COVID-19: Hoffnung durch Antikörper-Tests?


Antikörper-Tests können feststellen, ob Menschen das Coronavirus bereits in sich hatten. Sie könnten uns in Zukunft vielleicht zeigen, welche Menschen immun sind – und uns so helfen, in die Normalität zurückzukehren.

Antikörper sind mikroskopisch kleine Eiweiße, die Ihrem Körper dabei helfen, gefährliche Infektionen wie COVID-19 zu bekämpfen. Als wichtige Werkzeuge des Immunsystems sind sie dazu da, Krankheitserreger zu erkennen. Den Viren hetzen sie Abwehrzellen auf den Hals, die ihnen den Garaus machen. Antikörper im Blut können auch darauf hinweisen, ob Sie schon einmal mit einem bestimmten Erreger infiziert waren – in diesem Fall mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

In diesem Artikel beantworten wir die wichtigen Fragen zum Thema Antikörper-Tests. Was sind Antikörper? Welche davon sind bei COVID-19 aktiv? Was bringen Antikörper-Tests, und wie helfen Sie uns auf dem Weg zur Herdenimmunität weiter?

Tipp: Aktuelle Informationen und die offiziellen Empfehlungen rund um die COVID-19-Pandemie erhalten Sie zusätzlich auf der Website des Robert-Koch-Instituts. In unserem Gesundheitsportal haben wir Ihnen ebenfalls wichtige Fakten und Empfehlungen rund um das Coronavirus und COVID-19 zusammengestellt.

Was bringen die Coronavirus-Antikörper-Tests?

Warum setzen einige Wissenschaftler so viel Hoffnung auf die Antikörper-Tests?Viele Menschen bekommen gar nicht mit, dass sie sich mit SARS-CoV-2 angesteckt haben. Häufig verläuft die Infektion mit milden Symptomen, die nach einer einfachen Erkältung aussehen. Oder es gibt sogar gar keine Beschwerden [1].

Mit einem Antikörper-Test wie dem cerascreen® Coronavirus Antikörper Test können Sie herausfinden, ob Sie das Virus schon einmal hatten. Für den Test von cerascreen® entnehmen Sie sich zuhause eine kleine Blutprobe und senden sie an ein medizinisches Fachlabor- Das Labor analysiert dann mit der bewährten ELISA-Methode Ihre Probe auf Antikörper gegen das Coronavirus.

Wird man nach der Erkrankung immun?

Noch lässt sich nicht sicher sagen, ob Menschen, die Antikörper gegen das Virus haben, auch wirklich immun werden. Berichte aus China und Südkorea schienen zuletzt zu zeigen, dass das Virus doch häufiger erneut aktiv werden kann – doch Experten führen das eher auf Unregelmäßigkeiten bei den Messungen zurück [1].

Das Robert-Koch-Institut und Experten wie der Virologe Christian Drosten vermuten, dass es sich verhält wie bei anderen Erkältungsviren. Dann würde es nach der COVID-19-Erkrankung zu einer Immunität kommen, die vielleicht sogar zwei bis drei Jahre lang anhält [11].

Sobald das wissenschaftlich gesichert ist, würden sich neue Möglichkeiten ergeben. Wenn Sie nicht mehr krank würden und andere anstecken könnten, dürften Sie vielleicht früher wieder unter Leute und zur Arbeit gehen. In Zukunft könnte die Politik unter Umständen auch Kontaktbeschränkungen für positiv getestete Menschen aufhebenDiskutiert werden dazu etwa "Immunitätsausweise".

Wann Antikörper-Test – und wann PCR-Test?

Antikörper-Tests können wiederum nicht zuverlässig feststellen, ob Sie im Moment des Testens an COVID-19 leiden. Denn das Immunsystem stellt die Antikörper erst später im Laufe der Erkrankung her – eine frühe Phase der Erkrankung lässt sich an ihnen schlecht erkennen.

Für die Diagnostik einer akuten Infektion eignen sich PCR-Tests, die das Erbgut des Virus in einer DNA-Probe analysieren. Mit dem cerascreen® Coronavirus Test können Sie sich den dafür nötigen Rachenabstrich zuhause selbst entnehmen, die Auswertung findet dann in einem Diagnostik-Fachlabor statt.

Was ist die Herdenimmunität?

