder Bluttest sichert er die Diagnose ab.

Neben diesen beiden Methoden bietet sich ebenfalls der sogenannte Provokationstest an. Dieser gilt wie als aussagekräftigster Test, um eine Allergie zu diagnostizieren, muss aber immer unter ärztlicher Aufsicht stattfinden [8].

Sie können außerdem einen Tierhaarallergie Test (oder einen Hundeallergie Test oder Katzenallergie Test) online bestellen, um von zuhause aus auf eine Sensibilisierung

Auf einen Blick: Tierhaarallergie

Was ist eine Tierhaarallergie?

Bei einer Tierhaarallergie wie der Hunde- und Katzenallergie reagieren Sie nicht auf die Haare allergisch, sondern auf Allergene, die sich auf der Haut und im Fell des Tieres befinden.

Welche Symptome treten bei einer Tierhaarallergie auf?

Juckreiz, Nesselsucht, Schnupfen, Niesen und Husten sind typische Symptome einer Tierhaarallergie.

Wie behandele ich eine Tierhaarallergie?

Tabletten und Nasensprays, die Antihistaminika oder Kortison enthalten, helfen bei einem allergischen Schnupfen. Aber bei einer Langzeitanwendung verlieren sie an Wirkung.

Die effektivste Therapie bei einer Hunde- und Katzenallergie ist es, das Tier abzugeben. Mit der richtigen Raumhygiene kann für manche Menschen ein allergiefreundliches Miteinander möglich sein.

Quellenangaben

[1] „Anzahl der Haustiere in Deutschland bis 2020“, Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156836/umfrage/anzahl-der-haushalte-mit-haustieren-in-deutschland-2010/ (zugegriffen Mai 17, 2021).

[2] „Tierhaarallergie: DAAB“. https://www.daab.de/allergien/tierhaarallergie/ (zugegriffen Juli 07, 2018).

[3] „Tierhaarallergie: Infos | AOK – Die Gesundheitskasse“. https://rh.aok.de/inhalt/tierhaarallergie-9/ (zugegriffen Juli 07, 2018).

[4] „Tierhaarallergie“, ECARF. https://www.ecarf.org/info-portal/allergien/tierhaarallergie/ (zugegriffen Juli 07, 2018).

[5] Gerald Rimbach, Jennifer Nagursky, Helmut F. Erbersdobler, Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger. Springer-Verlag.

[6] C. E. Nicholas, G. R. Wegienka, S. L. Havstad, E. M. Zoratti, D. R. Ownby, und C. C. Johnson, „Dog allergen levels in homes with hypoallergenic compared with nonhypoallergenic dogs“, Am. J. Rhinol. Allergy, Bd. 25, Nr. 4, S. 252–256, 2011, doi: 10.2500/ajra.2011.25.3606.

[7] N. Polovic u. a., „Dog saliva - an important source of dog allergens“, Allergy, Bd. 68, Nr. 5, S. 585–592, 2013, doi: 10.1111/all.12130.

[8] „Pet Allergy“, ACAAI Public Website. https://acaai.org/allergies/types/pet-allergy (zugegriffen Juli 07, 2018).

[9] „Pet Allergy | AAAAI“, The American Academy of Allergy, Asthma & Immunology. https://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/allergies/pet-allergy (zugegriffen Juli 07, 2018).

[10] W. Reuter, „Uns geht’s gut - Umwelt- und Gesundheitsschutz im Kinderzimmer“. Verbraucherzentrale NRW e.V., [Online]]. Verfügbar unter: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Verbraucherschutz/vz-nrw-Broschuere-Unsgehtsgut.pdf?__blob=publicationFile.

[11] „Allergies in Children | Cleveland Clinic Children’s“, Cleveland Clinic. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/13080-allergies-in-children (zugegriffen Juli 07, 2018).

[12] H. M. Tun u. a., „Exposure to household furry pets influences the gut microbiota of infants at 3–4 months following various birth scenarios“, Microbiome, Bd. 5, S. 40, Apr. 2017, doi: 10.1186/s40168-017-0254-x.

[13] „Pschyrembel Online | Anaphylaxie“. https://www.pschyrembel.de/Anaphylaxie/K02B3/doc/ (zugegriffen Mai 23, 2018).

[14] „Pet allergy - Diagnosis and treatment - Mayo Clinic“. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/pet-allergy/diagnosis-treatment/drc-20352198 (zugegriffen Juli 07, 2018).

[15] S. Feng u. a., „Acupuncture for the treatment of allergic rhinitis: a systematic review and meta-analysis“, Am. J. Rhinol. Allergy, Bd. 29, Nr. 1, S. 57–62, Feb. 2015, doi: 10.2500/ajra.2015.29.4116.

[16] E. Alvarez-Cuesta u. a., „Standards for practical allergen-specific immunotherapy“, Allergy, Bd. 61 Suppl 82, S. 1–20, 2006, doi: 10.1111/j.1398-9995.2006.01219_1.x.

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