Candida-Pilze sind Hefen, die sich in unserem Darm, auf der Haut und an den Schleimhäuten ansiedeln. In kleiner Zahl sind sie harmlos – wuchern sie aber stark, kann das Beschwerden im Darm und auf der Haut auslösen und das Immunsystem belasten. Eine gezielte Ernährungsumstellung soll helfen, die lästigen Hefepilze wieder loszuwerden.
Was ist Candida albicans?
Candida albicans ist ein Hefepilz, der die Schleimhäute des Menschen besiedelt – etwa im Mund und im Genitalbereich, wo er Infektionen auslösen kann. Auch im Darm kommt er vor: Studien zufolge tragen rund 70 bis 80 Prozent der Menschen Pilze im Darm, Candida albicans ist der häufigste dieser Darmpilze.
Kommt es zu einer Überbesiedlung mit Candida im Darm, bildet der Pilz nach einer Theorie des amerikanischen Arztes C.O. Truss Gase und Schadstoffe, die Symptome im ganzen Körper auslösen können – unter anderem:
- Blähungen
- Durchfall
- Magenschmerzen
- Müdigkeit
Möglicherweise kann Candida albicans auch das Immunsystem schwächen und die Entstehung von Allergien fördern. Menschen mit Reizdarmsyndrom, Zöliakie oder Diabetes mellitus haben Untersuchungen zufolge häufiger eine erhöhte Zahl von Candida im Darm.
Candida-Diät – welche Lebensmittel sind geeignet?
Die Therapie gegen Candida-Überbesiedlung ist eine spezielle Diät: Zentral ist dabei der Verzicht auf Glukose, auf zugesetzten Zucker. Hefepilze ernähren sich von Zucker, also soll eine zuckerarme Ernährung die Pilze aushungern und ihre Zahl reduzieren. In einigen neueren Studien konnte eine zucker- und hefearme Anti-Pilz-Diät die Wirkung des Anti-Pilz-Mittels Nystatin dabei unterstützen, allgemeine Beschwerden bei Menschen mit Pilzüberbesiedlung im Darm zu reduzieren [2–4].
Wichtig zu wissen: Die hier vorgestellte Anti-Pilz-Diät ist eine in der Naturheilkunde verbreitete Methode. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt und sie wird von vielen Fachgesellschaften nicht als Standardtherapie empfohlen. Sie basiert auf der Theorie, den Pilzen die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Sprechen Sie eine so umfassende Ernährungsumstellung immer mit Ihren Ärzt*innen oder Therapeut*innen ab.
Wir stellen Ihnen vor, welche Lebensmittel bei einer Anti-Pilz-Diät geeignet sind und welche nicht.
Süßes
Geeignete Lebensmittel: Milchzucker (Laktose), kohlenhydratfreie Süßstoffe wie Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Cyclamat.
Ungeeignete Lebensmittel: Meiden Sie die Zucker und Zuckerersatzstoffe Saccharose, Fructose, Maltodextrose, Sorbit und Xylit. Das bedeutet: keinen Haushaltszucker, braunen Zucker, Rohrzucker, Zuckerrohrsaft, Kandis oder Traubenzucker. Auch Ahornsirup, Rübenzucker und Honig sind tabu sowie sämtliche Süßigkeiten, Kuchen, Kekse und auch Obst. Achten Sie auch auf Zucker in Fertigprodukten.
Milchprodukte
Geeignete Lebensmittel: Quark, körniger Frischkäse, Naturjoghurt mit lebenden Kulturen, Schichtkäse, Milch, Kefir, Buttermilch, Sahne und Crème fraîche, Molke die ungesüßt ist, Schnitt-, Schmelz- und Weichkäse.
Ungeeignete Lebensmittel: Meiden Sie Joghurt, mit Ausnahme von Naturjoghurt, und alle Milchprodukte mit Fruchtzusatz.
Gut zu wissen: Naturjoghurt ist ein probiotisches Lebensmittel, enthält also Bakterienkulturen, die im Darm wirken können. Das kann sich womöglich positiv auf die Candida-Besiedlung auswirken. In einer Studie an 276 Neugeborenen hatten die Säuglinge, die Probiotika enthielten, deutlich weniger Pilze im Darm [6].
Getränke
Geeignete Lebensmittel: Wasser, Gemüsesäfte und Tomatensäfte ohne Zuckerzusatz. Diätlimonaden mit Süßstoff (ohne Zuckerzusatz), Bohnenkaffe, schwarzer Tee, grüner Tee und Kräutertees.
Ungeeignete Lebensmittel: Fruchtsäfte (gezuckerte und ungezuckerte), Sirup und Fruchtnektare, süße Milchgetränke. Auch alkoholische Getränke sollen gemieden werden, sprich alle Sorten von Bier, Weinen, Likören und Schnäpsen.
Brot/Backwaren
Geeignete Lebensmittel: Knäckebrot (Vollkorn), Kleiebrot, Sauerteig-Roggen-Vollkornbrot, mit Ballaststoffen angereicherte Sauerteig-Brote. Brot sollte zudem keinen Malzzusatz haben.
Ungeeignete Lebensmittel: Helles Brot, Brötchen und Fladenbrote sowie Kuchen und Gebäckmischungen.
Fleisch und Wurstwaren
Geeignete Lebensmittel: Fleisch von Geflügel, Wild, Kaninchen, Lamm, Rind und Schwein. Frischwurst, Schinken, Rauchfleisch, zuckerfreie Streichwurst.
Ungeeignete Lebensmittel: Wurstsorten, die mit Zucker oder Honig verarbeitet wurden – ein Blick auf die Zutatenliste gibt darüber Auskunft. Solche Zusatzstoffe finden sich oft in abgepackten Wurstsorten.
