Magen-Darm-Infektion 


Magen-Darm-Viren sind hochansteckend und verursachen unangenehme Durchfallerkrankungen. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie sich vor einer Magen-Darm-Grippe schützen.

Statistisch gesehen erkrankt jeder Mensch einmal in seinem Leben an einer Magen-Darm-Infektion. Meist passiert das, wenn das Norovirus oder das Rotavirus Saison haben. Diese Viren verbreiten sich rasend schnell, mit Vorliebe in Schulen und Kliniken, und lösen eine kurze, aber unangenehme Erkrankung mit Brechdurchfällen aus.

Erfahren Sie in diesem Artikel, welche Viren, Bakterien und Parasiten eine Magen-Darm-Grippe auslösen können, wie Sie sich im Falle einer Infektion verhalten sollten und wie Sie sich mit Hygiene-Regeln vor einer Ansteckung schützen können. Wir erklären Ihnen alles Wissenswerte über die beiden wichtigsten Auslöser von Magen-Darm-Infekten, die Noro- und Rotaviren. Außerdem: Kann man sich gegen eine Magen-Darm-Infektion impfen?

Magen-Darm-Grippe

Mehr als 65 Millionen Fälle von Magen-Darm-Grippe gibt es Schätzungen zufolge jedes Jahr in Deutschland. Bei einer Magen-Darm-Grippe, auch Gastroenteritis genannt, greifen aggressive Viren oder Bakterien die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes an [1], [2].

Was sind die Ursachen einer Magen-Darm-Grippe?

Eine Magen-Darm-Infektion kann durch verschiedene Krankheitserreger ausgelöst werden. Am häufigsten sind Viren verantwortlich, üblich sind auch Bakterien. Ein Befall mit Parasiten ist eine weitere mögliche Ursache, die allerdings in der westlichen Welt relativ selten ist [3].

In den meisten Fällen sind die extrem ansteckenden Noroviren und Rotaviren an einer Magen-Darm-Infektion schuld.

Die gängigsten Bakterien, die zur Magen-Darm-Grippe führen, sind E. Coli, Campylobacter, Clostridien und Salmonellen [3] [2].

Parasiten, die Magen-Darm-Beschwerden auslösen, sind zum Beispiel Lamblien, Amöben und Kryptosporidien [4, S.].

Gut zu wissen: Was ist die Inkubationszeit? Die Inkubationszeit beschreibt den Zeitraum, der zwischen dem Moment der Infektion und dem Ausbruch, also den ersten Symptomen, liegt. Diese Zeitspanne ist bei der Magen-Darm-Grippe häufig recht kurz. Das Norovirus kann sich bereits nach sechs Stunden bemerkbar machen, beim Rotavirus beträgt die Inkubationszeit einen bis drei Tage [1], [5].

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Welche Symptome treten bei einer Magen-Darm-Grippe auf?

Infizieren Sie sich mit Magen-Darm-Viren, können folgende Beschwerden schnell auftreten [2]:

  • Durchfall, in einigen Fällen blutig
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Leichtes Fieber
  • Kraftlosigkeit

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen in Schulen, Kindergarten, Altenheimen, Krankenhäusern und Mitarbeitende in der Lebensmittelindustrie haben ein erhöhtes Risiko, sich mit einer Magen-Darm-Grippe zu infizieren.

Ältere Menschen, Menschen mit geschwächter Immunabwehr sowie Säuglinge und Kinder sind aufgrund ihres schwachen Immunsystems generell anfälliger für die Erreger. Sie neigen auch zu den schwersten Krankheitsverläufen – sollten Sie zu einer Risikogruppe gehören und sich anstecken oder Ihr kleines Kind erkranken, suchen Sie am besten Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [2].

Noro- und Rotaviren – die häufigsten Magen-Darm-Verursacher

Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnete für das Jahr 2019 mehr als 78.000 Noroviren- und 36.000 Rotaviren-Infektionen in Deutschland [6]. Die beiden Virenstämme gelten als die Erreger, die weltweit am häufigsten Magen-Darm-Infektionen bei Kindern verursachen [1].