Die Herdenimmunität ist der Zustand, in dem sich so viele Menschen in der „Herde“ angesteckt haben und immun geworden sind, dass die Krankheit sich nicht mehr exponentiell ausbreiten kann. Man könnte für COVID-19 auch sagen: Der Zustand, in dem die Pandemie auch ohne weitreichende Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungsverbote als beherrschbar gilt.

Damit wir eine Herdenimmunität erreichen, müssen Schätzungen von Fachleuten zufolge 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung Antikörper in sich tragen und eine Immunität entwickelt haben. Um zu wissen, wie weit wir in diesem Unterfangen sind, brauchen wir Antikörper-Tests [2]. Das Robert-Koch-Institut und andere Fachgesellschaften planen deswegen ab Mai 2020 groß angelegte Studien mit Antikörper-Tests, um herauszufinden, wie viele Menschen bereits immun sein könnten [3].

Wie erreichen wir Herdenimmunität?

Die entscheidende Frage ist, wie schnell wir den Zustand der Herdenimmunität erreichen können. Schreitet die Pandemie in einem Tempo voran, mit dem unser Gesundheitssystem zurechtkommt, wird es viele Jahre dauern, bis sich genug Menschen angesteckt haben und immun geworden sind. Im Moment (Stand 24. April 2020) haben nach Schätzungen von Experten erst zwei bis drei Prozent der Bevölkerung Antikörper gebildet. Von einer Herdenimmunität sind wir also weit entfernt [4], [5].

Wenn sich aber in kurzer Zeit mehr Menschen anstecken, wird das Gesundheitssystem nicht alle zuverlässig versorgen können. Es wird nicht genug Krankenhausbetten, Personal und Beatmungsgeräte geben, und deswegen kann es zu mehr Todesfällen kommen.

Um den Prozess zu beschleunigen, hoffen Experten deswegen auf Impfstoffe. Eine Impfung stellt ebenfalls eine Immunität her. Doch Schätzungen zufolge können wir mit sicheren Impfstoffen frühestens im Jahr 2021 rechnen.

Was sind Antikörper?

Antikörper sind Proteine (Eiweiße), die das Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern einsetzt. In der Fachsprache nennt man sie auch Immunglobuline [6].

Wussten Sie schon? Ein Antigen ist ein Stoff auf der Oberfläche eines Krankheitserregers. Mit ihm reagieren die Antikörper des Immunsystems. Genauer gesagt: Der Antikörper bindet sich an das Antigen, sein „Schlüssel“ passt in das „Schloss“ des Antigens. Hängt der Antikörper erst einmal am Antigen, wissen die Abwehrzellen des Immunsystems, was zu tun ist: Sie rücken an und versuchen, den Eindringling zu vernichten.

Welche verschiedenen Antikörper gibt es?

Es gibt unterschiedliche Klassen von Antikörpern, die für verschiedene Spezialbereiche in der Erregerbekämpfung zuständig sind. Zu den wichtigsten Klassen gehören [6]:

  • IgA-Antikörper schützen vor verschiedenen Arten von Krankheitserregern. Sie kommen auf Schleimhäuten vor, zum Beispiel im Darm, an den Atemwegen und an den Augen.
  • IgE-Antikörper schickt der Körper ins Feld, um Parasiten zu bekämpfen, zum Beispiel krankheitserregende Würmer. Fehlsteuerungen der IgE-Antikörper sind der Grund für Allergien.
  • IgM-Antikörper sind eine der ersten Abwehrmaßnahmen des Immunsystems. Sie werden in der frühen, akuten Phase einer Infektionskrankheit gegen Viren und Co. ins Feld geschickt.
  • IgG-Antikörper sind so etwas wie die Nachhut der Abwehrkräfte. Sie werden erst zwei bis drei Wochen nach einer Infektion gebildet. Danach bleiben sie lange im Körper und sorgen dafür, dass eine Immunität gegen den Erreger hergestellt wird.

Welche Antikörper sind bei COVID-19 aktiv?

Um gegen Viren vorzugehen, sind im Körper in der Regel Antikörper der Klassen IgA, IgM und IgG aktiv. Untersuchungen zeigen, dass das auch beim neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 der Fall ist.

Im Laufe der Infektion mit Coronaviren beginnt der Körper, nach und nach Antikörper zu produzieren. Zu Beginn der Krankheit sind sie noch nicht oder kaum vorhanden. Zuerst entstehen dann IgA- und IgM-Antikörper.

