Vitamin-B12-Mangel– Der neue Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für ein Drittel der weltweiten Todesfälle verantwortlich - Tendenz steigend (1).

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind auf mehrere Risikofaktoren zurückzuführen. Als Risikofaktor wird eine Tatsache oder ein Verhalten bezeichnet, welches negative gesundheitliche Folgen begünstigt. Aufgrund der Vielzahl von möglichen Risikofaktoren, ist es schwierig einen einzelnen Faktor als Ursache festzustellen. Die wahrscheinlich bekanntesten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (gestörte Blutfettwerte), Diabetes mellitus (Blutzuckerkrankheit) und Rauchen.

Doch was hat Vitamin B12 mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun?

Vitamin B12 ist im Homocystein-Stoffwechsel beteiligt und verstoffwechselt dieses in Methionin. Methionin wiederum wird im Folsäurestoffwechsel und in der Proteinbildung benötigt. Methionin ist also im Gegensatz zu dem Homocystein ein harmloser und sehr wichtiger Stoff im Körper. Wobei fairer Weise gesagt werden muss, dass Homocystein in normalen Mengen ebenfalls unbedenklich ist. Dennoch ist Homocystein als ein unabhängiger Risikofaktor für Arteriosklerose bekannt. Die Arteriosklerose ist definiert als eine andauernde Entzündung in der Gefäßwand eines Blutgefäßes (Arterie). Dadurch kommt es zu einer Ablagerung von Blutfetten, einer Gewebsveränderung und zu einer Verkalkung in den Arterien. Arteriosklerose ist der häufigste Auslöser für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie beispielsweise den Herzinfarkt und den Schlaganfall (2). Homocystein ist in der Lage den bei der Arteriosklerose stattfindenden Entzündungsprozess anzuregen (3). Shenov und seine Kollegen stellten 2014 in ihrer Studie fest, dass Patienten mit Erkrankungen der Herzarterien einen wesentlich höheren Homocystein-Spiegel aufwiesen als Personen ohne diese Krankheit. Zudem traten auch vermehrt Neuerkrankungen im Bereich der Herzgefäße auf, wenn der Homocystein-Wert erhöht war. Weiterhin wurde in dieser Studie festgestellt, dass Homocystein die Aktivität eines bestimmten Stoffes (HMG Co A) erhöht, welcher wiederum eine verstärkte Cholesterinproduktion (Blutfett) bewirkt (4). Ein erhöhter Cholesterin-Spiegel fördert Arteriosklerose und ist somit an einem weiteren Risikofaktor der Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt – der Fettstoffwechselstörung.

Eine weitere Studie aus 2014 beschäftigt sich mit dem Homocystein im Zusammenhang mit oxidativen Stress und Entzündungsprozessen in Zellen. Dabei wurde ermittelt, dass Homocystein nicht nur den oxidativen Stress (sauerstoffabhängige, schädliche Reaktionen auf den Organismus) und die Entzündungsprozesse in Zellen fördert, sondern auch die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid, welches eine stark entspannende Wirkung auf die Zellen hat, reduziert. Stickstoffmonoxid entspannt beispielsweise die Herzkranzgefäße und senkt den Blutdruck. Diese beiden Eigenschaften senken das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall (5).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Homocystein eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt. Vitamin B12 verhindert eine übermäßige Anlagerung von Homocystein im Blut und sollte deshalb immer im ausreichenden Maß vorhanden sein. Eine regelmäßige Überprüfung des Vitamin-B12-Spiegels ist deshalb von großer Wichtigkeit. Besonders Vegetarier und Veganer, Sportler und ältere Menschen weisen häufig einen zu niedrigen Spiegel auf. Dies kommt bei Vegetariern und Veganern daher, dass Vitamin B12 ausschließlich in tierischen Produkten zu finden ist. Sportler haben durch die verstärkte Schweißproduktion im Training einen erhöhten Vitaminverlust, weshalb auch hier Mangelerscheinungen auftreten können. Ältere Menschen müssen oftmals eine Vielzahl an Medikamenten zu sich nehmen. Diese können ebenfalls den Vitamin-B12-Spiegel beeinflussen.

Durch einen einfachen Bluttest kann ein Mangel diagnostiziert werden und daraufhin die optimale Therapie eingeleitet werden, um eine Anreicherung von Homocystein zu verhindern und somit das Arteriosklerose-Risiko zu senken.


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 Literatur

  1. Ganguly & Alam (2015). Role of homocystein in the development of cardiovascular disease. Nutrition Journal. 14:6.
  2. Schaffer et al. (2014). Relationship between homocysteine and coronary artery disease. Results from a large prospective cohort study. Thrombosis Research.134:288–93.
  3. Pang et al. (2014). Homocysteine induces the expression of C - reactive protein via NMDAr-ROS-MAPK-NF-κB signal pathway in rat vascular smooth muscle cells. Atherosclerosis. 236:73–81.
  4. Shenov et al. (2014). Correlation of serum homocysteine levels with the severity of coronary artery disease. Indian Journal of Clinical Biochemistry. 29(3):339–44.
  5. Zhang et al. (2014). Association between serum homocysteine and arterial stiffness in elderly: a community-based study. Journal of Geriatric Cardiology. 11:32–8.

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