Im Zeitraum von Oktober bis März treten die meisten Infektionen mit Noroviren auf, Rotaviren haben zwischen Februar und April Hochsaison [2, 5].

Wussten Sie schon? Auffällig wenig Fälle von Magen-Darm-Infekten gab es im Jahr 2020: In den ersten 49 Kalenderwochen des Jahres meldete das RKI nur rund 27.500 Norovirus- und 5.900 Rotavirus-Fälle. Das liegt wahrscheinlich an den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie – vor allem die Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen haben auch dafür gesorgt, dass Magen-Darm-Viren sich deutlich weniger ausbreiten konnten [7]

Infografik: Viren sind häufigste Auslöser von Lebensmittelinfektionen, vor Bakterien und Parasiten

Wie steckt man sich mit dem Norovirus und dem Rotavirus an?

Noro- und Rotaviren verbreiten sich vor allem von Mensch zu Mensch, durch eine sogenannte fäkal-orale Infektion. Erkrankte Menschen scheiden die Viren über den Stuhl oder das Erbrochene aus. Kleinste Mengen der Ausscheidungen können an die Hände geraten – fassen wir uns dann aus Versehen an Mund oder Nase, können wir uns auf diesem Wege anstecken.

Noro- und Rotaviren können auch auf Oberflächen, wie Türgriffen, mehrere Tage überleben und sich von dort aus weiterverbreiten. Diesen Infektionsweg nennt man auch Schmierinfektion.

Eine Tröpfcheninfektion ist möglich, wenn die Viren durch schwallartiges Erbrechen in die Luft geraten. Dann stecken sich andere an, wenn Sie die Viren in der Luft einatmen.

Eine Übertragung über verunreinigte Lebensmittel und Trinkwasser ist vor allem in ärmeren Ländern mit niedrigeren Hygienestandards üblich. Kommt es in Deutschland zu einer Ansteckung über Lebensmittel, liegt das meist daran, dass Viren an den Händen hafteten und vor dem Kochen oder Essen die Hände nicht gewaschen wurden. Einfrieren tötet die Viren nicht ab, Kochen bei großer Hitze allerdings schon [1],[5],[8].

Aus der Wissenschaft: Eine Untersuchung, die in der Zeitschrift Cell Host & Microbe im Jahr 2018 veröffentlich wurde, erklärt, dass Noro- und Rotaviren auf raffinierte Weise in den Darm eindringen. Sie verstecken sich in den Membranzellen, wo das Immunsystem sie nicht finden kann. Die Viren schließen sich zusammen, bis sie eine gewisse Menge erreicht haben, und schlagen dann zu [9]

Wie lange ist man bei einer Noroviren-Infektion ansteckend?

Noroviren verlassen vor allem über den Stuhl den Körper. In der Regel befinden sich zwei Tage nach dem Ausbruch der Erkrankung am meisten Viren im Stuhl – dann sind Betroffene am ansteckendsten.

Die Ansteckungsgefahr kann aber auch bis zu 14 Tage andauern. Deswegen sollten Sie in dieser Zeit strenge Hygiene-Regeln einhalten, um eine Ausbreitung zu verhindern [3].

Wussten Sie schon? Das Norovirus kann bis zu drei Wochen an Türgriffen und auf Oberflächen überleben [1].

Wie lange ist man bei einer Rotaviren-Infektion ansteckend?

Wer an einer Rotaviren-Infektion erkrankt, ist bis zu acht Tage ansteckend. Am häufigsten erkranken Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren daran [5]

Kann man sich gegen Noro- und Rotaviren impfen lassen?

Gegen das Norovirus ist bislang keine Impfung möglich. Es gibt jedoch einen Impfstoff gegen das Rotavirus, der sich nur für Säuglinge eignet. Die Ständige Impfkommission empfiehlt Eltern, ihre Kinder gegen das Rotavirus zu impfen [1], [5]

Schutzmaßnahmen bei Magen-Darm-Infektionen

Eine Magen-Darm-Infektion zehrt ordentlich an den Kräften des Körpers. In seltenen Fällen kann sie durch Dehydration oder Immunschwäche sogar lebensgefährlich werden. Nehmen Sie die Saison der hochansteckenden Noro- und Rotaviren also nicht auf die leichte Schulter.