Im späteren Verlauf – manchmal auch erst nach der eigentlichen Erkrankung – kommen dann die IgG-Antikörper hinzu. Die IgG-Antikörper sind „reifer“, sie passen genauer auf die Viren, zu deren Bekämpfung sie da sind. Sie bleiben auch deutlich länger in Blut. Deswegen eignen sich IgG am besten für Antikörper-Tests auf COVID-19 [7].

Infografik: Wie lange bleiben Viren und Antikörper im Körper?

Wie lange und wie gut sind die Antikörper nachweisbar?

Bei anderen Vertretern der Coronaviren-Familie sind IgG teilweise noch nach drei Jahren nachweisbar. Die IgG-Antikörper gegen Viren weiterer Familien, Masernviren etwa, bleiben sogar lebenslang bestehen. Für SARS-CoV-2 lässt sich das zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau sagen – dazu fehlen die Langzeitstudien.

IgG-Antikörper lassen genauere Aussagen zu

Weil sie passgenauer sind und lange erhalten bleiben, lassen IgG-Antikörper eine zuverlässigere Aussage darüber zu, ob Sie eine bestimmte Krankheit schon hatten, beziehungsweise ob sie eine Immunität gegen einen Erreger aufgebaut haben [7].

Gut zu wissen: Sie haben bestimmt schon öfter den Begriff „neuartiges Coronavirus“ gelesen. Das Virus SARS-CoV-2 ist nämlich nicht das Erste seiner Art. Zur Familie der Coronaviren gehören verschiedene Erreger –unter anderem SARS-CoV-1, das die Krankheit SARS auslöst, MERS sowie einige einfache Erkältungsviren. SARS-CoV-2 unterscheidet sich relativ stark von seinen Familienmitgliedern. Unser Immunsystem ist deswegen nicht darauf vorbereitet, es abzuwehren [8].

Welche Antikörper sollten getestet werden?

Die IgM- und IgA-Antikörper bleiben nach der Erkrankung für einige Wochen in Ihrem Blut. Ist die Infektion eine Weile her, können Sie aber schon wieder verschwunden sein. Außerdem sind sie noch nicht so genau auf das Virus zugeschnitten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test sie mit anderen Corona-Erkältungsviren verwechselt, ist also relativ hoch.

Die IgG-Antikörper wiederum bleiben noch viel länger im Blut, vielleicht sogar für mehrere Jahre. IgG-Tests liefern zudem in der Regel genauere Ergebnisse, weil sie besser zwischen verschiedenen Corona-Viren unterscheiden können. Experten halten IgG-Messungen deswegen für am aussagekräftigsten – vor allem, wenn sie frühestens zwei Wochen nach Beginn der Krankheit durchgeführt werden.

In einer chinesischen Studie etwa fielen IgG- und IgM-Tests vor allem mehr als zehn Tage nach Beginn der Erkrankung positiv aus – davor konnten sie die Antikörper offenbar nicht zuverlässig feststellen. Nach 35 Tagen ließen sich die IgM-Antikörper dann in vielen Fällen nicht mehr nachweisen. [9].

Wie genau sind die Antikörpertests?

Die IgG-Tests können sehr genaue Ergebnisse liefern. Sie sollten dazu aber lange genug nach der Ansteckung durchgeführt werden. Nachweisbar sind die Antikörper in der Regel ab circa zwei Wochen nach der Infektion.

Um die Genauigkeit eines solchen Tests anzugeben, haben Wissenschaftler zwei Kennzahlen: Die Spezifität und die Sensitivität. Beide werden in Prozentzahlen gemessen und geben an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ein korrektes Ergebnis zu bekommen.

Spezifität gib an, mit welcher Genauigkeit die Auswertung feststellt, ob Menschen gesund waren, also wie zuverlässig negative Ergebnisse sind. Eine hohe Spezifität schließt falsch-positive Ergebnisse aus.

Sensitivität gibt an, mit welcher Genauigkeit ein Test misst, ob Menschen krank sind, also wie zuverlässig positiven Ergebnisse sind. Eine hohe Sensitivität schließt falsch-negative Ergebnisse aus [10].