Fette und Öle
Geeignete Lebensmittel: Pflanzenöle (am besten kaltgepresst, zum Beispiel Olivenöl, Nussöl, Leinöl, Kokosöl), Margarine, Halbfett-Margarine, Butter, Schweine- und Gänseschmalz, Butterschmalz.
Ungeeignet: Brat- und Backfette mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren.
Gut zu wissen: Kokosöl kann Pilze abtöten und so womöglich die Beschwerden einer Candida-Überbesiedlung reduzieren. In einer Pilotstudie ermittelten serbische Forscher einen Rückgang von Candida in Stuhlproben, wenn Probanden zusätzlich zum Anti-Pilz-Mittel Nystatin eine Diät mit viel Kokosöl einhielten [5].
Nährmittel und Kartoffelprodukte

Geeignete Lebensmittel: Alle Getreidesorten als ganzes Korn, als Schrot, Vollkornmehl, Grieß oder Vollkornnudeln, aber nur in Maßen. Außerdem Haferflocken, Weizenflocken, Roggenflocken und Hirseflocke. Haferkleie und Weizenkleie, Kartoffeln und Vollkornreis.
Ungeeignete Lebensmittel: Helles Weizenmehl (Typ 1050, 550, 405), Speisestärke, Weißreis. Helles Roggenmehl, Sago, Hart- und Weichweizengrieß. Pulver für Fertigklöße oder Kartoffelpüreepulver. Cremesuppen und –Saucen, Instant Sauce, Saucenbinder. Süßes Müsli, gesüßte Kleieprodukte, Trockenfrüchte (Rosinen usw.), Puddingpulver, Weizenkeime.
Suppen, Binde- und Würzmittel
Geeignete Lebensmittel: Fonds, klare Brühen und Bouillons, klare Suppen, Senf (allerdings nur zuckerfreier Senf), Mayonnaise (zuckerfrei), Ketchup (zuckerfrei sowie stärkefrei), Essig (aber kein Balsamicoessig), reines und zuckerfreies Kakaopulver, Gelatine, kohlenhydratfreie pflanzliche Bindemittel (z. B. Biobin oder Nestargel), natürliches Zitronenaroma-, Mandelaroma.
Ungeeignete Lebensmittel: Saucen die stärkehaltig sind und Saucen in Pulverform sowie in Pastenform, Ketchup, flüssige Fertigsaucen, Sojasaucen und Hefe-Extrakt.
Fisch und Krebstiere

Geeignete Lebensmittel: Meeresfische und Süßwasserfische, Austern und Miesmuscheln, Calamaris und Tintenfisch – aber jeweils ohne Panade
Ungeeignete Lebensmittel: Fisch in Panade, paniertes Fischfilet, fritierter Fisch in Panade oder in Fischmarinaden. Fischkonserven mit Soßen.
Obst und Gemüse
Geeignete Lebensmittel: Frisches und tiefgefrorenes Gemüse, Zwiebeln, Knoblauch, Rettich, Porree, Gartenkresse und Brunnenkresse, milchsaures Gemüse (zum Beispiel Sauerkraut, Bohnen). Ebenso Hülsenfrüchte, sowohl getrocknet als auch aus der Dose. Ohne Zucker eingelegtes Gemüse.
Ungeeignete Lebensmittel: Obst und Früchteegal ob frisch oder tiefgefroren, in Konserven oder als Trockenfrüchte. Marmeladen und Konfitüre sowie Apfelkraut und Birnenkraut.
Sonstige Lebensmittel
Sojaprodukte, Nüsse, Samen und Eier können Sie bedenkenlos konsumieren. Achten Sie hier auch darauf, in welcher Kombination Sie die Lebensmittel verzehren und ob Zuckerzusätze enthalten sind. In Studentenfutter stecken zum Beispiel neben den Nüssen zuckerhaltige Rosinen.
Gut zu wissen: Wenn Sie Ihre Ernährung umstellen, sollten Sie immer mögliche Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien berücksichtigen.
Quellen
[1] D. Ä. G. Ärzteblatt Redaktion Deutsches, „Pilze im Darm – von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern“, Deutsches Ärzteblatt, 21-Dez-2009. [Online]. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/67172/Pilze-im-Darm-von-kommensalen-Untermietern-zu-Infektionserregern. [Zugegriffen: 15-Juli-2019].
[2] C. O. Truss, „The Role of Candida Albicans in Human Illness“, CANDIDA ALBICANS, Bd. 10, Nr. 4, S. 11, 1981.
[3] H. Santelmann, E. Laerum, J. Roennevig, und H. E. Fagertun, „Effectiveness of nystatin in polysymptomatic patients. A randomized, double-blind trial with nystatin versus placebo in general practice“, Fam. Pract., Bd. 18, Nr. 3, S. 258–265, Juni 2001.
[4] N. Martins, I. C. F. R. Ferreira, L. Barros, S. Silva, und M. Henriques, „Candidiasis: Predisposing Factors, Prevention, Diagnosis and Alternative Treatment“, Mycopathologia, Bd. 177, Nr. 5–6, S. 223–240, Juni 2014.
[5] P. Manzoni u. a., „Oral supplementation with Lactobacillus casei subspecies rhamnosus prevents enteric colonization by Candida species in preterm neonates: a randomized study“, Clin. Infect. Dis. Off. Publ. Infect. Dis. Soc. Am., Bd. 42, Nr. 12, S. 1735–1742, Juni 2006.
[6] S. Otašević, S. Momčilović, M. Petrović, O. Radulović, N. M. Stojanović, und V. Arsić-Arsenijević, „The dietary modification and treatment of intestinal Candida overgrowth – a pilot study“, J. Mycol. Médicale, Bd. 28, Nr. 4, S. 623–627, Dez. 2018.