Treffen Sie Vorkehrungen, um eine Ausbreitung zu verhindern – vor allem, wenn Sie selbst oder Menschen in Ihrem Umfeld erkrankt sind.

Hände richtig desinfizieren

Was muss ich bei einer Magen-Darm-Infektion beachten?

Das Robert-Koch-Institut hat Leitlinien erstellt, um das Infektionsrisiko bei ansteckenden Krankheiten zu verringern. Die Regeln ähneln größtenteils denen, mit denen Sie sich auch vor Grippe oder Erkältung schützen können [1], [10]:

  • Hände häufig waschen
  • Häufig lüften
  • Desinfektion von Kontaktflächen (Toilette, Waschbecken, Türgriffe)
  • Wenn möglich getrennte Toilettennutzung
  • Waschen von Bettwäsche, Waschlappen und Geschirrtüchern bei 60 Grad mit desinfizierendem Waschmittel

Manche Erreger, etwa viele Bakterien und Parasiten, verbreiten sich über verunreinigte Lebensmittel. Waschen Sie deshalb Obst und Gemüse immer sorgfältig. Schneidebretter sollten Sie nach der Verwendung mit kochendem Wasser abspülen, besonders, wenn Fleisch oder Fisch darauf geschnitten wurden [1].

Infografik: Hygienemaßnahmen, um Ansteckungsrisiko zu senken

Wichtig: Wenn Sie eine Magen-Darm-Infektion hatten, gehen Sie nicht zu früh wieder zur Arbeit und schicken Sie Ihre Kinder nicht vorzeitig wieder in die Schule. Die Symptome sollten für mindestens zwei Tage abgeklungen sein. Um das Risiko andere anzustecken zu minimieren, sollten sie außerdem auch in den Tagen nach der Erkrankung noch besonders auf ihre Toiletten- und Handhygiene achten [1].

Gut zu wissen: Mängel an bestimmten Nährstoffen können das Immunsystem schwächen und eine Ansteckung mit Krankheitserregern wahrscheinlicher machen. Informieren Sie sich in unserem Gesundheitsportal, wie Sie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D,  Eisen und Mineralstoffen wie Selen und Zink sicherstellen. 

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Therapie einer Magen-Darm-Infektion

Meistens klingt eine Magen-Darm-Grippe relativ schnell von selbst ab. Wenn Durchfälle länger als zwei Tage bestehen, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Kinder, Schwangere und Senior*innen sollten bei Verdacht auf eine Magen-Darm-Grippe unverzüglich ärztlich behandelt werden.

Sehr schwere Magen-Darm-Infektionen können zu Störungen im Elektrolythaushalt und im schlimmsten Fall zu Blutvergiftungen und Blutarmut führen.

Wie wird eine Magen-Darm-Grippe behandelt?

Durch das ständige Erbrechen und den Durchfall verliert der Körper viel Wasser. Um diesen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, sollten Sie auf jeden Fall viel trinken, idealerweise Wasser und ungesüßten Kräutertee. Bei langanhaltenden Durchfallerkrankungen können Sie sich eine orale Rehydratationslösung aus der Apotheke beschaffen. Diese Flüssigkeit versorgt den Körper mit wichtigen Elektrolyten und füllt den Wasserhaushalt auf.

Auf jeden Fall sollten Sie koffeinhaltige Getränke, Milch, Alkohol, Zigaretten sowie fettige, zuckerreiche und scharfe Gerichte meiden [2].

Tipp: Eine Magen-Darm-Infektion kann die Darmflora schwächen. Sie können nach der Krankheit probiotische Lebensmittel zu sich nehmen, um sie wiederaufzubauen. In unserem Gesundheitsportal finden Sie Tipps für eine gesunde Darmflora.