Spezifität von Antikörpertests auf COVID-19

Als Standard für IgG-Antikörpertests auf das Coronavirus im Labor gilt das bewährte ELISA-Verfahren. Viele Labore geben für ihre ELISA-Tests auf COVID-19 eine Spezifität von 98 bis 99 Prozent an. Im Umkehrschluss bedeutet das: Das Risiko, ein positives Ergebnis zu bekommen, obwohl Sie keine Antikörper haben, liegt bei einem bis zwei Prozent.

Die Genauigkeit der Ergebnisse hängt aber auch vom Messzeitpunkt ab. Wenn die Ansteckung mindestens 20 Tage her ist, können die Tests in der Regel zuverlässige Ergebnisse liefern [2].

Wie funktioniert das ELISA-Verfahren? In einem Labor wird das Virus zusammen mit der Blutprobe auf eine spezielle Platte gegeben. Später kommt ein an Antikörper gebundenes Enzym hinzu. Waren zuvor die richtigen Antikörper im Blut, entsteht auf der Platte ein Gebilde aus Virus, Antikörpern und Enzym. Daraufhin verfärbt sich ein Stoff, der dem Enzym beigemischt ist. Am Grad der Verfärbung lässt sich dann die Konzentration der Antikörper erkennen.

Neutralisationstest

Wissenschaftler haben bei der Antikörperanalyse ein weiteres Werkzeug, um Fehler auszuschließen: Fällt in der Forschung ein Antikörpertest positiv aus, folgt ein weiterer Test derselben Blutprobe in einem anderen Labor. Das nennen Forscher einen Neutralisationstest. Er soll mögliche Messfehler neutralisieren, also beseitigen, und zu einem noch genaueren Ergebnis beitragen [7].

Quellen

[1]        Robert-Koch-Institut, „Coronavirus SARS-CoV-2 - SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)“. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html (zugegriffen März 31, 2020).

[2]        N. W. SPIEGEL Katherine Rydlink, DER, „Corona-Antikörpertests: Zu früh, um wahr zu sein“. https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-wie-antikoerpertests-dabei-helfen-die-pandemie-zu-verstehen-a-2258edcd-a304-4ee0-83cc-76a24f340c45 (zugegriffen Apr. 17, 2020).

[3]        Robert-Koch-Institut, „Wie viele Menschen sind immun gegen das neue Coronavirus? Robert Koch-Institut startet bundesweite Antikörper-Studien“, 2020. https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2020/05_2020.html (zugegriffen Apr. 14, 2020).

[4]        NDR, „Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten, Folge 33: Herdenimmunität noch lange nicht in Sicht“. /nachrichten/info/33-Herdenimmunitaet-noch-lange-nicht-in-Sicht,podcastcoronavirus192.html (zugegriffen Apr. 23, 2020).

[5]        DER SPIEGEL, „WHO bremst Hoffnung auf Herdenimmunität“. https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/who-bremst-hoffnung-auf-herdenimmunitaet-a-1a330878-ad55-4b59-a8c0-8ff736bff0ca (zugegriffen Apr. 23, 2020).

[6]        S. H. E. Kaufmann, „Antikörper und ihre Antigene“, in Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, S. Suerbaum, G.-D. Burchard, S. H. E. Kaufmann, und T. F. Schulz, Hrsg. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016, S. 49–61.

[7]        NDR, „Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten, Folge 31:  Eine Wiederinfektion bleibt unwahrscheinlich“. /nachrichten/info/31-Eine-Wiederinfektion-bleibt-unwahrscheinlich,podcastcoronavirus186.html (zugegriffen Apr. 16, 2020).

[8]        X. Li u. a., „Evolutionary history, potential intermediate animal host, and cross-species analyses of SARS-CoV-2“, Journal of Medical Virology, Bd. 92, Nr. 6, S. 602–611, 2020, doi: 10.1002/jmv.25731.

[9]        W. Liu u. a., „Evaluation of Nucleocapsid and Spike Protein-based ELISAs for detecting antibodies against SARS-CoV-2“, medRxiv, S. 2020.03.16.20035014, März 2020, doi: 10.1101/2020.03.16.20035014.

[10]      W. Bautsch, „Requirements and Assessment of Laboratory Tests“, Deutsches Aerzteblatt Online, Juni 2009, doi: 10.3238/arztebl.2009.0403.

[11]      NDR, „Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten, Folge 36: Die Rolle von Kindern ist nicht geklärt“. /nachrichten/info/36-Die-Rolle-von-Kindern-ist-nicht-geklaert,podcastcoronavirus200.html (zugegriffen Mai 04, 2020).

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