Magen-Darm-Infektionen: Auf einen Blick

Wie entsteht eine Magen-Darm-Grippe?

Bakterien und Viren, insbesondere Noro- und Rotaviren, gelangen meist über Oberflächen und die Hände in den Mund und von dort aus in den Darm.

Dort attackieren sie die Darmschleimhaut, woraufhin es zu Beschwerden wie Brechdurchfällen und Bauchschmerzen kommt.

Wer ist besonders von einer Magen-Darm-Grippe betroffen?

Theoretisch kann es jeden treffen. Am häufigsten leiden aber Kinder und Senioren daran.

Das Infektionsrisiko in Einrichtungen wie Altenheimen oder Krankenhäusern ist besonders hoch.

Wie lange dauert ein Magen-Darm-Infekt?

Je nach Art des Virus kann eine Magen-Darm-Grippe bis zu 14 Tage dauern.

Im Normalfall dauert eine Norovirus-Infektion zwei Tage und eine Rotavirus-Infektion acht Tage.

Worauf muss ich bei einer Magen-Darm-Grippe achten?

Die richtige Hygiene ist das A und O, um weitere Infektionen zu vermeiden und sich nicht anzustecken. Hände und Oberflächen sollten regelmäßig desinfiziert werden. Zudem sollte man Betroffenen nicht zu nahekommen.

Erst wenn die Symptome für zwei Tage abgeklungen sind, sollten Sie wieder zur Schule oder Arbeit gehen. Legen Sie danach aber weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Handhygiene.

Wie behandelt man eine Magen-Darm-Grippe?

Eine Magen-Darm-Grippe verschwindet meist ohne ärztliche Therapie.

Sollten Durchfälle länger als zwei Tage anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Kinder, Schwangere und Senioren sollten bei einem Magen-Darm-Infekt immer ärztlich behandelt werden.

Bei schweren Durchfällen empfiehlt es sich, orale Rehydratationslösungen zu trinken und darmschonende Lebensmittel zu essen.

Quellenangaben

[1]        Robert-Koch-Institut, „RKI-Ratgeber - Norovirus-Gastroenteritis“. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Noroviren.html (zugegriffen Jan. 07, 2019).

[2]        Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, „Magen-Darm-Infektionen“, infektionsschutz.de. https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/krankheitsbilder/magen-darm-infektionen.html (zugegriffen Jan. 25, 2021).

[3]        S. M. Fletcher, M.-L. McLaws, und J. T. Ellis, „Prevalence of Gastrointestinal Pathogens In Developed and Developing Countries: Systematic Review and Meta-Analysis“, J Public Health Res, Bd. 2, Nr. 1, S. 42–53, Juli 2013, doi: 10.4081/jphr.2013.e9.

[4]        „Magen-Darm-Infektionen“. https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/krankheitsbilder/magen-darm-infektionen/ (zugegriffen Jan. 07, 2019).

[5]        Robert-Koch-Institut, „RKI-Ratgeber - Rotaviren-Gastroenteritis“. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Rotaviren.html (zugegriffen Jan. 07, 2019).

[6]        Robert-Koch-Institut, „Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2019“, S. 257.

[7]        Robert-Koch-Institut, „Epidemiologisches Bulletin 50/2020“, S. 26, 2020.

[8]        „BfR: Fragen und Antworten zu Noroviren“. https://mobil.bfr.bund.de/de/faq/fragen_und_antworten_zu_noroviren-8749.html (zugegriffen Jan. 14, 2019).

[9]        M. Santiana u. a., „Vesicle-Cloaked Virus Clusters Are Optimal Units for Inter-organismal Viral Transmission“, Cell Host & Microbe, Bd. 24, Nr. 2, S. 208-220.e8, Aug. 2018, doi: 10.1016/j.chom.2018.07.006.

[10]      „The right way to wash your hands“, Mayo Clinic. https://www.mayoclinic.org/healthy-lifestyle/adult-health/in-depth/hand-washing/art-20046253 (zugegriffen Jan. 07, 2019).

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